Diabetes mellitus – einfach erklärt

Blutzuckermessung
Blutzuckermessung

Übersicht

Diabetes mellitus bedeutet Zuckerkrankheit. Sie ist die häufigste Stoffwechselkrankheit des Menschen. Eine Heilung ist zwar nicht möglich, aber wenn man die Veranlagung frühzeitig erkennt, lassen sich ein Fortschreiten und Komplikationen meistens verhindern. Menschen, die daran leiden, sollten sich intensiv mit der Krankheit und seiner Behandlung befassen, da sie selbst entscheidend dazu beitragen können, die Komplikationen und Spätfolgen zu vermeiden. Zu den Komplikationen gehören vor allem die Unterzuckerung (Hypoglykämie) und das Zuckerkoma (diabetisches Koma). Zu den Spätschäden gehören Nierenschäden, Sehminderung bis zur Blindheit und Schäden der Nerven und der Blutgefäße, auch die des Herzens und des Gehirns. Menschen mit Diabetes können heute, wenn sie sich rechtzeitig und konsequent in ihrer Lebensführung und Behandlung darauf einstellen, ein gesundes Leben führen und die Lebenserwartung weitgehend normalisieren.

Typen

Zwei Haupttypen der Zuckerkrankheit sind zu unterscheiden:

Der Typ-1-Diabetes ist deutlich seltener und tritt bereits in der Jugend auf. Er beruht von vorneherein auf einem Insulinmangel und bedarf entsprechend therapeutisch auch von vorneherein einer Insulinzufuhr.

Der Typ-2-Diabetes tritt am häufigsten auf und tritt meist im Erwachsenenalter zutage. Bei ihm spielt Übergewicht eine entscheidende Rolle. Da die Tendenz zur Fettleibigkeit in der westlichen Welt zunimmt, nimmt auch dieser Typ deutlich zu. Er wird zunächst diätetisch, mit oralen Medikamenten und später mit Insulin behandelt.

Daneben gibt es Sonderformen, wie einen Diabetes Typ 1, der in späterem Lebensalter auftritt (Typ Mody), den Diabetes bei einer Schwangerschaft oder die Zuckerkrankheit infolge einer Bauchspeicheldrüsenkrankheit.

→ Zum Typ-1-Diabetes siehe hier.
→ Zum Typ-2-Diabetes siehe hier.

Typ-1-Diabetes

Ursache Insulinmangel: Der Typ-1-Diabetes ist der Typ einer Zuckerkrankheit, der bereits als Kind auftritt. Kinder, die an diesem Typ leiden, sind von vorneherein auf Insulin angewiesen. Denn bei diesem Typ liegt die Ursache in einer Störung der Bildung von Insulin, dem Hormon der Bauchspeicheldrüse, welches den Zuckerstoffwechsel reguliert. Fehlt es, so kann der Zucker (Glukose) des Bluts nicht genügend verwertet werden: der Blutzucker steigt. Den Zellen, die Zucker als Energiequelle benötigen (vor allem auch die Zellen des Gehirns), fehlt der Zucker dagegen als Energiequelle.

Gewicht: Menschen mit Typ-1-Diabetes sind anfangs in der Regel nicht übergewichtig, sondern normal- oder gar untergewichtig. In der Anfangsphase der Erkrankung fällt manchmal eine Gewichtsabnahme auf, die auf Einschmelzung von Körperfett zurückzuführen ist. Denn Körperfett wird beim Typ-1-Diabetes wegen des Insulinmangels statt der Glukose als Energiequelle benutzt.

Autoimmunkrankheit: Die für die Insulinbildung zuständigen Inselzellen der Bauchspeicheldrüse werden vom Körper durch den Angriff des eigenen Immunsystems allmählich zerstört. Ursache des Typ-1-Diabetes ist also das fehlgeleitete eigene Immunsystem des Körpers. Er ist damit eine Autoimmunkrankheit.

Symptome: Zunächst macht sich der Mangel an Insulin nur in Situationen eines hohen Bedarfs z. B. nach Mahlzeiten bemerkbar, später (wenn immer mehr Inselzellen der Bauchspeicheldrüse zerstört sind) reicht die Insulinproduktion auch nicht mehr für die Basisversorgung des Körpers aus. Die ersten Symptome sind dann Schwindel, Benommenheit oder Konzentrationsschwäche. Der Körper wehrt sich, indem er Traubenzucker (Glukose) aus seinen Reserven zu mobilisiert, was er vor allem durch Hormone wie Adrenalin zustande zu bringen versucht. In dieser Phase der noch leichten Unterzuckerung verspürt der Betroffene meist folgende Symptome:

  • Zittrigkeit,
  • kalter Schweiß,
  • Herzklopfen (schneller Herzschlag) und
  • Unruhe.

Wenn die Gegenregulation unzureichend ist, tritt ein Schock durch Unterzuckerung auf (hypoglykämischer Schock). Solch ein Unterzuckerungsschock kann in einigen Fällen, in denen auf die ersten Warnsymptome nicht gehört wurde, zur Erkennung des Typ-1-Diabetes führen.

Behandlung: die Therapie besteht von Anfang an in einer Insulinzufuhr, heute in der Regel durch eine Insulinpumpe. Es werden erste sehr positive Erfahrungen mit einem künstlichen Pankreas gemacht, bei dem eine kontinuierliche Blutzuckermessung dazu benutzt wird eine Insulinpumpe selbsttätig so einzustellen, dass die Blutzuckerwerte richtig einreguliert werden.

Typ-1-Diabetes

Typ-2-Diabetes

Beim Typ-2-Diabetes, der deutlich häufiger vorkommt als der Typ-1-Diabetes, lässt sich oft eine genetische Grundlage wahrscheinlich machen, nämlich wenn in der Familienanamnese Familienmitglieder mit Typ-2-Diabetes erfragt werden können (siehe hier). Patienten, die an diesem Typ leiden, sind in der Regel bereits erwachsen und mehr oder weniger stark übergewichtig. Dieser Typ wird manchmal auch als Altersdiabetes bezeichnet.

Früherkennung: Aber auch wenn der Typ 2 meist erst im späteren Erwachsenenalter offen zutage tritt, beginnen die Veränderungen an den Blutgefäßen, den Nieren und dem Herzen bereits 10-15 (-20) Jahre früher! Sie lassen sich zu dem Zeitpunkt noch nicht an einem erhöhten Blutzuckerspiegel ablesen; die Veranlagung lässt sich jedoch bereits durch einen Blutzuckerbelastungstest erkennen. Wenn er krankhaft (pathologisch) ausfällt, sollten die Ursache gefunden und vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden, um ein Fortschreiten zu verhindern. Stark Übergewichtige, die besonders gefährdet sind, sollten von Zeit zu Zeit solch einen Test machen lassen und auf ihren Lebensstil achten.

Erste Symptome: Die Zuckerkrankheit zeigt sich – wenn sie nicht zuvor schon durch den Arzt mit Hilfe von Blut- und Urinuntersuchungen festgestellt wurde – durch eine Harnflut. Wenn ein Mensch zunehmend mehr Urin verliert und immer mehr Durst entwickeln, muss an einen Typ-2-Diabetes gedacht werden.

Störung der Insulinwirkung – nicht der Insulinbildung: Beim Typ-2-Diabetes liegt nicht eine Störung der Insulinbildung (wie beim Typ 1) vor, sondern eine Störung der Insulinwirkung. Die Körperzellen beginnen, auf Insulin nicht mehr ausreichend zu reagieren. Damit können sie Zucker (Glukose), die sie dringend für ihre Funktionen benötigen, nicht mehr genügend nutzen. Um dem Energiemangel der Zellen, vor allem denen des Gehirns, entgegenzuwirken, produziert die Bauchspeicheldrüse immer mehr Insulin. Das geht eine Weile gut, bis sich jedoch irgendwann die Fähigkeit der Inselzellen, Insulin zu bilden, erschöpft.

Erschöpfung der Insulinbildung: In der Anfangsphase sind die Blutzuckerwerte durch die Gegenregulation noch normal. Wenn die Körperzellen zunehmend resistent gegen Insulin werden und sich die Kapazität der Bauchspeicheldrüse, Insulin zu bilden, erschöpft, ist es erforderlich, Insulin von außen zuzuführen. Im Spätstadium des Typ-2-Diabetes wird ein Patient mit Typ-2-Diabetes ebenso von Insulin-Injektionen abhängig, wie es der Patient mit Typ-1-Diabes von Anfang an ist.

Übergewicht senken, schon als Kind! Wichtig ist es zu wissen, dass übergewichtige Jugendliche im Erwachsenenalter häufig einen Typ-2-Diabetes bekommen. Wer als Kind jedoch übergewichtig ist und es schafft, bis zur Pubertät normalgewichtig zu werden, der hat dagegen erhöhtes Risiko nicht mehr! 1 Eltern sollten daher schon früh auf eine gesunde Ernährung und viel Bewegung ihrer Kinder achten und bei Übergewicht versuchen, spätestens zum Beginn der Pubertät ein normales Gewicht zu erreichen.

Folgen erhöhter Blutzuckerspiegel

Hohe Blutzuckerspiegel haben erhebliche Konsequenzen. Das gilt selbst für kurzzeitige Blutzuckerspitzen nach Mahlzeiten.

Verengung kleinster Blutgefäße

Die Folgen erhöhter Blutzuckerwerte betreffen in erster Linie die kleinen Blutgefäße praktisch des gesamten Körpers. Es entwickelt sich eine „diabetische Mikroangiopathie“. Der Widerstand für den Blutfluss steigt. Die Folgen sind je nach betroffenem Organ oder Stromgebiet unterschiedlich. Beispiele sind folgende:

  • Das Herz: Die Durchblutung der Herzmuskulatur nimmt ab, die Belastungsgrenze sinkt, es kommt zur Herzinsuffizienz.
  • Die Nieren: Es entwickelt sich eine Nierenfunktionsstörung (diabetische Nephropathie). Die Blutgefäße der Nierenkörperchen, die das Blut filtern, werden für Eiweiße undicht und es kommt schließlich zu einem messbaren Eiweißmangel im Blut. Zudem kann die Nierendurchblutung sinken, sodass der Filtrierdruck nicht mehr ausreicht und Giftstoffe im Körper verbleiben. Es entwickelt sich eine Niereninsuffizienz. Eine mangelhafte Durchblutung der Nieren hat zudem die Folge einer Gegenregulation durch den Körper, der die Durchblutung so lange wie möglich in ausreichendem Maß aufrecht erhalten will. Dies versucht er durch Erhöhung des Blutdrucks zu erreichen. Patienten mit Diabetes Typ 2 entwickeln daher oft einen Bluthochdruck (Hypertonie).
  • Die Füße: Die Durchblutung auch der Füße nimmt ab. Kleine Verletzungen heilen schlechter und entzünden sich leichter. Es können große offene Geschwüre auftreten, die einen Infektionsherd für den Körper darstellen können. Wegen der Wichtigkeit dieser Komplikation wurde sie mit dem Begriff „diabetisches Fußsyndrom“ belegt. Füße müssen bei Diabeteskranken besonders gepflegt werden.
  • Die Nerven: Die Nerven werden von kleinsten Äderchen mit Blut versorgt. Verengen sie sich, so sinkt die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung und es kommt zu Störungen der Nervenfunktionen: vermindertes Gefühl, Schmerzen oder Ameisenlaufen. Wenn eine sensible Taubheit entsteht, können kleine Verletzungen nicht verspürt werden. Dies wird als „diabetische Neuropathie“ bezeichnet; sie trägt zu nicht unwesentlichem Teil zum „diabetischen Fußsyndrom“ bei.
  • Das Gehirn: Menschen mit Diabetes sind gefährdet, eine frühzeitige Demenz, spezielle eine Alzheimer-Demenz zu entwickeln. Auch andere neurodegenerative Krankheiten, wie der Morbus Parkinson, treten gehäuft ein. 2 3 4
  • Das Auge: Die Veränderungen an den kleinen Blutgefäßen des Körpers können am Auge direkt durch Spiegelung beobachtet werden. Es entwickelt sich eine „diabetische Retinopathie“, bei der die Sehkraft (der Visus) dramatisch abnehmen und die zur Erblindung führen kann.

Verengung großer Blutgefäße

Die mittleren und großen Arterien des Körpers sind bei Menschen mit Diabetes für eine Arterienverengung (durch Arterienverkalkung, Arteriosklerose) anfällig (diabetische Makroangiopathie), besonders wenn der Blutdruck erhöht und der Fettstoffwechsel gestört ist. Beides findet sich beim Diabetes mellitus Typ 2 (Diabetes bei Übergewicht, Altersdiabetes) sehr häufig. Die Arteriosklerose führt zu Verengungen (Stenosen) und lokalen Gerinnseln (Thromben), was schwerwiegende Folgen für die Stromgebiete der betroffenen Gefäße hat. Wichtige Beispiele sind:

  • Das Herz: Eine Arteriosklerose der Herzkranzgefäße mit Verengungen führt zu Herzschmerzen (Angina pectoris) und erhöht das Risiko eines Herzinfarkts.
  • Das Gehirn: Die Schlagadern, die zum Gehirn führen, können gefährliche arteriosklerotische Verengungen entwickeln, die das Risiko für einen Schlaganfall steigern.
  • Die Beine: Verengungen der Beinarterien führen zu Schmerzen beim Laufen. Das ständige Stehenbleibenmüssen wird als Schaufensterkrankheit bezeichnet. Die Verschlechterung der Blutversorgung der Füße trägt zum diabetischen Fußsyndrom bei. Es können sich Geschwüre bilden, die schlecht heilen.
  • Die Nieren: Eine Verengung der Nierenarterien führt zu einer verminderten Nierendurchblutung. Der Körper versucht die Engen durch Erhöhung des Blutdrucks zu überwinden; so erklärt sich die Entstehung einer Hypertonie.

Schädigung des Gehirns

Patienten mit einem metabolischen Syndrom (Übergewicht, erhöhter Blutdruck, Fettstoffwechselstörung) und einer Zuckerkrankheit haben häufiger als normal einen Leistungsabfall des Gehirns bis hin zur Entwicklung einer Demenz und einer Alzheimer-Krankheit (siehe auch unter Altern). Oft wird der Beginn nicht rechtzeitig erkannt. Wichtig ist es gerade auch aus diesem Grunde, konsequent das Gewicht zu reduzieren (siehe auch unter Ernährung bei Adipositas und Gewichtsreduktion durch Operation): dies bessert den Zuckerstoffwechsel, normalisiert die körpereigene Insulinproduktion und reduziert wahrscheinlich das Demenzrisiko.

Schädigung der Leber

Menschen mit Zuckerkrankheit neigen zu einer Verfettung und schwelenden Entzündung der Leber (nichtalkoholische Fettlebererkrankung, NAFLD). Dies ist besonders bei denen der Fall, die im Rahmen eines Diabetes Typ II stark übergewichtig sind (siehe unter Adipositas). In einigen Fällen entwickelt sich die Fettleberhepatitis zu einer Narbenleber (Leberzirrhose) weiter. Dies ist ein zusätzlicher Grund, schon früh besonders auf das Gewicht zu achten.

Wie man Diabetes erkennt

Um Spätschaden möglichst zu vermeiden, ist es erforderlich, eine gestörte Fähigkeit, Blutzucker in den Körperzellen zu verwerten, (gestörte Glukosetoleranz) so frühzeitig wie möglich zu erkennen. Denn schon zu hohe Blutzuckerwerte nach Mahlzeiten, die man bei der Messung des Nüchternblutzuckers nicht erfasst, können schon zu Folgeschäden führen! Der behandelnde Arzt wird einen Glukosebelastungstest durchführen (Zuckertrunk, anschließend Blutzuckermessungen über 2 Stunden), dessen Ergebnis die weitere Behandlung beeinflussen wird. Insbesondere heißt es im Fall eines krankhaften Ergebnisses, die Lebensführung drastisch umzustellen (Umstellung der Ernährung, mehr körperliche Bewegung, Gewichtsabnahme).

Ist die Zuckerkrankheit erst einmal offenbar (manifest) geworden, muss der Blutzucker ständig kontrolliert werden. Der Grenzwert für Nüchtern-Plasma-Glukose (Blutzuckerbestimmung aus Venenblut) von 126 mg/dl (7,0 mmol/l) (entspricht im kapillären Vollblut – erhalten durch einen Stich in die Fingerbeere – 110 mg/dl (6,1 mmol/l)) sollte nicht überschritten werden.

Der Blutzucker-Langzeitwert HbA1c sollte alle 2 Monate gemessen werden. Er gibt im Groben an, wie die Werte in diesem Zeitraum im Mittel gelegen haben. Angestrebt werden Werte unter 6%, zufrieden kann man oft schon mit Werten unter 6,5 sein. Je höher sie liegen, desto schlechter war der Blutzucker eingestellt, umso intensiver muss nachreguliert werden.

Bei älteren Menschen kann eine straffe Einstellung gelegentlich Unterzuckerungen herbeiführen. Da man sie heute wegen des durch sie erhöhten Demenzrisikos für gefährlicher als früher hält, stellt man den Zucker individuell oft auch weniger straff ein und strebt nur HbA1c-Werte von über 7%  bis zu 8 % an, nicht mehr wie früher solche nahe dem Normbereich.

Untersuchungen der häufig betroffenen Organe, wie die der Blutgefäße, gehören zur Diagnostik hinzu (Arteriosklerose?), ebenso die der Nieren (Nierenfunktionsstörung?), der Augen (Netzhautveränderungen: diabetische Neuropathie?), der Beine (Durchblutungsstörungen, diabetisches Fußsyndrom?), der Nerven (Gefühlsstörungen?), des Herzens (Koronarsklerose?) (siehe auch unter Diabetes mellitus Folgeschäden).

Wie der Diabetes behandelt wird

Die Behandlung der Zuckerkrankheit seht auf mehreren Füßen.

Beim Typ-1-Diabetes steht die Insulinbehandlung ganz im Vordergrund. Dazu siehe hier.

Beim Typ-2-Diabetes sind je nach Entwicklungsphase der Erkrankung unterschiedlich Maßnahmen angezeigt.

  • Lebensstil: vermehrte körperliche Bewegung, richtige Ernährung (Diätberatung und diätetische Kontrolle), Gewichtsabnahme, Vermeidung zusätzlicher Risikofaktoren für eine Arteriosklerose. Kein Nikotin! Kein freier Zucker, fettarme Kost. Reduktion des Alkoholkonsums, u. U. Alkoholverbot.
    Ziel ist es dabei, den Stoffwechsel günstig zu beeinflussen, Übergewicht zu vermeiden und keine zusätzlich schädigenden Einflüsse einwirken zu lassen. Ein gesunder Lebensstil ist die Grundlage jeglicher Diabetesbehandlung!
  • Medikamente: es gibt eine Reihe von Medikamenten in Tablettenform, die zur Senkung des Blutzuckers eingesetzt werden (orale Antidiabetika), wie beispielsweise Biguanide und Sulfonylharnstoffe. Sie müssen individuell ausgesucht und nach Erfolg dosiert werden. Unter den herkömmlichen Medikamenten spielt Metformin immer noch eine bedeutende Rolle, da es auch die Zellen vor oxidativem Stress schützt und so Folgekrankheiten des Diabetes vorbeugt. (siehe hier). Unter den neuen Medikamenten wird insbesondere den Inkretin-Mimetika (wie Liraglutid) und den Glukosewiederaufnahmehemmern (wie Empagliflozin) eine hohe Erwartung entgegengebracht. Empagliflozin wirkt über die Blutzucker senkende Wirkung hinaus auf anderem Wege noch positiv bezüglich der Vorbeugung eines Herzinfarkts und einer diabetischen Nierenschädigung.
    Kontrollwerte sind der Urinzucker, der Blutzucker und das HbA1c (Langzeitparameter, soll < 6,5 liegen).
    Moderne Blutzucker senkende Medikamente ohne Risiko einer Unterzuckerung sind
    – die DPP-4-Hemmer,
    – die Inkretin-Mimetika, die zudem noch eine Gewichtsabnahme fördern, und
    – die Hemmer der Zuckerrückgewinnung in den Nieren (SGLT-2-Hemmer, Empagliflozin), die ebenfalls eine Gewichtsabnahme fördern und ein nur geringes Risiko für eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) haben.
  • Insulin: Je nach Bedarf wird Insulin alleine (Diabetes Typ 1, Endstadium des Diabetes Typ 2) oder in Kombination mit oralen Antidiabetika verwendet. Gefahr ist immer die Unterzuckerung. Es wird eine basale Insulinrate individuell festgelegt (in frühen Stadien kann auf sie auch verzichtet werden) und zu Mahlzeiten werden die Blutzuckerspitzen abgedeckt. Es stehen verschiedene Insulinarten (Langzeitinsulin, Kurzzeitinsulin, „Sportlerinsulin“) zur Verfügung und die Applikation ist auch sehr variabel (unter die Haut, in die Vene, als Dauerinfusion mit Insulinpumpe). Das künstliche Pankreas bedient sich einer kontinuierlichen Blutzuckermessung und eigenständigen Regulation der Insulinzufuhr. Sie scheint sich für Typ-1-Diabetiker als zuverlässiger herauszustellen als die eigenständige Einstellung der Insulinpumpe. 5 6 Zu anderen Applikationsarten (wie durch Inhalation) sind noch verhältnismäßig wenige Erfahrungen vorhanden. Auch wenn viele Patienten ihre Behandlung selbst in die Hand nehmen, muss dennoch ein diabetologisch erfahrener Arzt immer wieder kontrollieren.

→ Zur Insulintherapie siehe hier.

Die Lebenserwartung

Wenn der Diabetes rechtzeitig entdeckt und gut behandelt wird, ist die Lebenserwartung praktisch normal. Je später er entdeckt wird und je weniger konsequent die Behandlung durchgeführt wird, desto schlechter wird sie. Da in einer Querschnittsuntersuchung der Bevölkerung sowohl Diabetiker mit sehr guter Einstellung und Lebensführung als auch sehr schlecht Eingestellte mit nachlässiger Befolgung der ärztlichen Ratschläge vorhanden sind, so zeigen die Ergebnisse nicht unbedingt immer das, was möglich ist, an. Wenn also eine Untersuchung zeigt, dass Diabetiker eine 8-10 Jahre kürzere Lebenserwartung haben als Nichtdiabetiker, so trifft das durchaus nicht auf die Untergruppen gut und schlecht Eingestellter zu, sondern ist eine Aussage zum statistischen Mittel.

Der Trend geht dahin, dass die Zahl der Diabetiker in der Bevölkerung steigt, aber die Todesrate abnimmt, also die Therapieerfolge zunehmen. Was daraus abzuleiten wäre, ist

Lebenserwartung bei Diabetes
Diabetes-Therapiegrundlagen


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Verweise

Weiteres

  1. N Engl J Med 2018; 378:1302-1312 DOI: 10.1056/NEJMoa1713231[]
  2. Nat Rev Endocrinol. 2018 Oct;14(10):591-604. doi: 10.1038/s41574-018-0048-7[]
  3. ACS Omega. 2024 Sep 19;9(39):40870-40881[]
  4. J Parkinsons Dis. 2024;14(5):917-924. doi: 10.3233/JPD-230104[]
  5. BMJ. 2018 Apr 18;361:k1310. doi: 10.1136/bmj.k1310. PMID: 29669716; PMCID: PMC5902803.[]
  6. Adv Endocrinol Metab. 2020 Aug 25;11:2042018820950146. doi: 10.1177/2042018820950146. PMID: 32922721; PMCID: PMC7453453.[]