Die Ursachen einer Leberzirrhose (Narbenleber) sind vielfältig. Die häufigsten sind eine chronische Virusinfektion der Leber (Virushepatitis), wie die Hepatitis B (die in etwa 10 – 20 % chronisch wird) und die Hepatitis C (die fast immer chronisch verläuft), sowie verschiedene Stoffwechselursachen (inkl. der Zuckerkrankheit) und Alkohol, die zu einer Verfettung und Entzündung des Leber führen. Diese wird als Fettleberhepatitis bezeichnet.
Die häufigsten Ursachen
Chronische Virushepatitis
Chronische Virusinfektion der Leber (Virushepatitis): Infrage kommen die Hepatitis B (die in etwa 10 – 20 % chronisch wird) und die Hepatitis C (die in über 80 % chronisch wird). Daher ist es notwendig eine Virushepatitis sofort zu erkennen (was bei der Hepatitis C oft zu spät geschieht), um rechtzeitig mit antiviralen Medikamenten eingreifen zu können.
→ Dazu siehe hier.
Chronische Gallenwegsentzündung
Eine chronisch verlaufende, entzündliche Erkrankung der Gallenwege, eine chronische Cholangitis, ist eine wichtige Ursache einer Leberzirrhose. Typische Krankheiten dieser Gruppe sind die PBC (primär biliäre Cholangitis) und die PSC (primär sklerosierende Cholangitis). Jeder länger dauernder Gallestau regt die Bildung von Narbengewebe in der Leber an. In Versuchstieren kann eine experimentelle Leberzirrhose durch Unterbindung des Gallengangs in wenigen Tagen herbeigeführt werden. An diesem Modell werden Medikamente entwickelt, die helfen, eine Vernarbung zu verhindern oder rückgängig zu machen 1.
Chronische Entzündung in einer Fettleber (Fettleberhepatitis)
Stoffwechselkrankheiten, insbesondere die metabolisch bedingte, nichtalkoholische Fettleberhepatitis (NASH/MASH). Eine Lebervernarbung kann bei Krankheiten des Zuckerstoffwechsels, wie dem „metabolischen Syndrom“ und bei der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), oder bei starkem Übergewicht (Adipositas) auftreten.
→ Dazu siehe hier.
Alkohol-bedingte Fettleberhepatitis (ASH): Bei ihr führt lang dauernder, übermäßiger Alkoholgenuss zu einer Verfettung der Leber und gleichzeitig zu einer chronischen Entzündung mit Narbenbildung. Frauen sind bezüglich Alkohol empfindlicher als Männer: Die unteren Grenzen liegen bei 40 bzw. 60 g reinem Alkohol pro Tag, wobei es eine sichere untere Grenze nicht gibt! Menschen sind genetisch bedingt unterschiedlich empfindlich.
→ Dazu siehe hier.
Speicherkrankheiten
Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose): Sie führt nicht nur zur Leberzirrhose, sondern auch zu einer Reihe anderer Organstörungen, so des Herzens und des Hormonsystems (siehe hier).
Kupferspeicherkrankheit (Morbus Wilson): Sie betrifft ebenfalls nicht nur die Leber, sondern viele innere Organe, so insbesondere auch das Gehirn (siehe hier).
Weitere Speicherkrankheiten mit Zirrhoserisiko sind die Porphyrie, der alpha1-Antitrypsinmangel und die Mukoviszidose-Hepatopathie.
Chronische Blutstauung
Chronische Blutstauung durch Rechtsherzinsuffizienz: Die „rechtskardiale Stauungsleber“ ist eine Folge einer ausgeprägte Überlastung der rechten Herzkammer, wie sie beispielsweise bei schweren chronischen Lungenkrankheit, so auch bei einer Lungenembolie auftreten kann (siehe hier).
Weitere Ursachen
Pflanzliche oder chemische Gifte können über Zelluntergang oder eine Entzündung zu einer Lebervernarbung führen. Untergegangenes Lebergewebe wird teilweise durch Narbengewebe ersetzt. Einer toxisch bedingte „postnekrotische“ Leberzirrhose ist klein, hart und buckelig. Einige Medikamente können eine chronische Entzündung und über sie eine Narbenbildung anstoßen.
→ Dazu siehe hier.
Ursache und Wirkung
Alle diese Ursachen haben gemeinsam, dass sie einen bestimmten Zelltyp, die Ito-Zellen, in der Leber anregen (stimulieren), die wiederum das Narbengewebe bilden. Wenn verstanden wird, wie diese Zellaktivierung unterbrochen werden kann, könnte bei chronischen Leberkrankheiten, einer Vernarbung vorgebeugt werden. Die Forschung verfolgt diese Fährte; die Perspektive ist nicht unbegründet.
Bedeutung der Ursache
Wenn eine Leberzirrhose entdeckt wird, ist zu klären, wie sie zustande gekommen ist, da sich die Behandlung nicht nur auf ihre Auswirkungen, sondern auch auf die Ursachen gerichtet ist.
→ Zur Diagnostik siehe hier.
Verweise
LEBERZIRRHOSE – VERSTÄNDLICH
Weiteres
- Life Sci. 2022 Jul 15;301:120615. doi: 10.1016/j.lfs.2022.120615[↩]