Asthma bronchiale – einfach erklärt

Lungen Schema
Die Lungen schematisch (shutterstock)

Das Wichtigste

Unter Asthma wird landläufig das Bronchialasthma (Asthma bronchiale) verstanden, das durch Reizung der Atemwege entsteht. Daneben kennt der Volksmund noch ein Herzasthma (Asthma cardiale), das durch eine Herzleistungsschwäche ausgelöst wird, und das sich prinzipiell ähnlich auswirkt wie das Bronchialasthma, nämlich in Luftnot.

Das Bronchialasthma ist eine Erkrankung der Lungen, bei der es immer wieder zu erheblichen Atemnotanfällen kommt. Im Zentrum der Erkrankung stehen eine Veranlagung zu einer Verkrampfung der Atemwegsmuskulatur, die zu einer Verengung der Atemwege führt. Auslöser sind häufig Umweltreize. Sie führen zu einer Verkrampfung der Atemwege und einer vermehrten Schleimproduktion. Typische Auslöser sind Stäube, Gase und Allergene (Allergieauslöser).

Zur Vorbeugung und zur Behandlung akuter Atemnotanfälle gehören die Vermeidung der Auslöser sowie Medikamente, die das überempfindliche Atemwegssystem (die Bronchien) erweitern.

Allgemeines

Der Erkrankung liegt eine genetische Veranlagung zugrunde. Sie braucht nicht immer manifest zu werden (offen auszubrechen). Weil die Verkrampfung der Bronchialmuskulatur funktionell ist, ist sie prinzipiell reversibel, d. h. durch Medikamente zu durchbrechen.

Asthma führt immer wieder zu heftigen Atemnotanfällen. Sie kommen durch ein überempfindliches Bronchialsystem zustande. Die Auslösung der Luftnot erfolgt durch einen „Trigger“, der in der Regel aus der Umwelt stammt. Er löst eine Verkrampfung der Atemwege aus, meistens gemeinsam mit einer veränderten Schleimbildung.

Das Bronchialasthma hat die die Tendenz, anfallsartig immer wieder zu akuten Luftnotanfällen zu führen,

Wie Asthmaanfälle zustande kommen

Grundlage eines Asthma ist eine genetisch bedingte Bereitschaft des Bronchialsystems, mit Verkrampfung (Spastik) und übermäßiger Schleimbildung zu reagieren. Sie bedingt ein „hyperreagibles Bronchialsystem“ (überempfindliches Atemwegesystem).

  • Allergene sind eine Hauptursache für die Auslösung solch einer heftigen Verkrampfung und Verschwellung. Betroffen sind die kleinsten, mittleren und größeren Bronchien. Da die Allergene von außen auf die Schleimhaut einwirken, wird dieses Asthma als „exogen allergisches Asthma“ oder „Extrinsic Asthma“ bezeichnet.
  • Nicht-allergische Auslöser sind ebenfalls bekannt. Dazu gehören Infekte, eine unspezifische Reizung (Rauch, Staub, Kälte), Acetylsalizylsäure (Aspirin-induziertes Asthma), körperliche Anstrengung (belastungsinduziertes Asthma, Herzasthma) und psychischer Stress. Dieses Asthma wird wegen der im Vordergrund stehenden Disposition durch ein hyperreagibles Bronchialsystem, das wohl als genetische (intrinsische) Anlage vorliegt, als „Intrinsic Asthma“ bezeichnet.

Vorsicht mit Paracetamol? Bei Kindern ist die Häufigkeit von Asthma nach vielen Beobachtungen assoziiert mit der Häufigkeit der Einnahme von Paracetamol. Da auch bereits Paracetamol in der vorgeburtlichen Phase ein Risikofaktor für die Entstehung kindlichen Asthmas darstellen soll, wird immer wieder empfohlen, das auch schon werdende Mütter kein Paracetamol einnehmen sollten. Allerdings wird auch eingeräumt, dass wirklich aussagekräftige Studien dazu fehlen 1.

Bedeutung von RSV für die Asthma-Entstehung

Eine Infektion mit dem „respiratory syncytial virus“ (RSV) verursacht in der Regel eine Lungen- und der Atemwegsinfektion, die selbstlimitierend verläuft. Kinder, die in ihrer frühen Kindheit (unter 2 Jahren) an einer schweren RSV-Infektion erkrankt waren, entwickelten später gehäuft Asthma. RSV gilt daher als ein wichtiger Risikofaktor für Asthma 2.

Auswirkungen

Angstgefühle: Die akute Atemnot im Asthmaanfall kann extrem ängstigend und lebensbedrohlich sein. Es herrscht das Gefühl vor, einmal eingeatmete Luft nicht genügend  wieder ausatmen zu können. Der verzweifelte Versuch, durch heftige Atmung mehr Luft ventilieren zu können, verschlechtert die Situation wie im Teufelskreis eher. So sind Angstzustände nicht nur mit Luftnot verbunden, sondern sie beherrschen oft das gesamte Leben.

Lungenemphysem: Häufige Asthmaanfälle fördern eine Lungenüberblähung (Emphysem). Ein Emphysem wiederum fördert eine chronische Bronchitis, und schließlich eine „chronisch obstruktive Lungenkrankheit“ (COPD; obstruktiv bedeutet, dass die Bronchien verengt sind). Die Atemanstrengungen reichen immer weniger aus, die Atemwege von Schleim zu befreien; und der verbleibende Schleim ist Nährboden für Bakterien.

Rechtsherzbelastung: Das Emphysem und die Spastik belasten die rechte Herzkammer. Im Laufe der Zeit entwickelt sich eine Rechtsherzinsuffizienz. Erkennbar wird dies an gestauten Halsvenen, blau-lividen Lippen und Schleimhäuten und unter Umständen an Wasseransammlungen in den Beinen (Beinödeme).

Wie sich Asthma zeigt

Bei der klinischen Untersuchung fällt eine verlängerte Ausatemzeit und beim Abhorchen der Lungen (Auskultation) ein pfeifendes Atemgeräusch auf. In der Lungenfunktionsprüfung zeigt sich eine deutliche Verlängerung der Ausatemzeit gegenüber der Einatemzeit. Diese als Spastik bezeichnete Veränderung der Atmung löst sich rasch nach Applikation geeigneter Medikamente (Bronchialerweiterer, Spasmolytika), was in der Lungenfunktionsprüfung diagnostisch verwertet wird. Die „Peak-Flow-Messung“ (Messung, wieviel Volumen pro Zeiteinheit maximal ausgeatmet werden kann) ermöglicht es jedem Patienten, selbst den Atemfluss zu kontrollieren.

Erste Hinweise: An ein überempfindliches Bronchialsystem (s. o.) muss gedacht werden, wenn folgende Beobachtungen zu machen sind:

  • Wenn junge, ansonsten gesunde Menschen im Frühjahr beim Pollenflug, in verrauchten Räumen oder nach einer Aspirintablette Atemnot bekommen, dann liegt die Diagnose Asthma nahe.
  • Wenn Atemnot bei Menschen mit einem frischen Atemwegsinfekt und Husten auftritt, kann eine Bronchitis vorliegen. Wenn der Arzt „spastische Atemgeräusche“ hört, wird er eine Asthmakomponente diagnostizieren, die unter Umständen einer besonderen Therapie bedarf.
  • Wenn herzkranke Menschen bei Anstrengung Luftnot bekommen, kann dies durch die Stauung von Blut in die Lungen (Lungenstauung) bedingt sein, aber auch durch eine übermäßige spastische Reaktion des Bronchialsystems (Herzasthma). Der Arzt wird dies differenzieren und unter Umständen besonders behandeln.

Welche Auslöser infrage kommen

Ein Infekt als Auslöser: Die Bestimmung von Entzündungsparametern (wie Zahl der weißen Blutkörperchen, Blutsenkungsgeschwindigkeit und CRP) kann einen zugrunde liegenden Infekt wahrscheinlich machen.

Allergene als Auslöser: Wenn eine allergische Komponente eine Rolle spielen kann, werden unter den Laborwerten IgE und die Zahl eosinophiler weißer Blutkörperchen (Leukozyten) von Interesse sein.

Eine COPD-Verschlimmerung als Auslöser: Wenn eine schwer behandelbare chronisch obstruktive Lungenkrankheit mit Asthmakomponente vorliegt, muss daran gedacht werden, dass sie durch krankhafte Bedingungen im Körper unterhalten wird. Wichtige Ursachen sind

  • eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung, die zu einer „Abtropfbronchitis“ mit Spastik führen kann, und
  • eine Refluxkrankheit, bei der vor allem nachts Mageninhalt über die Speiseröhre zum Kehlkopf zurück fließt.

Eine Refluxkrankheit als Auslöser: Wenn Magensaft in die Speiseröhre zurückfließt und etwas von der aggressiven Flüssigkeit in das Atemwegssystem gelangt, kann dort eine spastische Reaktion die Folge sein. Entzündungen im Sinne einer oft wiederkehrenden Bronchitis sind die Folge.

Behandlung

Die Behandlung erfolgt heute leitliniengerecht 3. Hier wird auf die wichtigsten Prinzipien eingegangen.

Allgemeine Empfehlungen: Man kann viel selbst tun, um Atemnotanfälle zu vermeiden: Rauchen abgewöhnen, auslösende Stoffe und Situationen soweit möglich vermeiden (z. B. Allergene wie Hausstaub, Tierhaare, Pollen oder bestimmte Nahrungsmittel vermeiden, rauchfreie Räume), Grippeschutzimpfung, Desensibilisierung gegen bekannte Allergene, Übungen zur Stressbewältigung.

  • Bei Fieber und Erhöhung der Leukozytenzahl und Procalcitonin (ggf. nach Antibiogramm) Antibiotika.
  • Bei belastungsinduziertem Asthma medikamentöse Stärkung bzw. Entlastung des Herzens. Dazu gehört eine Trinkmengenbegrenzung auf ca. 1,5 l pro Tag (je nach ärztlicher Anordnung).
  • Wenn Rückfluss aus dem Magen (Refluxkrankheit) ursächliche eine Rolle spielt, Schräglage des Betts, um nächtlichen Rückfluss zu vermeiden, ggf. Behandlung mit Protonenpumpenblockern.
  • Eine Nasennebenhöhlenentzündung sollte erkannt und behandelt werden. Dazu kann manchmal der Besuch bei einem HNO-Arzt notwendig sein.

Wenn Atemnot eintritt, heißt es, nicht aufgeregt reagieren, sondern mit Bedacht die eigenen Notfallmedikamente anwenden. Wichtig ist das Ausatmen gegen Widerstand. Die „Lippenbremse“ eignet sich dazu sehr gut. Singen oder lautes Lesen kann in entsprechender Weise über die akute Phase bis zum Wirkungseintritt der Medikamente helfen.

Medikamentöse Behandlung

Eine Reihe von Medikamente stehen zur Behandlung von Asthma zur Verfügung; sie werden individuell leitliniengerecht nach Erfolg angewendet. Dazu gehören:

  • Substanzen, die die Verkrampfung der Bronchialmuskulatur lösen (z. B. „ß2-Mimetika“; sie sind vorwiegend an den Bronchien und nur gering am Herzen wirksam),
  • Substanzen, die die Schleimhautschwellung zurückdrängen (Kortisonpräparate)
  • Substanzen, die die Schleimbildung reduzieren (z. B. Anticholinergika) bzw. die zähen Schleim verflüssigen, so dass er besser abgehustet werden kann (z. B. Bromhexin, Acetylcystein). Dieses Wirkprinzip hat keine sehr große Bedeutung gegenüber den vorherigen.
  • Antihistaminika, Ketotifen und Theophyllin haben unerwünschte Nebenwirkungen und spielen keine vorrangige Rolle.
  • Montelukast als Entzündungshemmer (Leucotrienrezeptorantagonist) sollte dem Lungenfacharzt vorbehalten bleiben.
  • Neuerdings können auch Antikörper gegen IgE eingesetzt werden: sehr teuer, deshalb wird die Indikation von Ärzten sehr streng gestellt.

Nichtmedikamentöse Begleitbehandlung

Alternative Behandlungsmethoden haben keinen statistisch gesicherten Effekt, können aber dennoch wirksam sein. In Einzelfällen sollen beispielsweise Akupunktur oder eine bestimmte Ernährung positiv gewirkt haben; dies ließ sich aber in Studien nicht immer belegen 4 Eine neuere Auswertung von Datenbanken scheint für eine Wirksamkeit zu sprechen 5.

Interessanterweise ist ein gutes vertrauensvolles Verhältnis zum behandelnden Arzt (z. B. Lungenfacharzt) alleine schon ausreichend, um die Häufigkeit von Asthmaanfällen zu senken. Dies belegt eine multizentrische Studie aus Südamerika 6.

Stufenbehandlung: Die Behandlung sollte je nach Ausprägung der Atemnot stufenweise erfolgen:

  • Bei selten auftretender Luftnot: Behandlung nur der Atemnotphasen mit kurzwirksamen Beta2-Mimetika wie Salbutamol oder Fenoterol (Atemnotlöser als Spray: Reliever)
  • Bei mehrfach wöchentlichen Atemnotbeschwerden wird eine niedrig dosierte Basismedikation mit Kortisonpräparaten als Spray wie Budesonid (Controller) zur Kontrolle der Bereitschaft für Atemnot empfohlen.
  • Wenn trotz Basismedikation mehrfach wöchentlich Atemnot entsteht, kann die Kortikoiddosis gesteigert und / oder zusätzlich ein langwirksames Mittel zur Stimulation des Sympathicus (ß2-Mimetikum wie Salmeterol oder Formoterol) gegeben werden.
  • Erst wenn dies nicht ausreicht, kann ein Kortisonpräparat in Tablettenform gegeben werden.

Impfungen: Es sollte darauf geachtet werden, dass Impfungen gegen Grippe, COVID-19 und RSV (Respiratory Syncytial Virus) durchgeführt und regelmäßig aufgefrischt werden. 7 8


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Verweise

Weiteres

Letzte Aktualisierung von Prof. Dr. Konrad Buscher (Arzt):
  1. Can Fam Physician. 2017 Mar;63(3):211-213[]
  2. Acta Biochim Biophys Sin (Shanghai). 2024 Dec 5;57(6):941-954. doi: 10.3724/abbs.2024220[]
  3. S3-Leitlinie Nationale Versorgungsleitlinie Asthma, 5.0, Stand: 23.08.2024; https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/nvl-002[]
  4. Cochrane Database Syst Rev. 2004;(1):CD000008. doi: 10.1002/14651858.CD000008.pub2[]
  5. Complement Ther Med. 2023 Aug;75:102956. doi: 10.1016/j.ctim.2023.102956[]
  6. J Asthma. 2016 Sep;53(7):751-60. doi: 10.3109/02770903.2016.1145691[]
  7. J Paediatr Child Health. 2022 Oct;58(10):1741-1746. doi: 10.1111/jpc.16197.[]
  8. Expert Rev Vaccines. 2012 Apr;11(4):461-8. doi: 10.1586/erv.12.2.[]

Von Prof. Dr. Konrad Buscher (Arzt)

Prof. Dr. Konrad Buscher, MBA Staatsexamen und Promotion Berlin Charté Habilitation Universität Münster. Wissenschaftliche Arbeiten in San Diego / La Hoya Publikationen in verschiedenen hochrangigen Journals, u. a. in Front Cardiovasc Med., Circ Res., Angiogenesis., Front Immunol., Am J Transplant., Kidney Int., Cells. Eur J Cell Biol., Nanomedicine., BMJ Case Rep., mehrere in Nature Communications. Geschäftsführender Oberarzt der Medizinischen Klinik D