Gallensteinleiden kompakt

Bauchschmerzen Bauchkrämpfe
Bauchschmerzen (shutteerstock)

Allgemeines


Der Begriff Gallensteinleiden wird auf Gallensteine in der Gallenblase und/oder in den Gallenwegen angewendet, wenn sie Symptome und Komplikationen, also ein Leiden auslösen. Vielfach aber bleiben Gallensteine lebenslang symptomlos.

Gallensteine bilden sich in den Gallenwegen, wenn bestimmte Bedingungen für ihre Entstehung vorliegen. Zu ihnen gehören vor allem eine Übersättigung der Galle mit Cholesterin und eine verzögerte Entleerung der Gallenblase (Gallenblasendyskinesie).

Häufigkeit

Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Im Alter von 50 bis 65 Jahren haben etwa 20 % der Frauen und 5 % der Männer Gallensteine.

Lokalisation

Je nach Lokalisation spricht man von

Typen

Hinsichtlich Entstehung, Therapie und Vorbeugung sind 3 verschiedene Typen von Gallensteinen zu unterscheiden:

  • Helle Steine (75%): Die meisten Gallensteine sind hell und bestehen überwiegend aus Cholesterin.
  • Schwarze Steine: sie enthalten Bilirubinprodukte, die auf eine Hämolyse hinweisen.
  • Braune, bröckelige Mischsteine, die bakteriell infiziert sind und auf eine Infektion der Gallenwege zurückgehen.

Prädisposition

Eine Bereitschaft, Gallensteine zu bilden (Prädisposition für Gallensteine), besteht besonders bei

Das Gallensteinrisiko nimmt durch diätetische Faktoren (wie Fischöl oder Nüsse) ab (siehe hier).

Komplikationen

Gefürchtete Komplikationen sind

Symptome und Beschwerden

Symptome des Gallensteinleidens sind vorwiegend gelegentliche Übelkeit (vieldeutig), krampfartige Bauchschmerzen bis Koliken und bei Steinverschluss der Gallenwege eine Gelbsucht. Wenn Gallensteine auf diese Weise symptomatisch werden, so besteht in der Regel die Indikation zu einer Gallenblasenentfernung (Cholecystektomie).

Diagnostik

Zur Diagnostik dienen vor allem

Therapie

Sie verfolgt verschiedene Ziele:

  • Behebung einer Galleabflussstörung (z. B. durch ERC mit Papillotomie und Steinextraktion).
  • Bekämpfung einer eventuellen Infektion der Gallenwege durch Antibiotika. Bei einer akuten Cholezystitis wird eine bakterielle Besiedlungsrate der Galle von 35 – 60 % gefunden. Am häufigsten werden Escherichia coli, Klebsiella spp., Streptococcus spp., Enterococcus spp. und Clostridium spp. gefunden. Gut gallegängig sind Piperacillin-Tazobactam, Tigecyclin, Amoxicillin-Clavulanat, Ampicillin-Sulbactam, Cefotaxim, Ceftazidim und Ciprofloxacin 1.
  • Vorsorge neuer Steinbildungen durch Cholecystektomie (operative Entfernung der Gallenblase, dem Ort der Entstehung der meisten Steine).
  • Zufällig entdeckte Steine in einer nicht entzündeten Gallenblase werden, außer bei erhöhtem familiären Krebsrisiko, in der Regel nicht operiert.
  • Behebung einer evtl. vorliegenden Fettstoffwechselstörung oder Hämolyse (Blutzersetzung).

Einige Fakten

  • Etwa 20 % der Erwachsenen entwickeln in ihrem Leben Gallensteine; etwa 20 % von ihnen werden symptomatisch. 2
  • Die meisten Gallensteine bleiben während der Lebenszeit ihres Trägers symptomlos, tragen aber dennoch zu einem erhöhten Risiko für Gallenblasenkrebs bei. 3
  • In ~ 85 %  der Patienten mit Gallenblasenkarzinom finden sich Gallensteine in der Gallenblase. Die Inzidenz von Gallenblasenkrebs bei Patienten mit Gallensteinen liegt zwischen 0,3 % und 3 %. 4
  • Gallensteine weisen eine enge Verbindung zu Stoffwechselkrankheiten auf, so zu Fettleibigkeit (Adipositas), Fettstoffwechselstörung (Dyslipidämie, Hypertriglyceridämie), dem metabolischen Syndrom, einem Prädiabetes, und dem Typ-2-Diabetes
  • Eine mit Cholesterin übersättigte Galle und ebenso ein Mangel an Phospholipiden fördert die Entstehung von Gallensteinen. Beide Voraussetzungen können genetisch verankert sein und familiär gehäuft auftreten.
  • Zusätzliche Faktoren können das Gallensteinrisiko erhöhen, so beispielsweise
    • eine Trägheit der Entleerung der Gallenblase (Dyskinesie der Gallenblase: Sie bedeutet eine Verlängerung der Nukleationszeit),
    • eine Veränderung des Darmmikrobioms,
    • chronisch entzündliche Vorgänge in Gallenblase (Cholezystitis) und Gallenwegen (Cholangitis), sowie eine fettreiche Ernährung.
  • Eine Mikrolithiasis (Bildung sehr kleiner, schwer nachweisbarer Gallekonkremente) ist häufige Ursache sonst unerklärter wiederkehrender, kolikartiger Bauchschmerzen und von wiederkehrenden Gallenwegs- und Bauchspeicheldrüsenentzündungen (siehe hier). Die Behandlungsoptionen beinhalten eine Erweiterung des Verschlussmechanismus des Hauptausführgangs zum Zwölffingerdarm hin (durch eine endoskopische Papillotomie) und eine Umstimmung der Galle mit der Gallensäure „Urso“.

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Verweise

Weiteres

Literatur: 5

  1. Medicina (Kaunas). 2024 Jun 25;60(7):1040. doi: 10.3390/medicina60071040[]
  2. Nat Rev Dis Primers. 2016 Apr 28;2:16024. DOI: 10.1038/nrdp.2016.24[]
  3. Hepatobiliary Surg Nutr. 2014 Oct;3(5):221-6.[]
  4. Gastroenterol Hepatol 2001;16:560-3[]
  5. Care Excellence (NICE); 2014 Oct. PMID: 25473723.[]