Long-QT-Syndrom inkl. Romano-Ward-Syndrom

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Vorhofflattern Vorhofflimmern

Allgemeines

Das Long-QT-Syndrom inkl. Romano-Ward- und das Jerwell-Lange-Nielsen-Syndrom sind angeborene Veranlagungen für bösartige und potenziell tödliche Herzrhythmusstörungen auf dem Boden einer Verlängerung der QT-Zeit.

Das angeborene Long-QT-Syndrom (LQTS) beruht auf einer angeborenen Veränderung des Kalziumkanals in der Zellmembran der Herzmuskelzellen, die zu einem verlängerten QT-Intervall und einer verzögerten Repolarisation führt. Die Prävalenz liegt bei etwa 1:2000. 1

Ist die QT-Verlängerung zudem mit angeborener Schwerhörigkeit oder Taubheit verbunden, entspricht dies dem Jervell-Lange-Nielsen-Syndrom, das autosomal rezessiv vererbt wird und mit einem besonders hohen Risiko für maligne Herzrhythmusstörungen verbunden ist. 2 3

Die durch die Kalziumkanal-Anomalie hervorgerufenen Herzrhythmusstörungen können in Form von Torsade-de pointes-Tachykardien und Kammerflimmern lebensbedrohlich sein.

Körperliche Aktivitäten und psychischer Stress sowie Antipsychotika können das Risiko von tödlichem Kammerflimmern erheblich erhöhen. 4

Die Lebenserwartung beim Long-QT-Syndrom ist erheblich eingeschränkt, ist aber abhängig vom genetischen Typ. Die Mutation KCNQ1-A341V hat die schlechteste Prognose von durchschnittlich kaum 10 Jahren. 3

EKG
Herzrhythmusstörungen

Genetik

Das Long-QT-Syndrom Typ 1 (LQT1) ist der häufigste Typ der Long-QT-Syndrome (LQTS). Es beruht auf Mutationen der Gene KCNQ1, KCNH2, KCNE1, KCNE2, CACNA1c, CAV3, SCN5A, SCN4B. Die häufigsten LQTS-Gene sind bei weitem KCNQ1 (LQT1), KCNH2 (LQT2) und SCN5A (LQT3). 5 3

Mutationen beider Allele ohne Taubheit werden als Romano-Ward-Syndrom (AR RWS) bezeichnet, mit Taubheit dagegen als Jervell- und Lange-Nielsen-Syndrom (JLNS). 6

Inzwischen wurden  bei Patienten über 700 KCNQ1-Varianten identifiziert. Die überwiegende Mehrheit wird dominant vererbt. 7

LQT1 wird autosomal-dominant vererbt, wohingegen JLNS1 autosomal-rezessiv vererbt wird und sporadisch eine zusammengesetzte Heterozygotie aufweist. 8 9

Das menschliche KCNQ1-Gen (Kaliumkanal, spannungsgesteuert, KQT-ähnliche Unterfamilie, Mitglied 1) weist zwei Transkript-Isoformen auf, eine Nieren- und eine Pankreas-Isoform. Beide können einen funktionellen kardialen Kaliumkanal bilden und werden im menschlichen Herzen in erheblichen Mengen exprimiert. 10

Diagnostik

Die Diagnose beruht auf einer Verlängerung der QT-Zeit über ≥480 msek im Elektrokardiogramm (EKG). Für die Diagnostik spielt die QT-Verlängerung in der Erholungsphase eines Belastungstests eine besondere Rolle. Eine Bestätigung erfolgt durch einen Gentest. 3

Therapie

Medikamente: Die Behandlung beruht auf einer Unterdrückung des Einflusses von Stress auf das Herz durch ß-Blocker (β-adrenerge Blockade). Bevorzugt werden lang wirkende Substanzen. Nadolol ermöglicht eine zweimal tägliche Verabreichung, normalerweise mit 1 bis 1,5 mg/kg pro Tag. Metoprolol wird als weniger wirksam nicht empfohlen. Betablocker sind bei LQT1-Patienten ganz besonders wirksam. Bei LQT2-Patienten trotz β-Blockern werden mehr lebensbedrohliche Ereignisse (vor allem Herzstillstände) beschrieben. 3

Eine sympathische Denervierung des linken Herzens ist eine zunehmend genutzte Alternative zur Prophylaxe lebensbedrohlicher Rhythmusstörungen. Der Eingriff kann video-thorakoskopisch erfolgen. 11 12 13


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Verweise

Weiteres

Letzte Aktualisierung von Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt):
  1. Circulation. 2009;120:1761–1767[]
  2. Am. Heart J. 1957;54:59–68[]
  3. Circ Arrhythm Electrophysiol. 2012 Dec;5(6):e119-20[][][][][]
  4. Am J Health Syst Pharm. 2008 Jun 1;65(11):1029-38[]
  5. J Rare Dis. 2008 Jul 7;3:18. doi: 10.1186/1750-1172-3-18[]
  6. Am J Med Genet A. 2016 Jun;170(6):1510-9. DOI: 10.1002/ajmg.a.37636[]
  7. Biomedicines. 2022 Sep 12;10(9):2254. doi: 10.3390/biomedicines10092254[]
  8. Circ Arrhythm Electrophysiol. 2012;5(4):868–77. doi: 10.1161/CIRCEP.111.962019[]
  9. Int J Mol Sci. 2023 Jan 10;24(2):1350. doi: 10.3390/ijms24021350[]
  10. BMC Med Genet. 2017 Jun 8;18(1):66. DOI: 10.1186/s12881-017-0430-7[]
  11. Thorac Dis. 2017 Sep;9(9):3394-3397[]
  12. Asian Cardiovasc Thorac Ann. 2021 Mar;29(3):186-190.[]
  13. JACC Clin Electrophysiol. 2022 Mar;8(3):281-294[]

Von Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt)

Approbation, Promotion Medizinische Fakultät Universität Freiburg, 3 Jahre Biochemische Forschung Universität Bochum, Klinische und experimentelle Forschung in Zusammenarbeit mit dem Biochemischen Institut der Naturwissenschaftlichen Fakultät Freiburg und dem Institut für Informatik Würzburg. Habilitation an der Medizinischen Klinik der Universität Freiburg. Chefarzt der DRK-Kliniken Berlin und am Klinikum Frankfurt (Oder). Veröffentlichungen in verschiedenen hochrangigen Peer-Review-Journals inkl. Hepatology, Artif Intell Med., J Lipid Res., Adv Enzyme Regul., Dtsch Med Wochenschr., Med Welt., Z Krebsforsch., Ultraschall Med.