Früherkennung
Wegen der bereits früh beginnenden Veränderungen, die später zum diabetischen Spätsyndrom werden können, ist ein gezieltes Screening auf Prädiabetes indiziert.
Suchtest
Der orale Glukosetoleranztest (oGTT) wird als Suchtest angewendet bei Patienten mit
- familiärer Diabetes-Belastung,
- Übergewicht (BMI > 30 kg/qm),
- essentieller Hypertonie,
- Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes),
- Dyslipidämie (Fettstoffwechselstörung.
- Eine koronare Herzkrankheit sollte ebenfalls Anlass sein, den Glukosestoffwechsel zu überprüfen.
Prädiabetes-Nachweis
Ein Prädiabetes liegt vor, wenn bei normalem Blutzucker zu hohe Insulinwerte gemessen werden, d. h. eine normoglykämische Hyperinsulinämie nachweisbar ist. Sie ist Ausdruck einer gestörten Glukosetoleranz mit sich entwickelnder peripherer Insulinresistenz.
Prädiabetes wird nachgewiesen durch das Vorliegen
- einer gestörten Nüchternglukose (100 bis 125 mg/dl),
- einer gestörten Glukosetoleranz (IGT), d. h. einem Glukosewert im Plasma von 140 bis 199 mg/dl 2 Stunden nach Einnahme von 75 g Glukose, und/oder
- einem A1c-Wert zwischen 5,7 % und 6,4 %.
Die beiden Hauptphänotypen des Prädiabetes, nämlich gestörte Nüchternglukose und gestörte Glukosetoleranz, können sich in Entstehung, Verlauf und Therapieansprechen möglicherweise unterscheiden 1.
→ Blutzucker
→ Diabetisches Spätsyndrom
Umgebungsuntersuchungen
Diagnostische Verfahren und Spezialmethoden aus verschiedenen Fachbereichen wie Neurologie, Augenheilkunde, Nephrologie, Angiologie und Kardiologie geben Auskunft, ob sich in diesem Stadium bereits Folgeschäden zu entwickeln beginnen, wie eine diabetische Retinopathie, Nephropathie oder Angiopathie.
Prädiabetes als Risikofaktor
Die postprandialen Glukosespitzen wie auch ein erhöhter 2-h-Glukosewert beim oralen Glukosetoleranztest (oGTT mit 75g Glukose) gelten heute (ebenso wie ein erhöhter Nüchternblutzucker) als ein unabhängiger Risikofaktor für Herzkreislaufkrankheiten (kardiovaskuläre Komplikationen) beim Typ-2-Diabetes. 2 Eine gestörte Glukosetoleranz geht einer diabetischen Stoffwechsellage um viele (bis über 20!) Jahre voraus.
Sicherung eines Diabetes
Erforderliche Laboruntersuchungen sind: Nüchternblutzucker, postprandialer Blutzucker, Blutzuckertagesprofil, HbA1c, Bestimmung von Insulin und C Peptid.
Der Diabetes gilt als gesichert:
- bei typischen Symptomen (Polyurie, Polydipsie, Gewichtsabnahme) und einem zufälligen Blutzuckerwert > 200 mg/dl
- wenn die Grenzwerte erfüllt sind: Nüchternblutzucker ≥ 126 mg/dl (7,0 mmol/l), OGT Zweistundenwert ≥ 200 mg/dl (11,1 mmol/l)
- Glykiertes Hämoglobin (HbA1c) ≥ ≥ 6,5 % (48 mmol/mol)
Ausprägung
Zur Beurteilung der Krankheitsausprägung dienen
- die Beurteilung von Blutdruck, Zustand der arteriellen Blutgefäße und Körpergewicht,
- die Untersuchung des Fettstoffwechsels und
- die Erfassung von komplexen Folgeschäden, wie dem diabetischen Spätsyndrom, und Komplikationen, wie wie Hypoglykämie, Zuckerschock (hypoglykämischer Schock), Hyperglykämie, Zuckerkoma (Koma diabeticum).
Ursachen
Zur Diagnostik gehört die Erfassung bzw. Untersuchung möglicher Ursachen der Zuckerkrankheit. Dazu gehören folgende:
- familiäre und genetische Belastung,
- Risikofaktoren des Lebensstils (inkl. der Ernährung),
- körperliche Erkrankungen, wie Bauchspeicheldrüsenkrankheiten (z. B.Pankreatitis), Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit), Cushing-Syndrom, Schwangerschaftsdiabetes.
Komplikationen
Beim früh entdeckten Diabetes können Folgeschäden noch weitgehend vermieden werden. Zu den wichtigen Kontrolluntersuchungen gehören regelmäßige
- Untersuchungen des Urins auf Mikroalbuminurie; ist sie positiv, kann von einer beginnenden diabetischen Nephropathie ausgegangen werden.
- Untersuchungen des Augenhintergrunds auf eine diabetische Retinopathie,
- neurologische Untersuchungen auf eine diabetische Neuropathie,
- HbA1c-Bestimmungen
Auffällige Befunde sprechen für eine zwischenzeitlich nicht optimale Therapie, die daher überprüft und intensiviert werden sollte.
Akute Stoffwechselentgleisungen, wie ein hypoglykämischer Schock, ein diabetisches Koma oder ein ketoazidotisches Koma, werden durch Untersuchung des Blutzuckers, des Säurebasenhaushalts, der Elektrolyte und der Ketonkörper diagnostiziert.
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Verweise
- Diabetes-Kompendium
- Blutzucker
- Diabetes – einfach erklärt
- Herzinfarkt – einfach erklärt
- Schlaganfall – einfach erklärt
- Bluthochdruck – einfach erklärt
- Grundlagen der Ernährung
- Ernährung bei Adipositas
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