Allgemeines
Aquaretika sind Wasser treibende Mittel (Diuretika). Sie bewirken eine vermehrte Wasserausscheidung ohne einen direkten Einfluss auf die Ausscheidung von Elektrolyten auszuüben. Beispiele sind Tolvaptan (Samsca), Pecavaptan und Lixivaptan. Sie werden zu „Vaptanen“ zusammengefasst.
Aquaretika können dann therapeutisch besonders wirksam eingesetzt werden, wenn eine vermehrte Wassereinlagerung im Körper zumindest zum Teil auf eine Hochregulation des V2-Rezeptors von Vasopressin (Adiuretin) zurückgeführt werden kann. Das ist oft bei dem SIADH-Syndrom, bei der hydropischen Herzinsuffizienz und bei der dekompensierten Leberzirrhose der Fall.
Wirkprinzip
Ihr Prinzip beruht auf der Hemmung von Vasopressin (= Adiuretin) an seinem Rezeptor in den Sammelrohren der Nieren. Sie können zur Ausscheidung von Ödemen bei einer kongestiven Herzkrankheit oder der Behandlung einer Wasserretention bei einer polyzystischen Nierenkrankheit eingesetzt werden. Bei Ausscheidung von Wasser ohne Elektrolyte steigt die Osmolalität des Bluts an, was zu Komplikationen führen kann.
Die Vasopressinwirkung wird über spezielle Rezeptoren vermittelt, die V1a- and V2-Receptoren. Vasopressinhemmer, die als Aquaretika wirken, greifen an ihnen an.
Bei verschiedenen ödematösen Erkrankungen wird eine übermäßige Stimulation des V2-Vasopressinrezeptors gefunden. Sie ist eine lange bekannte Ursache für eine Hyponatriämie. Die Hochregulation dieser Rezeptoren verstärkt die adiuretische Vasopressinwirkung. 1 Vasopressinrezeptorhemmer können in diesen Fällen eine vermehrte Wasserausscheidung und einen Rückgang von Wasseransammlungen im Körper bewirken.
→ Vasopressin
→ Vasopressin-Rezeptorantagonisten
Indikationen
SIADH-Syndrom
Indikation zur Behandlung mit einem Aquaretikum ist eine schwere oder therapieresistente hypervolämische Hyponatriämie, d. h. eine Überwässerung des Körpers, wie sie beim SIADH-Syndrom, dem Syndrom einer inadäquaten Sekretion des antidiuretischen Hormons (ADH), auftritt. 2 3
→ Antidiuresesyndrom – SIADH-Syndrom
Dekompensierte Herzinsuffizienz
Indikation kann auch eine Ödemausschwemmung bei kongestiver Herzkrankheit (Herzkrankheit mit Ödembildung) sein. Dieser Indikation liegt die Überlegung zugrunde, dass ein übermäßig erhöhter Vasopressin-Spiegel für die Flüssigkeitsrretention und eine Hyponatriämie verantwortlich ist.
Eine Studie (AVANTI) weist nach, dass eine 30-tägige Zusatztherapie mit Pecavaptan zu Furosemid bei Patienten mit residualer Stauung keinen Einfluss auf den Gewichtsverlust oder die Nierenfunktion. Die Monotherapie mit Pecavaptan jedoch war nach der Entlassung hinsichtlich der Gewichtsveränderung über 30 Tage der Monotherapie mit Furosemid etwa gleichwertig, ging jedoch mit einer Verbesserung der Nierenfunktion einher. 4 5
→ Linksherzinsuffizienz
Dekompensierte Leberzirrhose
Indikation für eine Behandlung kann auch die Ausschwemmung von therapieresistentem Aszites bei Leberzirrhose sein, wenn eine Hyponatriämie nachweisbar ist.
Eine Studie weist nach, dass eine Langzeitbehandlung mit Tolvaptan bei 55 von 84 Patienten (65,5 %) eine günstige Reaktion mit einer durchschnittlichen Gewichtsreduktion von 2,52 kg bewirkte. Wenn die therapeutische Reaktion über längere Zeit anhielt (Nachkontrollen nach 6 und 12 Monaten), war das Gesamtüberleben verbessert (42,4 % und 60,1 %). 6 7.
Polyzystische Nierenerkrankung
Aquaretics gelten als vielversprechende Therapieoption für die Behandlung der autosomal-dominanten polyzystischen Nierenerkrankung. Es wird von einer hemmenden Wirkung von Tolvaptan auf die Progredienz ADPKD (Autosomal dominant polycystic kidney disease) berichtet. Es verzögert den Anstieg des Gesamtvolumens der Nieren, verlangsamt die Entwicklung einer Niereninsuffizienz und lindert die Nierenschmerzen 8.
→ Hyponatriämie
→ Aszites
Nebenwirkungen
Die häufigsten Nebenwirkungen von Aquaretika umfassen Polyurie, Pollakisurie und Polydipsie und kann auch zu einer einer Exsikkose einer Hypovolämie und erniedrigtem Blutdruck führen. Als Gegenregulation kann das RAAS anspringen (siehe hier). Auch besteht ein gewisses Risiko einer Leberschädigung (Hepatotoxizität) 9. Die Anwendung von Tolvaptan wird von der FDA wegen möglicher Nebenwirkungen auf 30 Tage eingeschränkt.
Es werden neue Substanzen mit aquaretischer Wirkung gesucht, die weniger Nebenwirkungen über das RAAS auslösen. Pecavaptan beispielsweise ist eine Substanz, die gleichzeitig vaskuläre V1a- und renale V2-Rezeptoren blockiert. Sie induziert effizient eine Aquarese und wirkt im Tierversuch günstig. 10 11
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Verweise
Weiteres
- Cancer Chemother Pharmacol. 2017 Oct;80(4):673-684. doi: 10.1007/s00280-017-3390-x[↩]
- Ther Clin Risk Manag. 2021 Jun 29;17:649-656. DOI: 10.2147/TCRM.S286952.[↩]
- Eur J Heart Fail. 2021 May;23(5):743-750. DOI: 10.1002/ejhf.2001. Epub 2020 Oct 9. PMID: 32946151.[↩]
- Eur J Heart Fail. 2025 Nov;27(11):2525-2536. doi: 10.1002/ejhf.3801[↩]
- Ther Adv Cardiovasc Dis. 2021. doi: 10.1177/1753944720977741.[↩]
- Int J Mol Sci. 2021 May 25;22(11):5582. doi: 10.3390/ijms22115582.[↩]
- Int J Med Sci. 2020 Mar 15;17(7):874-880. doi: 10.7150/ijms.41454[↩]
- Pharmacotherapy. 2014 Jun;34(6):605-16. doi: 10.1002/phar.1421[↩]
- Ther Clin Risk Manag. 2021 Jun 29;17:649-656. doi: 10.2147/TCRM.S286952[↩]
- Eur J Heart Fail. 2021 May;23(5):743-750. doi: 10.1002/ejhf.2001[↩]
- J Cardiovasc Pharmacol. 2019 Jul;74(1):44-52. DOI: 10.1097/FJC.0000000000000677.[↩]