Das Wichtigste
| Das Dressler‑Syndrom ist eine autoimmun vermittelte Entzündung des Herzbeutels, die typischerweise 2 bis 6 Wochen nach einem Myokardinfarkt, einem Herztrauma oder einem kardialen Eingriff auftritt und sich durch Fieber, Müdigkeit, Brustschmerzen und einen Perikarderguss manifestiert.
Das Echokardiogramm (EKG) weist Zeichen einer Herzbeutelentzündung (Perikarditis) auf. Bildgebende Verfahren, wie die Echokardiographie oder das Kardio-MRT, ergänzen die Charakterisierung der Herzaffektion. Die Behandlung beinhaltet antientzündliche Medikamente (COX-Inhibitoren) und Colchicin und ist meistens innerhalb weniger Tage erfolgreich. |
Allgemeines
Das Dressler-Syndrom (Postinfarktsyndrom, engl. allgemeiner post-cardiac injury syndrome, PCIS) ist eine entzündliche Spätreaktion des Herzens und des Perikards (Herzbeutel) etwa 2 bis 3 Wochen bis wenige Monate nach einem Herzinfarkt mit Ausbildung eines Perikardergusses.
Eine entsprechende Reaktion kann nach jeglicher Art einer Verletzung des Myokards, so nach einer Herzoperation als „Postkardiotomiesyndrom“, nach einer Schrittmacherimplantation oder nach einer koronaren Stentimplantation zustande kommen.
Die Inzidenz des Dressler Syndroms soll 1 bis zu 5 % betragen; allerdings wird vermutet, dass die Erkrankung zu selten erkannt wird. Andererseits wird auch vermutet, dass der Ersatz vieler Herzoperationen durch Herzkathetereingriffe sowie die frühzeitige Anwendung von Thrombolyse und Koronarangioplastie (Ballonerweiterung von Koronararterien und Stentimplantation) beim akuten Herzinfarkt dazu geführt hat, dass sie seltener geworden sein könnte. 1
Symptome
Zu den Symptomen gehören Müdigkeit, Fieber, starke Brustscherzen, Schmerzen beim Atmen, Symptome einer linksseitigen Pleuritis (Rippenfellentzündung) und in der linken Schulter und manchmal Wadenschmerzen. Wenn diese Symptomatik 1 bis 6 Wochen nach einer Herzverletzung, nach einem Herzinfarkt oder einem operativen oder interventionellen Eingriff am Herzen, auftritt, kann sie auf ein Dressler Syndrom hinweisen 2 3.
Diagnostik
Die Diagnose stützt sich auf den typischen Abstand zwischen Herzinfarkt oder kardialem Eingriff von 1 – 6 Wochen bis 2 – 3 Monaten bis zu den Symptomen von Fieber und einem allgemeinem Krankheitsgefühl und dem echokardiographischen Befund eines Herzbeutelergusses (Perikarderguss) sowie dem fehlenden Ansprechen auf Antibiotika.
Laborchemisch können IL-6 als Entzündungsmarker erhöht und bakteriologische Befunde (Blutkulturen) und Herzenzyme (CPK, Troponin) negativ ausfallen.
Differenzialdiagnostisch kommen eine infektiöse Perikarditis (vor allem bedingt durch eine Virusinfektion, in Ländern der 3. Welt oft auch durch Tuberkulose), eine Begleitentzündung bei benachbarter Pleuritis oder Pleuropneumonie und eine maligne Perikarditis (Invasion des Herzbeutels mit Tumorzellen) infrage.
Therapie
Das meist vorherrschende Fieber und eine oft vorliegende Leukozytose lassen zunächst an eine bakterielle Infektion denken, sodass oft Antibiotika als die erste Therapiewahl erscheinen. Typischerweise reagieren Befinden und Befunde darauf nicht.
Eine Behandlung mit ASS oder einem nicht-steroidalen Antiphlogistikum (COX-2-Hemmer) ist dagegen oft erfolgreich; begleitend kann Colchizin eingesetzt werden. Bei den oft leichten bis mittelschweren Verläufen können insbesondere antiphlogistische Medikamente die Entzündungen oft in wenigen Tagen normalisieren. 4. In einer Kasuistik wurde erfolgreich die Kombination von Aspirin 1000 mg alle 8 Stunden oral und Colchicin 0,5 mg alle 12 Stunden oral angewendet 5.
In resistenten Fällen kann die Behandlung mit einem Glukokortikoid (z. B. Prednisolon) zu einer raschen Besserung führen 6.
Bei schwerem Verlauf und drohender Herzbeuteltamponade kann eine interventionelle Entlastung durch Perikardpunktion indiziert sein.
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Verweise
Weiteres
- Chest. 2004 Nov;126(5):1680-2[↩]
- J Am Board Fam Pract. 2004 May-Jun;17(3):230-2[↩]
- Leib AD, Foris LA, Nguyen T, et al. Dressler Syndrome. [Updated 2023 Jul 3]. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2025 Jan-. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK441988/[↩]
- BMC Cardiovasc Disord. 2019 Sep 2;19(1):207. doi: 10.1186/s12872-019-1190-4. Erratum in: BMC Cardiovasc Disord. 2019 Oct 18;19(1):227.[↩]
- Cureus. 2025 Sep 12;17(9):e92177. doi: 10.7759/cureus.92177[↩]
- Am Heart J. 1979 Dec;98(6):772-6.[↩]
- AMA Arch Int Med. 1959;103:28–42[↩]
- Future Cardiol. 2023 Dec;19(15):719-721[↩]
- BMC Cardiovasc Disord. 2018 Dec 12;18(1):234. doi: 10.1186/s12872-018-0964-4[↩]
- Medicina (Kaunas). 2021 May 13;57(5):490. doi: 10.3390/medicina57050490[↩]
- Cardiol Rev. 2026 Jan-Feb 01;34(1):19-23. doi: 10.1097/CRD.0000000000000662[↩]