Gallensteinleiden – kompakt

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Der Begriff Gallensteinleiden wird auf Gallensteine in der Gallenblase und/oder in den Gallenwegen angewendet, wenn sie Symptome und Komplikationen, also ein Leiden auslösen 1. Vielfach aber bleiben Gallensteine lebenslang symptomlos.

Gallensteine bilden sich in den Gallenwegen, wenn bestimmte Bedingungen für ihre Entstehung vorliegen. Zu ihnen gehören vor allem eine Übersättigung der Galle mit Cholesterin und eine verzögerte Entleerung der Gallenblase (Gallenblasendyskinesie).

Lokalisation


Je nach Lokalisation spricht man von

Typen

Hinsichtlich Entstehung, Therapie und Vorbeugung sind 3 verschiedene Typen von Gallensteinen zu unterscheiden:

  • Helle Steine: Die meisten Gallensteine sind hell und bestehen überwiegend aus Cholesterin.
  • Schwarze Steine: sie enthalten Bilirubinprodukte, die auf eine Hämolyse hinweisen.
  • Braune, bröckelige Mischsteine, die auf eine Infektion der Gallenwege zurückzuführen sind.

Prädisposition

Eine Bereitschaft, Gallensteine zu bilden (Prädisposition für Gallensteine), besteht besonders bei

Das Gallensteinrisiko nimmt durch diätetische Faktoren (wie Fischöl oder Nüsse) ab (siehe hier).

Komplikationen

Gefürchtete Komplikationen sind

Symptome und Beschwerden

Symptome des Gallensteinleidens sind vorwiegend gelegentliche Übelkeit (vieldeutig), krampfartige Bauchschmerzen bis Koliken und bei Steinverschluss der Gallenwege eine Gelbsucht. Wenn Gallensteine auf diese Weise symptomatisch werden, so besteht in der Regel die Indikation zu einer Gallenblasenentfernung (Cholecystektomie). (Dazu siehe hier.)

Diagnostik

Zur Diagnostik dienen vor allem

Therapie

Sie verfolgt verschiedene Ziele.

  • Behebung einer Galleabflussstörung (z. B. durch ERC mit Papillotomie und Steinextraktion).
  • Bekämpfung einer eventuellen Infektion der Gallenwege.
  • Vorsorge neuer Steinbildungen durch Cholecystektomie (operative Entfernung der Gallenblase, dem Ort der Entstehung der meisten Steine).
  • Zufällig entdeckte Steine in einer nicht entzündeten Gallenblase werden, außer bei erhöhtem familiären Krebsrisiko, in der Regel nicht operiert.
  • Behebung einer evtl. vorliegenden Fettstoffwechselstörung oder Hämolyse (Blutzersetzung).

Einige grundlegende Fakten zum Gallensteinleiden

  • Etwa 20 % der Erwachsenen entwickeln in ihrem Leben Gallensteine; etwa 20 % von ihnen werden symptomatisch. 2
  • Die meisten Gallensteine bleiben während der Lebenszeit ihres Trägers symptomlos, tragen aber dennoch zu einem erhöhten Risiko für Gallenblasenkrebs bei. 3
  • In ~ 85 %  der Patienten mit Gallenblasenkarzinom finden sich Gallensteine in der Gallenblase. Die Inzidenz von Gallenblasenkrebs bei Patienten mit Gallensteinen liegt zwischen 0,3 % und 3 %. 4
  • Eine mit Cholesterin übersättigte Galle und ebenso ein Mangel an Phospholipiden fördert die Entstehung von Gallensteinen. Beide Voraussetzungen können genetisch verankert sein und familiär gehäuft auftreten.
  • Zusätzliche Faktoren können das Gallensteinrisiko erhöhen, so beispielsweise eine Trägheit der Entleerung der Gallenblase (Dyskinesie der Gallenblase: Sie bedeutet eine Verlängerung der Nukleationszeit), eine Veränderung des Darmmikrobioms, chronisch entzündliche Vorgänge in Gallenblase (Cholezystitis) und Gallenwegen (Cholangitis), sowie eine fettreiche Ernährung.
  • Darmbakterien verändern die Zusammensetzung des Gallensäuregemischs im Darm. Sie veranlassen die Darmschleimhaut, der Leber Signale zu senden, die den Stoffwechsel des Cholesterins und der Gallensäuren verändern. Der Stamm Desulfovibrionales beispielsweise verändert die primären Gallensäuren, die von der Leber in den Darm ausgeschieden werden, in der Weise, dass mehr „sekundäre Gallensäuren“ entstehen, die in den Cholesterinstoffwechsel der Leber eingreifen. (Dazu siehe hier.)
  • Eine Mikrolithiasis (Bildung sehr kleiner, schwer nachweisbarer Gallekonkremente) ist häufige Ursache sonst unerklärter wiederkehrender, kolikartiger Bauchschmerzen im rechten und mittleren Oberbauch und von wiederkehrenden Gallenwegs– und Bauchspeicheldrüsenentzündungen. Die Behandlungsoptionen beinhalten eine Erweiterung des Verschlussmechanismus des Hauptausführgangs zum Zwölffingerdarm hin (durch ERCP und Papillotomie) und eine Umstimmung der Galle mit der Gallensäure „Urso“.

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Verweise

Weiteres

  1. Care Excellence (NICE); 2014 Oct. PMID: 25473723.[]
  2. Nat Rev Dis Primers. 2016 Apr 28;2:16024. DOI: 10.1038/nrdp.2016.24[]
  3. Hepatobiliary Surg Nutr. 2014 Oct;3(5):221-6.[]
  4. Gastroenterol Hepatol 2001;16:560-3[]