Allgemeines
Alkoholgenuss hat psychische, gesundheitliche und soziale Aspekte. Wegen seiner entspannenden Körperempfindung und Wohligkeit vermittelnden Effekte, sowie wegen seiner enthemmenden Wirkung bei Sozialkontakten wird er gerne in Gesellschaft als Zungenlöser sowie bei persönlichen Problemen als Sorgenbrecher, Tröster oder Betäuber verwendet.
Für manche Menschen hat Alkohol Suchtwirkung. Als ein toxisch wirkender Stoff schädigt er praktisch alle Organe und Funktionen des Körpers, vor allem bei einem Alkoholexzess sowie bei häufigem oder dauerhaften und übermäßigen Genuss. Gewohnheitsmäßiger, aber auch bereits einmaliger Genuss von Alkohol kann zur Alkoholabhängigkeit führen. Wegen seiner schädlichen gesundheitlichen Wirkungen wird es als Genussgift eingestuft.
→ Alkoholabusus – Alkoholkrankheit
→ Genussmittel
Alkohol als Genussmittel
Alkohol wird in Gesellschaft zur Hebung der allgemeinen Stimmung und Laune verwendet. Man fühlt sich leichter bereit, Kontakte zu knüpfen, Gespräche zu führen, mit zu lachen oder auch Unsinn zu machen. Der leicht enthemmende Effekt wird gewünscht und als angenehm empfunden. Zudem kommt eine entspannte Körperempfindung hinzu, eine Wohligkeit, die süchtig machen kann. Dabei schwinden allmählich die Selbstkontrolle und das Empfinden, nicht mehr angemessen urteilen und reagieren zu können. Man traut sich mehr zu, als tatsächlich in der Situation noch möglich ist.
Die Reaktionszeit nimmt ab. Die Fähigkeit zur richtigen Beurteilung einer Situation kann, vom Betroffenen unerkannt, schon früh leiden. Daher sind verantwortungsvolle Tätigkeiten unter Alkoholeinfluss nicht nur nicht ratsam, sondern in bestimmten Beziehungen (wie Autofahren, Operieren, Bedienen gefährlicher Maschinen etc.) verboten.
Alkohol: fraglich günstige Effekte
Einige Inhaltsstoffe alkoholischer Getränke, wie Resveratrol im Rotwein, weisen zwar gesundheitsfördernde Eigenschaften auf. Dennoch überwiegen die negativen Auswirkungen regelmäßigen Alkoholkonsums langfristig deutlich. Auch besteht eine positive Assoziation von mäßigem Alkoholgenuss und Knochenfestigkeit, insbesondere bei postmenopausalen Frauen. Dies wird teilweise einem geringen Östrogengehalt des Rotweins und anderen biologisch aktiven Inhaltsstoffen von Alkoholika zugeschrieben. Dennoch wird vor einer Osteoporoseprophylaxe dieser Art gewarnt. 1 Die schädigenden Auswirkungen alkoholischer Getränke überwiegen eindeutig. 2 3
Alkohol in Getränken
Alkoholgehalt in etwa (der genaue Gehalt ist den Etiketten zu entnehmen): Apfelmost 2-6%, Wein 12 – 14 %, Bier 3 – 6 %, Starkbier 8 – 10 %, Liköre und Schnäpse 30 – 80 %.
Grenze der Unbedenklichkeit
Einfluss auf Krankheitsrisiken und Mortalität: Eine Auswertung verschiedener Studien mit insgesamt 599912 Alkoholkonsumenten zeigt, dass Alkoholgenuss nur bis zu einer relativ niedrigen Grenze die Sterberate (Mortalität) nicht erhöht. Alkoholkonsum war nahezu linear mit einem höheren Risiko für Schlaganfall (HR pro 100g pro Woche 1,14-fach), koronare Herzkrankheit (außer Herzinfarkt), schweren Bluthochdruck (1,24-fach) und schweres Aortenaneurysma (1,15-fach) assoziiert. Dagegen war das Herzinfarktrisiko geringer (0,94-fach). Die vertretbare Grenze für Alkoholkonsum wird bei 100 g Alkohol pro Woche gesehen (wo sich positive und negative Effekte weitgehend aufheben). Das sind täglich etwa 1 Glas Wein oder 3 halbe Flaschen Bier. Wenn ein 40-Jähriger seinen Alkoholkonsum von etwa 196 g/Woche (derzeit in USA vertretener Grenzwert für Männer) auf 100 g/Woche reduziert, lebt er (nach dieser Studienauswertung) statistisch 1 bis 2 Jahre länger. 4
Einfluss auf kognitive Funktionen: Selbst nur mäßiger Alkoholkonsum über 7 Gläser (56 g) pro Woche schädigt das Gehirn dauerhaft und führt zu einer Verschlechterung kognitiver Funktionen. 5
Alkoholstoffwechsel
Alkohole gehören chemisch zur Gruppe von Kohlenwasserstoffen (aliphatische Kohlenwasserstoffe, Alkane), bei denen ein H durch OH ersetzt ist. Im landläufigen Sinn wird mit Alkohol im Wesentlichen Äthanol (Äthylalkohol) als Genussmittel gemeint.
Alkohol im Magen
Im Magen beginnt bereits ein Abbau (etwa 5 % des aufgenommenen Alkohols) über eine Alkoholdehydrogenase statt. Dieses Magenenzym weist eine deutlich höhere Aktivität als die Leber-Alkoholdehydrogenase auf. Eine Mutation im Magen-ADH-Gen (ADH7-Gen), welches vor Alkoholwirkungen schützt, wird mit einer Alkoholabhängigkeit 6, einer Leberzirrhose und Hirnschäden in Verbindung gebracht. Eine früher angenommene Assoziation mit Ösophagus- und Magenkrebs oder einer Metaplasie in der Magenschleimhaut besteht nicht. 7 8
Alkohol in der Leber
Der hauptsächliche Abbau erfolgt in der Leber durch eine hepatische Alkoholdehydrogenase. Es entsteht Acetaldehyd, das für toxische Wirkungen inkl. dem „Kater“ verantwortlich ist: Kopfschmerzen, Übelkeit und Brechreiz. Acetaldehyd wird durch eine weitere Dehydrogenase (Acetaldehyddehydrogenase) zu Essigsäure und dann über den Zitronensäurezyklus abgebaut. Bei höheren Alkoholmengen kommt zusätzlich der Abbau in den Mitochondrien am Cytochrom-P450-System (CYP2E1) ins Spiel. Die Abbaugeschwindigkeit beträgt etwa 0,08 bis 0,1 g pro Stunde und kg Körpergewicht; sie ist bei Frauen etwas langsamer als bei Männern.
Alkoholeffekte
Alkohol erweitert die Blutgefäße: Die Haut wird rot und warm und der Blutdruck sinkt u. U. mit der Folge vom Schwindelerscheinungen und Pulsbeschleunigung. Der Körper kann erheblich an Wärme verlieren (Unterkühlung bis hin zu Erfrierungen und zum Erfrierungstod im Winter).
Alkohol erhöht die Bildung von Dopamin und Endorphinen im Gehirn, was zum Wohlbefinden beiträgt und Suchtverhalten fördert. Die leichte Enthemmtheit und Wohligkeit, die die meisten Menschen verspüren, kann bei manchen in Selbstüberschätzung, Aggressivität und Streitlust übergehen. Manche Menschen reagieren „im Suff“ mit Großmannssucht, manche mit Verzweiflung und Depression (heulendes Elend, Weltschmerz). Nach ausgeschlafenem Rausch besteht gelegentlich eine Erinnerungslücke (Amnesie) über die in Trunkenheit erlebten und getanen Dinge.
Alkoholkrankheit
Alkohol kann eine unbeherrschbare Sucht auslösen, die als Krankheit angesehen wird. Neben Umwelteinflüssen ist auch eine genetische Grundlage für eine Alkoholabhängigkeit wahrscheinlich gemacht worden. Unter den Umweltfaktoren ist Stress der wichtigste Risikofaktor. Zudem spielt eine genetische Prädisposition eine grundlegende Rolle. Sie betrifft die Fähigkeit, mit Stress umzugehen, und die Justierung des Belohnungssystems des Gehirns, bei dem verschiedene Rezeptoren aufeinander abgestimmt sind.
→ Zur Alkoholkrankheit siehe hier.
Jugendliche und Umgang mit Alkohol
Eltern sind relativ oft der Meinung, dass eine kontrollierte Erlaubnis, Alkohol zu trinken, Kinder dazu erziehen würde, verantwortungsvoll mit solchen Getränken umzugehen. Das ist laut Langzeitstudien nicht der Fall. Die Ergebnisse zeigen im Gegenteil, dass aus solchen Kindern vermehrt solche mit Alkoholproblemen im späteren Leben werden. Unter ihnen finden sich gehäuft auch solche, die mit Alkohol assoziierte Straftaten begehen und zu Binge-Trinkern (Komasäufer) werden. Die Autoren folgern, dass Alkohol nicht in Kindermund gehören darf. 9 10 11
Alkohol und Organschäden
Alkohol schädigt praktisch alle Organe und Gewebe und hat auf fetale, kindliche und jugendliche Entwicklungsphasen verheerende Auswirkungen.
→ Dazu siehe hier.
Alkoholentzug
Akuter Alkoholentzug kann zu schwerwiegenden Komplikationen führen. Ein akutes Entzugssyndrom beinhaltet körperliche Unruhe, Agitiertheit, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, Schwitzen, psychische Derangiertheit und epileptische Anfälle.
→ Dazu siehe hier.
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Verweise
Weiteres
- Am J Clin Nutr. 2009 Apr;89(4):999-1000[↩]
- Am J Clin Nutr. 2011 Nov;94(5):1371-5[↩]
- Am J Clin Nutr. 2009 Apr;89(4):1188-96[↩]
- Lancet. 2018 Apr 14;391(10129):1513-1523. DOI: 10.1016/S0140-6736(18)30134-X[↩]
- PLoS Med. 2022 Jul 14;19(7):e1004039. DOI: 10.1371/journal.pmed.1004039.[↩]
- Arch Med Sadowej Kryminol. 2016;66(3):172-181. English. doi: 10.5114/amsik.2016.66401.[↩]
- Ann Oncol. 2012 Feb;23(2):287-97. DOI: 10.1093/annonc/mdr136.[↩]
- PLoS One. 2021 Nov 15;16(11):e0260019. DOI: 10.1371/journal.pone.0260019[↩]
- The Lancet Public Health Published: January 25, 2018, DOI: http://dx.doi.org/10.1016/S2468-2667(17)30240-2[↩]
- Arch Pediatr Adolesc Med. 2012 Nov;166(11):1053-7. doi: 10.1001/archpediatrics.2012.1198.[↩]
- Addict Behav. 2018 Jan;76:82-87. doi: 10.1016/j.addbeh.2017.07.030. Epub 2017 Jul 25[↩]
