Granulomatöse Krankheiten

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Das Wichtigste

Kernpunkte

Granulomatöse Krankheiten sind Erkrankungen, bei denen sich Zellen des Immunsystems zu kleinen Knötchen aus Abwehrzellen zusammenschließen, sogenannten Granulomen. Sie entstehen durch sehr unterschiedliche Auslöser, etwa Infektionen oder Medikamente. Auch können seltene genetische Defekte die Ursache sein.

Typische Beispiele sind Sarkoidose, Tuberkulose, Aspergillose oder medikamentenbedingte Granulome. Manche Formen können zu erhöhtem Kalzium im Blut führen. Eine besondere, sehr seltene Variante ist die chronisch granulomatöse Erkrankung (CGD), bei der weiße Blutkörperchen Krankheitserreger nicht richtig abtöten können. Sie zeigt sich meist schon im Kindesalter durch wiederkehrende Infektionen.

Die Diagnose stützt sich auf den Nachweis granulomatöser Entzündungen und eine eingeschränkte Fähigkeit der Leukozyten, reaktive Sauerstoffprodukte zu bilden.

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und umfasst antimikrobielle Therapien, Drainage von Abszessen und in schweren Fällen Interferon‑gamma oder eine Stammzelltransplantation.

Granulomatöse Krankheiten sind histologisch durch den Nachweis einer granulomatösen Entzündung definiert. Die Ursachen sind sehr unterschiedlich. Sie können medikamentös und infektiös (vor allem durch Pilzinfektionen) bedingt sein. Der schon im Kindesalter auftretenden chronischen granulomatösen Erkrankung (chronic granulomatous disease, CGD) liegt eine X-chromosomale Genaberration der Abwehrfunktion der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) vor.

Beispiele

Granulomatöse Krankheiten können mit einer Hyperkalzämie einhergehen.

Sonderfall: Chronisch granulomatöse Erkrankung

Die „chronisch granulomatöse Erkrankung“ (chronic granulomatous disease, CGD) ist eine sehr seltene genetische Erkrankung (1 auf etwa 250 000). Verursacht wurde sie durch eine Schwäche der Leukozyten (weiße Blutkörperchen), Krankheitserreger aufzunehmen (zu phagozytieren) und abzutöten. Diese wiederum beruht auf einem Defekt der Zellen, reaktiven Sauerstoff zu bilden, den sie zum Abtöten der Erreger benötigen.

Genetische Grundlage

Die Gene, deren Mutationen eine CGD hervorrufen, sind bekannt. In etwa 70 % handelt es sich um das X-chromosomale CYBB, häufig bei hemizygoten Männern, seltener bei heterozygoten Frauen. Andere betroffene Gene können folgende sein: NCF1 (∼20 %), CYBA (∼5 %) or NCF2 (∼ 5 %). 1

Klinisches Erscheinungsbild und Diagnostik

Die Diagnose kommt ins Blickfeld, wenn bei Kleinkindern gehäufte Infektionen in den Lungen, dem Gastrointestinaltrakt oder an der Haut auftreten. Die Symptomatik kann gelegentlich verzögert erst bei Erwachsenen auffallen. Histologische Untersuchungen ergeben eine granulomatöse Entzündung.

Differenzialdiagnosen

  • Morbus Crohn: Wenn eine granulomatöse Entzündung im Darm nachgewiesen wird, besteht die oft schwierige Differenzialdiagnose eines Morbus Crohn. 2
  • Infektionen mit Aspergillus-Pilzen können ebenfalls eine granulomatöse Entzündung hervorrufen.
  • Ein Morbus Boeck (Sakoidose)
  • Medikamente, die gehäuft Granulome hervorruft (z. B. Tuberkulosetherapie oder Allopurinol). 1

Diagnosesicherung

Die Diagnose einer chronischen granulomatösen Erkrankung wird wahrscheinlich, wenn nachgewiesen werden kann, dass die Fähigkeit der phagozytischen Leukozyten, Superoxid oder Wasserstoffperoxid zu produzieren, deutlich reduziert ist. 3 4

Therapie

Die Behandlung beinhaltet – je nach Ursache der aktuell vorliegenden Infektion – eine unverzügliche antibiotische oder antifungale (gegen Pilze wie Aspergillus gerichtete) Therapie. Abszesse sollten drainiert werden. Rekombinantes Interferon-gamma führt in einer Mehrzahl der Fälle (ca. 70 %) zu einer Reduktion schwerer Verläufe. Eine Anti-TNF-alpha-Therapie kann bei schwerer Kolitis eine Besserung herbeiführen, aber auch das Risiko schwerer infektiöser Komplikationen erhöhen. 1 Eine Heilung ist derzeit nur über eine allogene hämatopoetische Stammzelltransplantation zu erreichen. 5 6


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Verweise

Weiteres

  1. Br Med Bull. 2016 Jun;118(1):50-63. DOI: 10.1093/bmb/ldw009.[][][]
  2. J Clin Immunol. 2022;42(1):60-63. doi: 10.1007/s10875-021-01140-1[]
  3. Clin Exp Immunol 2014;175:139–49[]
  4. Br Med Bull. 2016 Jun;118(1):50-63. DOI: 10.1093/bmb/ldw009.[]
  5. Curr Opin Hematol 2015;22:41–5 DOI: 10.1097/MOH.0000000000000097[]
  6. Front Pediatr. 2020 Jun 26;8:327. DOI: 10.3389/fped.2020.00327.[]