Das Wichtigste
Die akute Bronchitis ist eine sich rasch entwickelnde Entzündung der großen Atemwege, im Gegensatz zur Lungenentzünung (Pneumonie), die die Lungenbläschen (Alveolen) betrifft. In über 50 % bis 90 % der Fälle wird eine antibiotische Behandlung eingeleitet. Eine Cochrane-Zusammenstellung besagt jedoch, dass der Nutzen in der Mehrzahl der Fälle nur marginal ist.
Entstehung
Die akute Bronchitis beginnt meistens mit einem Virusinfekt, der den Weg für eine bakterielle Superinfektion bereitet. Als Viren kommen infrage: Adenoviren, Coronaviren, Influenzaviren (Typen A und B), Parainfluenzaviren, RSV (respiratory syncytial viruses), auch Coxsackie-, Masern- und Rötelnviren. Virale Entzündungen sind in der Regel hochinfektiös.
Folgende Nicht-Viren können zu einer akuten Bronchitis führen: Mycoplasma pneumoniae, Bordetella pertussis, Chlamydia pneumoniae.
Ob und in welcher Intensität eine Infektion „angeht“, hängt von der Resistenzlage des Wirts ab. Unterernährung und Tumorerkrankungen sowie medikamentöse Immunsuppression schwächen sie.
→ Erreger und Therapie einer Pneumonie
Klinik
Folgende Symptome herrschen vor:
- Husten, zunächst meistens unproduktiv ohne Auswurf, eitriges Sputum kommt erst bei bakterieller Superinfektion zustande. Lang dauernder Husten und Atemnot sollten an die Entwicklung einer Pneumonie (Lungenentzündung) oder Bronchopneumonie (Lungenentzündung mit Entzündung der Atemwege) denken lassen.
- Frösteln und Fieber,
- schmerzhaftes Atmen.
Diagnostik
Untersuchung der Lungen: (Auskultation und Perkussion) Rasselgeräusche? Spastik? Dämpfung?
Labor: Entzündungsparameter (Leukozytose, CRP), Blutgasanalyse, Bakteriologie aus dem Sputum.
Röntgen: bronchopneumonische Infiltrationen?
Unterscheidung zwischen akuter bakterieller und viraler Infektion: Eine 8-Gen-Signatur zur Unterscheidung intrazellulärer oder extrazellulärer bakterieller Infektionen von Virusinfektionen identifiziert, welche geeignet ist, eine bakterielle von einer viralen Infektion zu unterscheiden. Die Spezifität wird mit 85,9 % und die Empfindlichkeit mit 90,2 % angegeben. Er kann über eine frühzeitige und genaue Diagnose einer akuten Infektion den verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika erhöhen 1. Der Test wird in der Praxis geprüft.
Therapie
Rauch, Stäube und andere mögliche Auslöser sind zu vermeiden.
Eine akute Bronchitis wird von einem kompetenten Immunsystem meistens gut beherrscht. Daher ist eine antibiotische Behandlung von Beginn an nicht sinnvoll und statistisch von nur geringem Effekt 2. Um eine unnötige antibiotische Behandlung zu vermeiden, wird vorgeschlagen, die Verschreibung von Antibiotika zu verzögern. 3
Bei Verdacht auf eine bakterielle Superinfektion einer primär viralen Bronchitis kommen Antibiotika zum Einsatz.
Procalcitonin ermöglicht es, eine Verschlechterung oder eine nicht adäquate Verbesserung des Verlaufs frühzeitig zu erkennen und so die Mortalität wirksam zu senken 4 5. Auch CRP erfüllt diesen Zweck 6.
In der Praxis wird vor einer antibiotischen Behandlung nicht immer ein Antibiogramm erstellt. Bei Abwehrschwäche kann eine prophylaktische Antibiose erwogen werden.
Bei obstruktiver (asthmoider) Komponente kommen inhalative Spasmolytika zum Einsatz, bei zähem Sekret auch Sekretolytika (Schleimlöser).
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Verweise
Fachinfos
- Asthma bronchiale
- Chronische Bronchitis
- Chronisch obstruktive Lungenkrankheit
- COPD
- Bronchopneumonie
- Erkältung, grippaler Infekt
- Husten
Patienteninfos
Weiteres
- Cell Rep Med. 2022 Dec 20;3(12):100842. doi: 10.1016/j.xcrm.2022.100842[↩]
- Cochrane Database Syst Rev. 2017 Jun 19;6(6):CD000245. doi: 10.1002/14651858.CD000245.pub4[↩][↩]
- Expert Rev Anti Infect Ther. 2016 Jul;14(7):633-42. doi: 10.1080/14787210.2016.1193435.[↩]
- Cochrane Database Syst Rev. 2017 Oct 12;10:CD007498. doi: 10.1002/14651858.CD007498.pub3.[↩]
- Lancet Infect Dis. 2018 Jan;18(1):95-107. doi: 10.1016/S1473-3099(17)30592-3[↩]
- Cochrane Database Syst Rev. 2022 Oct 17;10(10):CD010130. doi: 10.1002/14651858.CD010130.pub3[↩]
- Am Fam Physician. 2020 Nov 1;102(9):Online. PMID: 33118784[↩]