Das Wichtigste zusammengefasst
Ein Mikrobiom wird als die Gemeinschaft von Mikroorganismen mit ihrem speziellen Lebensraum aufgefasst. Das Mikrobiom des Darms, als bedeutendstes Beispiel, setzt sich in den verschiedenen Darmabschnitten unterschiedlich zusammen und beinhaltet sowohl aerobe als auch anaerobe Keime. Zwischen Bakterien und dem Darm gibt es eine enge Symbiose, die Auswirkungen auf den gesamten Körper hat.
Als Darmflora wird die Gesamtheit der im Darm, speziell im Dickdarm befindlichen Bakterien bezeichnet. Die Bakterienmasse im Dickdarm von 1 – 1,5 kg (etwa 1014, also 10 Millionen mal 10 Millionen Bakterien) mit über 36000 verschiedenen Spezies übertrifft die Zahl der Körperzellen um das Vielfache. 1
Mikrobiota sind die Mikroorganismen eines Mikrobioms. Zu ihnen gehören Bakterien, Archaeen, Pilze, Algen und kleine Protisten, in einigen der verschiedenen Definitionen auch Phagen, Viren, Plasmiden und Exosomen (mobile genetische Elemente). 2
Die Art der Ernährung spielt für die Zusammensetzung der Darmflora bezüglich der im Darm vorherrschenden Bakterienspezies eine herausragende Rolle. Ihr kommt eine bedeutende Rolle bei der Vorbeugung und Behandlung vieler Krankheiten zu, wie beispielsweise bei der Behandlung chronischer Darmkrankheiten.
Die Funktion der Darmbakterien ist vielfältig und betrifft nicht nur die Verdauung. „Gute“ Darmmikrobiota schließen unverdauliche Bestandteile auf und bilden aus ihnen Butyrat (Salz der Buttersäure), welches die Schleimhaut stabilisiert, d. h. zu ihrer Abdichtung beiträgt und zudem vom Körper zur Energiegewinnung genutzt werden kann. Darmbakterien beeinflussen auch auf verschiedene Weise zudem die Leberfunktion und das Immunsystem. Pathogene Stämme führen zu akuten und chronischen Krankheiten.
→ Der Magendarmtrakt (Verdauungstrakt)
→ Die Verdauung und ihre Regulation: Basics
Verschiedene Mikrobiome des Körpers
Mikrobiome unterscheiden sich zwischen den Menschen und bei jedem Menschen je nach Lokalisation (Darm, Vagina, Haut – unterschiedlich an verschiedenen Stellen, Mund etc.) und ändern sich mit dem Alter. Ein großes Forschungsfeld betrifft die Auswirkungen von Ernährung, Medikamenten, ethnischer Zugehörigkeit und Lebensstil auf die Zusammensetzung des Keimspezies sowie die Zusammenhänge mit Krankheiten. 3
Das symbiotische Zusammenleben mit Bakterien hat sich evolutionär entwickelt, so dass jede Körperregion (u. a. auch die Haut) eine Bakterienflora beherbergt, die nicht krank macht, sondern von der der Körper profitiert. 4
Das Mikrobiom des Darms ist das bestuntersuchte und bekannteste Mikrobiom. Es repräsentiert die Gesamtheit der im Darmkanal vorhandenen Mikroorganismen (Mikrobiota) und das kollektive Genom der Darmflora. 5
Verteilung der Bakterien im Magendarmkanal
Die Menge an Darmbakterien macht ein Gewicht von etwa 2 Kilogramm aus und übersteigt mit 1014 die Zahl der Körperzellen um über das 10-fache. 6 Während Magen und Dünndarm keimarm sind, so ist der Dickdarm das Hauptreservoir der Darmflora.
Keimzahlen
Die Zahl der Bakterien in den verschiedenen Abschnitten des Magendarmtrakts beträgt pro g Darminhalt: 7
- Magen: 102–103
- Duodenum 104–105
- Jejunum 106–107
- Ileum 107–108
- Kolon 1011–1012
Mikrobiom im Dickdarm
Die Zahl der bakteriellen Speziesim Dam übersteigt heute bei weitem die früheren Vorstellungen von etwa 300. Während bisher nur kulturelle Methoden der Identifizierung zur Verfügung standen, so stehen heute molekularbiologische Methoden zur Verfügung. Mit DNA- und RNA-Analyse können etwa 36000 verschiedene Spezies unterschieden werden. 8 Erst damit konnten viele Fragen zur Assoziation der verschiedenen Mikrobiota mit Krankheiten oder dem Schutz vor Krankheiten untersucht werden.
Nach Ergebnissen von Stuhlkulturen sind Bacteroides sp., Eubacterium sp., Bifidobacterium sp., Peptostreptoccocus sp., Fusobacterium sp., Ruminococcus sp., Clostridium sp. und Lactobacillus spp als die Hauptvertreter identifiziert worden. Auf dem Boden großer molekulargenetischer Studien (DNA-Analyse) werden nun Firmicutes (64%), Bacteroidetes (23%), Proteobacteria (8%) and Actinobacteria (3%) als die überwiegenden Vertreter im Kolonmikrobiom angesehen. 9
Das Mikrobiom von Säuglingen wird von Bifidobakterien beherrscht, später – je nach Zufütterung – wird es komplexer und ähnelt bald dem eines Erwachsenen. Im Erwachsenenalter ist die Zusammensetzung des Mikrobioms individuell unterschiedlich, bleibt aber im selben Individuum über die Zeit relativ gleich. 10 Wodurch die individuellen Unterschiede im Mikrobiom herrühren und auf welche Weise es durch den Lebensstil beeinflusst wird, ist noch nicht hinreichend geklärt.
Darmflora und Immunsystem
Die Darmflora entwickelt sich bereits vorgeburtlich 11 und wird direkt nach der Geburt durch Inokulation mit Umgebungskeimen massiv „aufgeforstet“. Das Immunsystem des Körpers lernt in dieser Phase, den nützlichen Keimen gegenüber tolerant zu sein. Die Zusammensetzung der Darmflora richtet sich zunächst auch nach der Nahrung, die dem Darmkanal zugeführt wird, nämlich nach den Inhaltsstoffen der Muttermilch (siehe hier).
Effekt perinataler Antibiotika
Kommt das Kind in der perinatalen Entwicklungsperiode mit Antibiotika in Kontakt, wie es beispielsweise zunehmend bei der „Antibiotikaprophylaxe“ der Mutter unter der Geburt der Fall ist, so hat dies Auswirkungen auf die kindliche Bakterienzusammensetzung. Spanische Untersucher wiesen nach, dass sie bei den Darmkeimen des neugeborenen Kindes zu einer Zunahme spezifischer Resistenzgene (β-Lactamase kodierende Gene) führte. 12
Antibiotika vermögen die Entwicklung der individuellen Zusammensetzung der Darmflora zu beeinflussen, was Konsequenzen für das sich entwickelnde Immunsystem des Kindes hat. Kinder, die während der Geburt mit Antibiotika in Kontakt kommen, sind – so wird angenommen – im späteren Leben Krankheiten gegenüber weniger resistent. 13
Während die mütterlichen Keime die Quelle der ersten Inokulation im Kind darstellen, ändert sich und steigt die Diversität in den ersten Monaten durch Keime von außen und die Art der Ernährung. Die Zusammensetzung ändert sie sich und konvergiert in Richtung eine jeweils individuellen „adulten“ Zusammensetzung, die im Alter von 3 (bis 5) Jahren erreicht ist. Danach bleiben 60 bis 70% der Keimzusammensetzung während des gesamten Lebens stabil. 14 Jeder Mensch hat eine „mikrobielle Signatur“ die lebenslang bleibt. 15
Mikrobiom und Ernährung
Die Ernährung trägt zur Zusammensetzung des Mikrobioms entscheidend bei. In einer Studie an Kindern in ländlichen Bereichen von Burkina Faso (Afrika) mit einer ursprünglichen vegetarischen und ballaststoffreichen Kost wurde ein deutlich höherer Anteil an Bacteroides und ein wesentlich geringerer Anteil an Firmicutes gefunden als bei Europäischen Kindern. Sie wiesen auch einen erheblichen Anteil an Bakterien der Genus Prevotella und Xylanibacter auf, die Zellulose und Xylan hydrolysieren können, die bei Europäischen Kindern völlig fehlen.
Im Stuhl der Kinder aus Burkina Faso fand sich zudem eine höhere Konzentration an Schleimhaut-schützenden kurzkettigen Fettsäuren als bei EU-Kindern. Das Mikrobiom von Kindern aus afrikanischer ländlicher Bevölkerung wird in der Veröffentlichung als „Schatz“ bezeichnet, der erhalten werden muss. 16
Damkeime und Ballaststoffe
Ballaststoffe werden von Bakterien verstoffwechselt. Unter den entstehenden Produkten wirken einige protektiv auf das Kolon, wie z. B. Butyrat, welches einen Tumor-unterdrückenden Signal-Pathway fördert. 17 Ballaststoffe können vor Darmkrebs schützen.
Darmkeime und Gallensäurestoffwechsel
Ein wesentlicher Wirkmechanismus, über den Darmbakterien den Körper und umgekehrt der Körper das Darmmikrobiom bestimmt, ist die Zusammensetzung der Galle. Verschiedene Gallensäuren beeinflussen das Mikrobiom unterschiedlich, wobei diese einerseits wiederum die Zusammensetzung der Gallensäurespezies beeinflussen. Andererseits wirken die Gallensäuren als „Hormone“ und beeinflussen verschiedene Organe und Stoffwechselvorgänge, so auch im Gehirn.
Zwischen Mikrobiota des Darms und Gallensäuren gibt es ein differenziertes Wechselspiel mit Auswirkungen auf die Schleimhautbarriere des Darms, den Gallensäurestoffwechsel und auf die „Hormonfunktion“ der Gallensäuren.
→ Gallensäuren als Hormone und Mediatorstoffe
Mikrobiom und Vitamine
Einige mit der Ernährung zugeführte Vitamine (Vitamine A, B2, D, E, K und Beta-Carotin) beeinflussen das Darmmikrobiom vorteilhaft, indem sie die „gesunde“ Bakterienstämme fördern und die mikrobielle Vielfalt erhöhen. Sie führen damit indirekt zu einer Erhöhung der Produktion von kurzkettigen Fettsäuren (Vitamin C) oder zu einer Erhöhung der Bildung von kurzkettigen Fettsäuren (Vitamine B2, E). Die Vitamine A und D modulieren das Immunsystem sowie die Barrierefunktion des Darms. 18
Funktionen des Darmmikrobioms
Darmbakterien schützen einerseits vor Krankheiten, unterdrücken pathogene Keime und bilden Vitamin B12; sie sind jedoch andererseits auch Quelle für Toxine und Entzündungsmediatoren und lösen Krankheiten aus. Es kommt darauf an, in welcher Weise der Körper mit seinem Mikrobiom kommuniziert. Toleranz gegenüber „guten“ Bakterien einerseits und Abwehr gegen „schlechte“ andererseits müssen im Gleichgewicht bleiben. Dieses Gleichgewicht kann durch verschiedene Faktoren gestört sein. Zu solchen Faktoren gehören genetische Prädispositionen, Umweltfaktoren, besondere Ernährungsformen und Medikamente (z. B. Antibiotika).
Bakterienflora, Defensine und NOD2-Gen
Die Darmflora ist wesentlich an der Entwicklung des körpereigenen Abwehrsystems beteiligt und beeinflusst es ständig. Darmbakterien nicht nur (wie früher gedacht) als Kommensalen, die vom Überschuss und von den Abfällen leben, sondern vielmehr als Symbionten aufzufassen, die dem Körper auch nützlich sind.
NOD2-Gen und Defensine
Der Körper beeinflusst die Zusammensetzung des Mikrobioms seines Darms, beispielsweise durch die Bildung von Defensinen. Dafür verantwortlich ist die Aktivität des NOD2-Gens. Ein Defekt dieses Gens führt zu einer Krankheitsdisposition (z. B. für den Morbus Crohn). Umgekehrt induziert das Mikrobiom je nach seiner Zusammensetzung die Bildung der Defensine und hilft dem Körper bei der Abwehr invasiver Keime. Bakterienflora und Nod2-Gen-Aktivität kontrollieren sich damit gegenseitig. 19
Nach heutiger Kenntnis beeinflusst eine „ungesunde“ Zusammensetzung des Mikrobioms das Immunsystem des Körpers, die Alterung des Gefäßsystems und die Gehirnfunktion nachteilig.
Beziehung zwischen Darmkeimen und Wirt
Die Darmbakterien ernähren sich von den unverdauten und nicht resorbierten Nahrungsmitteln und den Sekreten des Darms, und sie beeinflussen durch ihre Stoffwechselprodukte, Vitamine, Toxine und verschiedene Mediatorstoffe die verschiedensten Körperfunktionen. Die Beziehung zwischen den einzelnen Bakterienstämmen sind je nach Stamm und Spezies unterschiedlich:
- Kommensalen essen vom gleichen Tisch, tun sich aber nichts. Zu ihnen gehört eine Reihe von (harmlosen) Darmbakterien.
- Symbionten essen vom gleichen Tisch und profitieren voneinander; sie haben eine mutualistisch (gegenseitig) förderliche Beziehung. Hierzu gehören viele Bakterienstämme der normalen Darmflora. Sie fördern die Entwicklung des adaptiven Immunsystems des Körpers und die Schutzfunktion der Schleimhautbarriere des Darms. In der Evolution soll das Mikrobiom eine entscheidende Rolle bei der Evolution des adaptiven Immunsystems gespielt haben. 20
- Parasitäre Organismen dagegen sind pathogen und schaden dem Wirt. Zu ihnen gehören Bakterienstämme des Darms, die akute Durchfallkrankheiten auslösen, und solche die bei chronisch entzündlichen Darmkrankheiten überwiegen.
Einfluss auf die Mukosabarriere
Entscheidend für die Entwicklung von Krankheiten scheint eine Dysfunktion der Schleimhautbarriere (Mukosabarriere) im Darm und ihre Beeinflussung durch die verschiedenen Bakterienspezies zu sein. 21 Eine Undichtigkeit der Mukosabarriere erleichtert das Eindringen von Krankheitserregern. Die ständige Auseinandersetzung des körpereigenen Immunsystems mit den in Mikrowunden eindringenden Mikroorganismen stärkt das Immunsystem, aber sie darf nicht zu einer Überreaktion führen, die schließlich eine ständig überschießende Entzündungsreaktion hervorruft, wie es bei chronisch entzündlichen Darmkrankheiten der Fall ist. Die Schleimhaut des Darms ist in der Lage, über ihre Sekrete die mikrobielle Zusammensetzung der Darmflora zu beeinflussen, so dass das Mikrobiom individuell einigermaßen konstant und individuell bleibt. Eine zentrale Bedeutung dabei haben offenbar die bereits kurz nach der Geburt sich direkt auf der Mukosa ansiedelnden Clostridien. 22
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Darmmikrobiom und Gesundheit
Zu den positiven Wirkungen der Darmbakterien gehört der Abbau unverdaulicher Ballaststoffe zu Butyrat, einem bevorzugten Metaboliten der Kolonozyten, und damit die Gewinnung von Energie. Die Darmbakterien können auch schädlichwirken, wie beispielsweise zu gastrointestinalen und systemischen Entzündungen sowie zu einer Erhöhung des Risikos für Adipositas, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs beitragen. Ein wichtiger Mechanismus zur Beeinflussung des Körperstoffwechsels ist ihr enzymatischer Einfluss auf die von der Leber sezernierten Gallensäuren (siehe hier). Die Zusammensetzung der Darmkeime wird wesentlich durch die Ernährung mitbestimmt. Als Beispiele seien der Einfluss der Mittelmeerdiät und speziell der von Walnüssen angeführt. Der Verzehr von Walnüssen beeinflusst die Bakterienzusammensetzung im Darm (Magen-Darm-Mikrobiota) entscheidend. Eine Untersuchung hat gezeigt: Die relative Häufigkeit von Firmicutes-Arten (darunter Faecalibacterium und Roseburia) nimmt zu (was eine Erhöhung der Produktion von schützendem Butyrat 23 ermöglicht) und die mikrobiell gebildeten entzündungsfördernden Gallensäuren sowie LDL-Cholesterin nahmen ab 24.
Darmmikrobiom und Krankheiten
Ein „gesundes Mikrobiom“ fördert die Abwehr von Krankheiten. 25 Zum gesunden Mikrobiom gehören Bakterien der Stämme Bacteroidetes (~15–50 %) und Firmicutes (~20–50 %) (mit nur mäßigen Abweichungen) sowie in geringerem Maße auch der Stämme Actinobacteria (<5 %) und Proteobacteria (<10 %). Sie bilden die Haupttaxa im menschlichen Darm. Innerhalb dieser Taxa besteht jedoch eine große Vielfalt 26.
Dysbiose
Eine Dysbiose der Darmmikrobiota ist durch eine verminderte Bakterienvielfalt oder/und eine Verschiebung der Bakterienarten im Vergleich zu gesunden Kontrollen charakterisiert. Sie ist mit einer Abnahme der Butyratproduzenten verbunden. Eine Dysbiose ist ursächlich an der Entstehung einer Clostridien-Infektion (mit Clostridioides difficile) beteiligt und beeinflusst das Immunsystem und den Stoffwechsel des Körpers in Richtung Übergewicht und Adipositas mit Konsequenzen für das Herzkreislaufsystem. 27 28
Folgen einer Dysbiose
Eine abweichende Zusammensetzung des Mikrobioms wird bei vielen pathologischen Konditionen gefunden. Sie fördert
- eine Gewichtszunahme und die Adipositas: es wurden Assoziationen gefunden beispielsweise mit Firmicutes (Clostridien, Bacilli), Bacteroides und Bifidobacterium, 29
- die Bereitschaft des Körpers für Entzündungen,
- Beispiel: AIEC (adhärent-invasive E. coli) sind eine erst jüngst entdeckte neue pathogene E.-coli-Gruppe, die sich dadurch auszeichnen, dass sie die Schleimhaut des Darmkanals penetrieren in die Mukosa und Submukosa einwandern können. Sie werden in Makrophagen gefunden, wo sie nicht zerstört werden sondern sich vermehren. Sie veranlassen dort die Bildung von Entzündungsmediatoren wie TNF-alpha und IL-1ß (Interleukin 1ß). Sie werden gehäuft beim Morbus Crohn gefunden. 30 31
- die Entstehung von Autoimmunkrankheiten 32 und
- die Entstehung von Krebs. 31 Das Risiko für Darmkrebs beispielsweise lässt sich durch Veränderung der Darmkeimzusammensetzung senken: Pien-Tze-Huang (PZH) ist eine bewährte traditionelle Medizin gegen Entzündungen und Krebs. In einem Maus-Modell hemmte PZH die Darmkrebsbildung in dosisabhängiger Weise. Zurückzuführen war dies auf eine Veränderung des Mikrobioms und über sie von Stoffwechselprodukten (wie Taurin, Gallensäuren und ungesättigten Fettsäuren) im Darm, was letztlich zu einer Abdichtung der Darmbarriere führte. Eine Transplantation der Darmkeime PZH-behandelter Mäuse schützte auch spezielle Kontrolltiere. 33
- altersbedingtes Vorhofflimmern: Beim Menschen wurden verschiedene Bakterienstämme identifiziert, die mit AF assoziiert waren. 34 Bei Ratten konnte die hohe AF-Anfälligkeit älterer Ratten durch Stuhltransplantation auf junge Ratten übertragen werden. Umgekehrt konnte durch Stuhltransplantation von jungen Ratten bei alten die AF-Anfälligkeit gesenkt werden. 35
→ Vorhofflimmern
Krankheiten mit Dysbiose
Bei folgenden Krankheiten wird eine Assoziation mit einem veränderten Mikrobiom (Dysbiose) gefunden (Beispiele):
- Diabetes Typ I: erhöhter Anteil an Bacteroides ovatus, 38
- Morbus Crohn: Defekt bei der Bildung von Defensinen, damit veränderte Reaktion auf pathogene Keime. 39
- Cystische Fibrose: Vermehrt kommen vor z. B. Propionibakterien und Clostridien, vermindert sind z. B. Faecalibacterium prausnitzii, Eggerthella und Eubacterium. 41
Bakterielle Überwucherung des Dünndarms
Darmkeime sind physiologische (normale) Besiedler des Dickdarms. Wenn sie in größerer Menge auch im Dünndarm vorkommen, können sie dagegen zu erheblichen abdominalen Beschwerden und Durchfällen führen.
Die Ursachen einer „bakteriellen Überwucherung des Dünndarms“ können vielfältig sein. Zu ihnen gehören u. a. eine Abwehrschwäche des Körpers, Stenosen im Dünndarmbereich, eine „blinde Schlinge“ oder sonstige Zustände nach Darmoperationen oder Subilieuszustände. Therapeutisch kommt Metronidazol oder Rifaximin in Betracht. Dazu siehe hier.
Darmflora und Reizdarm
Durch Darmbakterien können in der Mukosa des Darms die Bildung von Zytokinen (TNF-alpha, IL-1ß) angeregt oder gehemmt werden. Folgen können eine Barrierestörung und entzündliche Reaktionen sein. 42 Eine viscerale Hypersensilbilität (Überempfindlichkeit des Magendarmtrakts) scheint ebenfalls komplex damit zusammenzuhängen. Experimentelle Befunde zeigen eine Beeinflussung der Darmmotorik durch E. coli Stamm Nissle. 43 Solche Befunde sprechen dafür, dass das Reizdarmsyndrom mit der Darmflora zusammenhängt. Dazu passt die Beobachtung, dass ein Reizdarmsyndrom oft durch einen Darminfekt ausgelöst oder verschlimmert wird.
→ Reizdarm
Darmflora und Darmgase
Die Neigung zur Entwicklung von Darmgasen (Meteorismus) hängt mit der Ernährung und der Darmflora zusammen. Bakterien des Dickdarms zersetzen die im Dünndarm nicht verdauten Nahrungsbestandteile, insbesondere die verdaulichen Ballaststoffe, und produzieren dabei Darmgase. Die Dehnung der Darmwand durch die Gase kann schmerzhaft sein und verstärkt abdominelle Missempfindungen beim Reizdarmsyndrom.
Therapeutische Perspektiven
Mikrobiota als Schutz vor Krankheiten
Es wurden Bakterienstämme gefunden, die die Körperabwehr stärken. Beispiele sind:
- Faecalibacterium prausnitzii bewirkt eine antiinflammatorische Reaktion der Darmschleimhaut beim Morbus Crohn. 44 45
- Lactobazillen und Bifidobakterien erhöhen die Immunität gegen Rotaviren (tierexperimentelle Studien an Schweinen). 46
- Der Coli-Stamm Nissle ist seit Jahren eine therapeutische Option zur Behandlung einer Colitis ulcerosa mit ähnlich günstiger Wirkung wie 5-ASA. Er erhöht den Schutz durch die Mukosabarriere. 47 48 Es werden rekombinante E.-coli-Nissle 1917-Stämme konstruiert, die die Bildung von Defensinen in der Mukosa des Darms steigern und damit vor Krankheiten schützen sollen. 49 50
- Auch in anderen Schleimhäuten, z. B. im Bronchialsystem, bewirken bestimmte Bakterien eine Erhöhung der Immunität, so z. B. gegen eine Influenza-Infektion. 51 52
Wegen der potentiell günstigen Wirkung einiger Bakterienstämme auf die Heilung von Krankheiten werden systematische Untersuchungen zu ihrem klinischen Einsatz durchgeführt.
Stuhltransplantation
Die „Stuhltransplantation“ (fecal microbiota transplantation, FTM), die an einigen Zentren durchgeführt wird, wird als eine Perspektive bei der Behandlung chronisch entzündlicher Darmkrankheiten und auch chronisch infektiöser Darmkrankheiten (wie einer Clostridioides difficile-Infektion bei therapieresistenter pseudomembranöser Kolitis) angesehen. Sowohl das Mikrobiom, das Virome, Candida-Spezies als auch Bakteriophagen spielen dabei zusammen. 53 Die weitere Entwicklung läuft in die Richtung, die positiv wirkenden Bakterienstämme zu identifizieren und sie (z. B. in Kapseln verpackt) im Fall bestimmter Krankheiten, wie dem Morbus Crohn oder einer Clostridien-Infektion, selektiv dem Dickdarm zuzuführen. 54 Die mikrobielle Therapie soll so in Richtung einer stärkeren Standardisierung und Personalisierung vorangetrieben werden 55.
Ernährungsumstellung
Da die Ernährung einen erheblichen Einfluss auf die Zusammensetzung des Mikrobioms ausübt, kommt ihr eine Schlüsselrolle bei der Krankheitsvorsorge zu (siehe auch unter „Gesunde Ernährung“ und „Vegetarische Ernährung„. Vor allem pflanzliche Nahrungsmittel mit hohem Anteil an Ballaststoffen und insbesondere die Mittelmeerkost beeinflussen das Mikrobiom eines Menschen günstig (s. o.).
Prä- und Probiotika
Präbiotika sind Substanzen, welche die Bakterienflora, vor allem die „guten“ Bakterien, fördern und damit indirekt auf die Darmschleimhaut, das Immunsystem und chronische Entzündungsreaktionen im Körper günstig wirken. Dazu siehe hier.
Probiotika dagegen sind definierte Bakterienspezies mit günstiger Wirkung auf den Körper. Sie werden bei einigen Krankheiten prophylaktisch und therapeutisch eingesetzt. Inzwischen kennt man weitgehend ihre Wirkungsweise. Dazu siehe hier.
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→ Labor-App Blutwerte PRO – mit Lexikonfunktion
Verweise
Weiteres
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