Darmkolik – Darmkrämpfe

Bauchschmerzen (shutterstock)

Allgemeines

Die Darmkolik ist eine schmerzhafte Verkrampfung der Darmmuskulatur. Hauptursachen sind

  • eine heftige Durchfallkrankheit (Diarrhö) und
  • eine Darmverengung (Darmstenose), die als Hindernis bei der Darmpassage wirkt und gegen die der Darm anarbeitet.

Die Krämpfe erschöpfen sich in der Regel nach 20 – 30 Minuten, können aber auch länger anhalten. Kurzzeitige Krämpfe, die oft nur als Pieken verspürt werden, können durch vorübergehende Darmgasansammlungen in z. B. abgeknickten Schlingen entstehen.

Ursachen

Überblick

Als Ursachen einer Darmkolik kommen infrage (Auswahl):

Häufige Ursachen

Akute infektiöse Diarrhö z. B. bei einer Darmentzündung (Enteritis) oder Entzündung von Magen und Darm (Gastroenteritis). Dabei kommt es bei bisher normalem Stuhlgang nach einer kurzen Vorphase von Rumoren im Bauch mit mehr oder weniger krampfartigen Bauchschmerzen zu einer explosionsartigen Entleerung. Wenn also Darmkrämpfe in einem Zusammenhang mit plötzlichem Durchfall oder mit übelriechendem Stuhl stehen, weisen sie auf eine infektiöse Ursache und nicht auf eine Darmverengung (Darmstenose) hin.
→ Akute Diarrhö

Verengung des Darms, gegen die die Darmmuskulatur anarbeiten muss (Darmstenose). Dabei kommt es typischerweise nicht zu einer entlastenden Darmentleerung, wie bei einer infektiösen Ursache. Wenn eine Darmverengung vorliegt, stehen die krampfartigen Schmerzen häufig mit der Nahrungsaufnahme in einem zeitlichen Zusammenhang.

  • Ist die Darmstenose im unteren Dünndarm gelegen, wie es bei einem Morbus Crohn gelegentlich vorkommt, so kommen die Darmkrämpfe oft schon 15 – 30 Minuten nach der Nahrungsaufnahme zustande. Die Betroffenen verringern wegen der erwartbaren Schmerzen oft die Nahrungsaufnahme, sodass sie an Gewicht abnehmen. Die Verengung ist in diesem Fall meist entzündlich bedingt. Da eine Gewichtsabnahme auch an Krebs denken lassen kann, wird oft eine Tumorsuche durchgeführt.
  • Ist die Verengung im Dickdarm lokalisiert, was viel häufiger der Fall ist, so sollte ab einem bestimmten Alter ein Tumor (Darmkrebs) ausgeschlossen werden. Seine Häufigkeit steigt ab dem 50sten Lebensjahr allmählich an, sodass ab diesem Alter in Abständen Screening-Tests und eine Vorsorgekoloskopie (Spiegelung) empfohlen werden. Bei einer familiären Belastung sollte die Vorsorge früher einsetzen. (Dazu siehe hier.)
  • Ist die Ursache außerhalb des Darms lokalisiert, so kommen verschiedene Möglichkeiten in Betracht. Ein Tumor beispielsweise kann von außen auf den Darm drücken und ihn einengen. Verwachsungen (Briden) sind eine weitere mögliche Ursache. Diese sind oft schwer zu diagnostizieren, manchmal erst durch eine Bauchspiegelung. An sie ist zu denken, wenn ein Bauchtrauma oder eine Operation in der Vorgeschichte zu finden sind.

Abknickung im Kolon zusammen mit Meteorismus (Darmblähungen). In diesem Fall bilden sich sog. „gefangene Winde“, die sich vor einer Abknickung im Darmlumen stauen. Sie stehen meist in einem zeitlichen Zusammenhang zu den Mahlzeiten und hängen zudem davon ab, ob man Blähendes, wie z. B. Hülsenfrüchte, gegessen hat. Manchmal (nicht immer) werden die Beschwerden nach Ablassen von Winden und nach Stuhlgang besser.

Gefangene Winde als Ursache von Darmkrämpfen sind mit einem erheblichen Leidensdruck verbunden, nicht jedoch mit einer Gewichtsabnahme oder einer bedeutenden prinzipiellen Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit oder einem Krankheitsgefühl. In solchen Fällen ist auch an ein Reizdarmsyndrom zu denken, bei dem – wegen der oft begleitenden Senkung der Schmerzschwelle – eine bereits leichte Überblähung des Darms zu Pieken, Kneifen oder Krämpfen führen kann (siehe hier).

Reizdarm mit Neigung zur Diarrhö (siehe hier). Hierbei kann es zu Darmkrämpfen vor dem Stuhlgang kommen, ohne dass eine adäquate Ursache gefunden werden kann.

Symptome

Typischerweise sind die Schmerzen bei einer Darmkolik äußerst heftig und können bis zum Vernichtungsgefühl anschwellen. Der Bauch selbst bleibt bei der Palpation weich und eindrückbar (viszeraler Schmerztyp, siehe hier). Das ändert sich, wenn das Bauchfell (Peritoneum) entzündlich mitreagiert; dann werden beim Beklopfen der Bauchdecke starke Schmerzen empfunden (viszerale Bauchschmerzen). Subjektiv wird oft heftiges Darmrumoren empfunden. Auskultatorisch können starke, spritzende Geräusche festgestellt werden. Eine Kolik erschöpft sich oft nach etwa 20 – 30 Minuten von selbst. Halten die Schmerzen länger an, so sind andere Ursachen (wie z. B. eine akute Minderdurchblutung des Darms, Darmischämie) unmittelbar auszuschließen und ggf. operativ zu beseitigen.

Differenzialdiagnosen

Gelegentlich ist eine vom Darm ausgehende Kolik schwierig von heftigen Schmerzen anderer Genese unterscheidbar. Folgende Ursachen können differenzialdiagnostische Probleme bereiten:

Bauchschmerzen
Kolik

Diagnostik

Vom Darm als Ursache von Bauchkrämpfen kann man klinisch ausgehen, wenn sie nicht in der Magengegend und nicht in der Gegend der Gallenblase liegen und mit Rumoren im Bauch oder starken Blähungen von Darmschlingen einhergehen. Typisch ist es, dass die Bauchdecken während der Krämpfe weich und eindrückbar bleiben (viszeraler Schmerz), und dass sie gehäuft nach Mahlzeiten und vor dem Stuhlgang auftreten.

Eine rasche Diagnostik beginnt mit einer gezielten Erhebung der Vorgeschichte (Anamnese). Sie sollte bereits funktionelle Darmbeschwerden weitgehend von einer organisch bedingten Kolik unterscheiden lassen. Die Diagnose funktioneller Schmerzen kann jedoch schwierig sein, sodass selbst bei „harmloser“ Ursache (z. B. kolikartige Schmerzen bei vorübergehend gefangenen Darmgasen durch Abknickung einer Darmschlinge) eine aufwändige Diagnostik erforderlich werden kann.

Erkennung organischer Ursachen

Organische Krankheiten werden erkannt durch folgende Untersuchungen:

Diagnostik von Bauchschmerzen

Therapie

In der akuten Situation helfen krampflösende Medikamente (Spasmolytika) wie Butylscopolamin und Schmerzmittel (bei heftigsten Schmerzen ggf. Pethidin). Die Therapie richtet sich ansonsten nach der Ursache. Beispiele:

  • Bei einer organischen Ursache (lokale Verengung des Darmlumens durch z. B. Tumor, Bride oder entzündliche Stenose bei Morbus Crohn) kann eine Operation indiziert sein.
  • Bei einer bakteriell-entzündlichen Ursache im Rahmen einer Durchfallkrankheit kann bei absehbar selbstlimitierendem Verlauf auf eine Antibiotikabehandlung verzichtet werden. Bei längerer Dauer werden z. B. Ciprofloxacin und Metronidazol bzw. Rifaximin eingesetzt (siehe hier).
  • Bei Laktoseintoleranz (Unverträglichkeit von Milchzucker) kommen laktosefreie Kost oder die Einnahme von Laktase-Präparaten infrage.

Darmkolik bei Säuglingen

Peak bis 2 Monate: Eine Kolik kommt bei Säuglingen in den ersten beiden Lebensmonaten relativ häufig vor (Inzidenz von 4 % bis 28 %), kann mit Aufstoßen und Reflux vergesellschaftet sein und ist i. d. R. selbstlimitierend. Vermutlich hat dies mit der nachgeburtlichen Reifung des Magendarmtrakts und seiner Funktionen zu tun, die erst nach etwa 6 Monaten der Vollendung entgegengeht. In den ersten Monaten ist der Darm sehr störanfällig 1.

Die Symptomatik der frühkindlichen Darmkolik ist gekennzeichnet durch Unruhe und Schreien, schmerzhaften Stuhlgang und Blähungen bei einem ansonsten gesunden Neugeborenen. Die Dauer der Kolikschmerzen nimmt nach 8 bis 9 Wochen deutlich ab 2.

Dreier-Regel: Oft wird zur Diagnostik die Dreier-Regel herangezogen:

  • unerklärliche Episoden von paroxysmalem Weinen mit einer Dauer von mehr als drei Stunden pro Tag an drei Tagen in der Woche über mindestens drei Wochen.

Ursächlich werden biologische Komponenten, wie eine Nahrungsmittelüberempfindlichkeit oder –allergie, Darmmotilitätsstörungen sowie Verhaltensfaktoren als fördernde Faktoren angenommen. 3

Die Behandlung einer infantilen Kolik sollte möglichst ohne Medikamente auskommen. Es gibt keine sichere medikamentöse Empfehlung.

  • Probiotika (lebende „gute“ Bakterien und Hefe) wirken nicht besser als Placebo. 4
  • Simethicon, das ansonsten bei Blähungen eingesetzt wird und Schaumbildung verhindert, ist wirkungslos.
  • Es gibt keine sichere Wirksamkeit von elterlichen Trainingsprogrammen bezüglich Reduzierung der Schreihäufigkeit und Schreidauer bei kindlicher Kolik. 5
  • Er gibt ungenügende verlässliche Studien zur Wirksamkeit einer diätetischen Beeinflussung, auch nicht von partiell hydrolysierter Milchnahrung 6. In der Praxis sollte eine hypoallergene Säuglingsnahrung individuell ausprobiert werden. 7
  • Orale Laktase: Bei Kindern unter 5 Monaten mit Darmkoliken hat orale Laktase eine günstige Wirkung gezeigt (s. u.).

Orale Laktase

  • Eine Studie an Schreikindern unter 5 Monaten prüfte die Wirksamkeit der oraler Laktase (5 Tropfen Laktase, 600 FCC-Einheiten/ml gemischt mit Muttermilch oder Säuglingsnahrung, viermal täglich für einen Zeitraum von 4 Wochen) gegenüber Placebo. Sie belegte eine statistisch signifikante positive Wirkung auf die Symptomatik der Säuglinge und die Zufriedenheit der Eltern. 8
  • Zur Vorbeugung werden individuelle Versuche mit einer Ernährungsumstellung der Mutter und Laktase- und probiotische Nahrungsergänzung empfohlen. 9

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Ergänzende Informationen

Weiteres


Letzte Aktualisierung von Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt):
  1. Front Pediatr. 2022 Jan 5;9:778747. doi: 10.3389/fped.2021.778747[]
  2. J Pediatr. 2017 Jun;185:55-61.e4. DOI: 10.1016/j.jpeds.2017.02.020[]
  3. Curr Opin Investig Drugs. 2007 Nov;8(11):921-6.[]
  4. Cochrane Database Syst Rev. 2019 Mar 13;3(3):CD012473. doi: 10.1002/14651858.CD012473.pub2[]
  5. Cochrane Database Syst Rev. 2019 Dec 3;12(12):CD012459. doi: 10.1002/14651858.CD012459.pub2[]
  6. Cochrane Database Syst Rev. 2018 Oct 10;10(10):CD011029. doi: 10.1002/14651858.CD011029.pub2[]
  7. Nutrients. 2021 Aug 12;13(8):2762. doi: 10.3390/nu13082762[]
  8. BMC Pediatr. 2022 Aug 3;22(1):468. doi: 10.1186/s12887-022-03531-8[]
  9. Cochrane Database Syst Rev. 2016 Sep 16;9(9):CD009999. doi: 10.1002/14651858.CD009999.pub2[]
Medizinisch geprüft von

Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt)

Letzte medizinische Prüfung:

Von Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt)

Studium in Freiburg und Wien, biochemische Forschung in Bochum über Glykoproteine. Klinische Ausbildung und Forschung über Gallensäuretransport und Cholestase an der Universitätsklinik Freiburg. Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, Habilitation. Chefarzt in Berlin und Frankfurt (Oder).