Allopurinol

Medikamente
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Allopurinol ist ein Medikament zur Senkung einer erhöhten Konzentration von Harnsäure im Blut und ist bei der Behandlung der Gicht indiziert.

Wirkungsweise


Allopurinol hemmt den Abbau von Purinen der Nukleinsäuren, die bei Zelluntergängen anfallen. Im Rahmen einer Tumorkrankheit oder bei einer Ausscheidungsstörung über die Nieren (wie bei der primären Gicht) erhöht sich die Harnsäurekonzentration im Blut oft so stark, dass sie medikamentöse gesenkt werden sollte.  Ein neueres Medikament der Gruppe der Urikostatika ist Febuxostat.

Abbau der Nukleinsäuren: Beim Zelluntergang wird Kernmaterial abgebaut. Die Bestandteile der DNA sind Nukleinsäuren, die aus Nukleotiden (Verbindungen einer Nukleinbase mit Ribose und Phosphat) bestehen. Es gibt zwei Gruppen von Nukleinbasen, die Purinbasen Adenin und Guanin und die Pyrimidinbasen Thymin, Cytosin und das in der RNA vorkommende Uracil. Der Abbau der purinhaltigen Nukleotide erfolgt durch eine Nukleotidase, die Phosphat abspaltet, zu Nukleosiden, die wiederum durch eine Nucleosidase zu Desoxyribose und den Purinen gespalten werden. Diese werden über Hypoxanthin und Xanthin zu Harnsäure abgebaut.

Angriff im Stoffwechsel: Allopurinol behindert den Abbau von Purinen über Hemmung der Xanthinoxidase, dessen ausscheidungsfähiges Endprodukt Harnsäure ist. Es ist damit – ebenso wie das neuere Febuxostat – ein Urikostatikum. Im Gegensatz zu Urikostatika wirkt ein Urikosurikum in der Niere über Hemmung der tubulären Rückresorption, so dass die sezernierte Harnsäure vermehrt ausgeschieden werden kann (Beispiele: Benzbromaron, Probenecid).

Wirkung im Körper: Allopurinol senkt den Harnsäurespiegel im Blut und im Gewebe. Die Behandlung sollte so effektiv erfolgen, dass sich abgelagerte Harnsäurekristalle wieder auflösen und die durch sie bedingten lokalen Entzündungen (z. B. in Gelenken) heilen.

→ Harnsäure
→ Gicht
→ Febuxostat

Indikationen

Bei  wirkt Allopurinol recht zuverlässig. Indikation ist eine Hyperurikämie, insbesondere ein vermehrter Anfall von Harnsäure durch erhöhten Purinabbau.

Allopurinol ist wirksam bei Gicht, Gichtanfälle und Gichtarthritis, Nierenschädigung durch Harnsäurekristalle (Harnsäurenephropathie), Hyperurikämie über 8,5 – 9,0 mg/dl, Hyperurikämie plus familiäre Gicht-Belastung.

Ziel der Behandlung sind Harnsäurewerte zwischen 5,5 und 6,4 mg/dl.

Nebenwirkungen

Zu den Nebenwirkungen von Allopurinol gehören (Auswahl) eine Erniedrigung der Leukozytenzahl (Leukopenie bis Agranulozytose), allergische Reaktionen und eine medikamententoxische Hepatopathie (u. a. granulomatöse Hepatitis).

Allgemeine Missempfindungen schränken vielfach die Compliance der Patienten ein.

Allopurinol interagiert mit anderen Medikamenten; es führt z. B. zu einer Wirkungssteigerung von Azathioprin durch Hemmung von dessen Abbau.

Allopurinol und koronare Herzkrankheit: Eine Hyperurikämie ist mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko verbunden. Ob eine Behandlung mit Allopurinol das Risiko senkt ist umstritten; große Effekte sind bisher nicht beobachtet worden; eine Unterlegenheit gegenüber dem etwas wirksameren Febuxostat konnte nicht festgestellt werden. 1

Allopurinol und chronische Nierenkrankheit: Allopurinol kann eine bestehende Niereninsuffizienz verschlechtern. Seine Dosis soll bei erhöhten Werten für Kreatinin reduziert werden (siehe Packungsbeilage). Bei ausgeprägterer Niereninsuffizienz muss ein Absetzen diskutiert werden.

Der Einfluss auf die Nierenfunktion ist jedoch nicht völlig geklärt: Eine große Studie ergab, dass Allopurinol in der Dosierung von mindestens 300 mg/d mit einem geringeren Risiko einer Verschlechterung der Nierenfunktion assoziiert ist als Placebo. Daher soll bei einer Nierenfunktionsverschlechterung zunächst andere Ursachen ermittelt werden. 2 Andere kommen in einer nachträglichen Auswertung gemeldeter Fälle zum Schluss, dass eine akute Nierenfunktionsverschlechterung über 3-mal häufiger bei Patienten mit Allopurinol-Medikation auftritt. 3

Kombination von Allopurinol mit Benzbromaron

Das nebenwirkungsreiche Allopurinol als Urikostatikum kann mit dem Urikosurikum Benzbromaron kombiniert werden. Damit sind niedrigere Allopurinol-Dosen möglich (Kombination beispielsweise 100 mg Allopurinol mit 20 mg Benzbromaron). Die Wirksamkeit ist gegenüber den Einzelsubstanzen erhöht. 4


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Verweise

Weiteres

  1. Circulation. 2018 Sep 11;138(11):1116-1126. doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.118.033992. PMID: 29899013; PMCID: PMC6202230.[]
  2. JAMA Intern Med. 2018 Nov 1;178(11):1526-1533. doi: 10.1001/jamainternmed.2018.4463. PMID: 30304329; PMCID: PMC6248199.[]
  3. Arthritis Res Ther. 2019 Nov 8;21(1):229. doi: 10.1186/s13075-019-2011-y. PMID: 31703711; PMCID: PMC6842268.[]
  4. Int J Rheumatol. 2014;2014:263720. DOI: 10.1155/2014/263720 . Epub 2014 Feb 12. PMID: 24719620; PMCID: PMC3955622.[]