Goodpasture-Syndrom

Immunglobuline

Das Wichtigste

Das Goodpasture-Syndrom (engl.: anti-glomerular basement membrane disease, GBM, Anti-GBM-Krankheit) ist eine Autoimmunkrankheit, welche kleinere Blutgefäße, insbesondere von Nieren und Lungen, betrifft.

Anti-GBM Antikörper: Antikörper gegen Basalmembranen von Blutgefäßen führen zu einer schwerwiegenden Organstörung.

Leitsymptom ist Bluthusten. Die Nierenbeteiligung kann zu Blut im Urin und einer Hypertonie führen.

Die Diagnose gründet sich auf den Nachweis von Antibasalmembran-Antikörpern und eine Nierenbiopsie mit dem histologischen Nachweis von Immunglobulin-Ablagerungen auf Basalmembranen der Glomerula.

Therapeutisch werden Immunsuppressiva und Glukokortikoide eingesetzt. Eine Plasmapherese kann im akuten Stadium die oft lebensbedrohliche Symptomatik bessern, indem sie die pathologischen Immunkomplexe aus dem Blut herausfiltert. In therapieresistenten Fällen kann Rituximab erfolgreich sein.

Inzidenz

Das Goodpasture-Syndrom ist sehr selten; geschätzt werden 1 Erkrankung auf 1 Mio Einwohner, wobei Männer etwas häufiger betroffen sind als Frauen. Es wurden Erkrankungsfälle in einer Altersspanne zwischen 10 und 90 Jahren berichtet; wobei es zwei Erkrankungsgipfel bei 30 und 60 Jahren gibt; der Gipfel bei 60 Jahren soll überwiegend aus Frauen bestehen, die mit einer Nierenerkrankung auffällig wurden. 1 Ältere Menschen mit Goodpasture-Syndrom haben laut einer chinesischen Studie einen milderen Verlauf. 2

Entstehung

Das Goodpasture-Syndrom ist eine seltene Entzündung kleiner Blutgefäße (Vaskulitis), die mit Autoantikörpern gegen die glomeruläre Basalmembran (Anti-GBM) assoziiert ist.  Die Autoantikörper greifen Typ-IV-Kollagen in den Basalmembranen von Glomerula der Nieren und den Lungenalveolen an. 3

Auslöser: Es gibt eine Reihe von Auslösern. 4 Offenbar spielen Virusinfektionen, wie die Grippe (im Fall der Erstbeschreibung durch Ernest Goodpasture 1919 war es eine Influenza-Infektion) und andere Infektionen, eine Rolle. Es wurden Assoziationen mit einer Lungentuberkulose beschrieben. 5 In einem Fall wurden Etanercept-Injektionen in den letzten 12 Monaten wegen Psoriasis-Arthropathie für die Entstehung  einer Anti-GBM-Krankheit verantwortlich gemacht. 6

Autoantikörper: Es kommt im Rahmen einer allergisch-hyperergen Typ-2-Reaktion zur Bildung von Autoantikörpern (meist IgG1 und IgG4, in 1/3 der Fälle auch IgA und IgM) gegen das Typ-IV-Kollagen der Basalmembranen in den Nierenkörperchen (Glomerula) und den Lungen, die zu einer Schädigung der kleinsten Blutgefäße (Kapillaren) führen. In den Lungen kommt es so zu Blutungen ins Lungengewebe und Bluthusten, in den Nieren zu Blutaustritt in den Primärharn.

Klinik und Symptomatik

Bei Erwachsenen hat das Goodpasture-Syndrom (Anti-GBM-Krankheit) eine Inzidenz von nur 0,5–1,0 Fällen pro Million Einwohner und Jahr. 7

In den Anfangsstadien bei noch niedriger Antikörperproduktion sind kaum Symptome vorhanden. Der Urinbefund kann eine Mikrohämaturie erkennen lassen. Es kann zu einer renalen Hypertonie kommen, die selbst wieder Symptome und Komplikationen nach sich zieht. Meistens wird jedoch eine konsequente Diagnostik erst dann eingeleitet, wenn die Krankheit bereits fortgeschritten ist und Bluthusten auftritt. Im Urin ist in frühen Stadien eine Mikrohämaturie erkennbar, später kann sich der Urin rötlich verfärben.

Eine schnell fortschreitende Glomerulonephritis (RPGN) ist mit einer schlechten Prognose verbunden.

Diagnostik

Bei Lungenbluten mit Bluthusten zusammen mit einer rasch zunehmenden Niereninsuffizienz mit Hämaturie muss an ein Goodpasture-Syndrom gedacht werden. Am schnellsten und sichersten kann die Diagnose durch die

  • Bestimmung zirkulierender Anti-GBM Antikörper und durch
  • eine Nierenbiopsie

diagnostiziert werden. Das histologische Bild eines Nierenpunktats entspricht einer rapid progressiven Glomerulonephritis; in der direkten Immunfluoreszenz mit fluoreszierenden Antikörpern gegen menschliches Immunglobulin findet man eine lineare Fluoreszenz an der glomerulären Basalmembran. In selteneren Fällen dominiert eine rasch fortschreitende Niereninsuffizienz ohne dass bis dahin Bluthusten aufgetreten ist. Unter den Laborwerten steigen die Nierenwerte rasch und stark an.

Die Antikörperablagerung an den Basalmembranen unterscheidet die Anti-GBM-Erkrankung von anderen Arten von Glomerulonephritiden. 8

In seltenen Fällen wird eine seronegative Erkrankung beschrieben, bei der die Diagnose durch Immunfluoreszenzfärbung einer Lungenbiopsie gestellt wurde, welche eine organisierende Pneumonie zeigte. 9

Verlauf

Die Schwere der Symptome hängt von der Menge der gebildeten Antikörper ab. Kommt es erst einmal zu Bluthusten, ist schon ein spätes Stadium erreicht, das einer sofortigen Diagnose und Therapie bedarf. Bei stürmischem (foudroiantem) Verlauf mit hoher Antikörperbildung treten eine Ateminsuffizienz und eine Niereninsuffizienz innerhalb kurzer Zeit auf. Der Blutverlust führt zu einer schweren Anämie und die zunehmende Nierenbeteiligung zu Hypertonie und Niereninsuffizienz.

Früher war die Erkrankung in der Regel letal. Unter heutiger Therapie besteht eine hohe Chance einer Beherrschung der Lungenkrankheit, während sich die Nieren nicht erholen. Bei einer schweren Niereninsuffizienz verbessern eine Nierenersatztherapie oder eine Nierentransplantation die Prognose.

Therapie

Glukokortikoide und Immunsuppressiva: Die Grundlage der Behandlung des Goodpasture-Syndroms besteht in Immunsuppressiva (wie Cyclophosphamid) und Glukokortikoiden und einem Plasmaaustausch, um die zirkulierenden Antikörper zu entfernen. Das Überleben nach 1 Jahr beträgt in einer britischen Retrospektive 100 % und das Überleben der Nieren 95 %. 10

Eine Studie fand: Durch die ersten 9 Behandlungen (durchschnittlich 23) mittels Immunoadsorption wurden die Anti-GBM-Antikörper bei allen Patienten auf negative Werte reduziert. Das Überleben der Nieren betrug 63 % nach einem Jahr 11.

Eine Alveolarblutung spricht normalerweise auf eine Behandlung mit Plasmapherese, Cyclophosphamid und Steroide an. Die Nierenfunktion kann nach einem Jahr bei mehr als 80 % der Patienten aufrechterhalten werden. Wenn gleichzeitig ein ANCA (antineutrophiler Zytoplasma-Antikörper, in 30 – 40 % vorhanden) nachweisbar sind, wäre die Aufrechterhaltung der Immunsuppression empfehlenswert. 12

Rituximab: Eine wirkungsvolle Ergänzung der Behandlung besteht nach neueren Erkenntnissen in Antikörpern, die in das immunologische Geschehen eingreifen. Der Antikörper Rituximab (MabThera®) gegen ein Oberflächenantigen der B-Lymphozyten und Prä-B-Lymphozyten führt zu einer Verbesserung der Prognose. 13 14  15

Bei der klassischen Anti-GBM-Erkrankung sind (im Gegensatz zur ANCA-assoziierten Vaskulitis) Rückfälle selten. Daher ist eine langfristige immunsuppressive Erhaltungstherapie meist nicht erforderlich. Wenn jedoch beide, Anti-GBM und ANCA, positiv sind, ist ein erhöhtes Rückfallrisiko zu gewärtigen, und daher wird eine immunsuppressive Erhaltungstherapie angeraten. 16 17


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Ergänzende Informationen

Weiteres

Literatur: 18 19 20


Letzte Aktualisierung von Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt):
  1. Br Med J. 1986;292:301-4[↩]
  2. Am J Kidney Dis. 2011 Apr;57(4):575-82[↩]
  3. Kidney Int Rep. 2023 Mar 21;8(6):1151-1161. doi: 10.1016/j.ekir.2023.03.010[↩]
  4. IJKD 2012;6:1-8[↩]
  5. Ren Fail. 2012;34(9):1177-80[↩]
  6. Case Rep Nephrol Dial. 2021 Sep 21;11(3):292-300. doi: 10.1159/000518984[↩]
  7. Isr Med Assoc J. 2014;16:727–732[↩]
  8. Pediatr Nephrol. 2022 Aug;37(8):1713-1719. doi: 10.1007/s00467-021-05333-z.[↩]
  9. BMJ Case Rep. 2021 Feb 9;14(2):e239390. DOI: 10.1136/bcr-2020-239390.[↩]
  10. Ann Intern Med. 2001;134:1033-42[↩]
  11. PLoS One. 2014 Jul 31;9(7):e103568. doi: 10.1371/journal.pone.0103568[↩]
  12. Semin Respir Crit Care Med. 2018 Aug;39(4):494-503. doi: 10.1055/s-0038-1669413. [↩]
  13. Semin Arthritis Rheum. 2013 Jun;42(6):567-72. doi: 10.1016/j.semarthrit.2012.10.007.[↩]
  14. Kidney Int Rep. 2018 Dec 17;4(4):614-618. doi: 10.1016/j.ekir.2018.12.002.[↩]
  15. Ren Fail. 2022 Dec;44(1):1123-1129. DOI: 10.1080/0886022X.2022.2097405[↩]
  16. Nephrol Dial Transplant. 2025 Dec 23;41(1):42-54. doi: 10.1093/ndt/gfaf190[↩]
  17. Clin Nephrol. 2025 Aug;104(2):126-133. doi: 10.5414/CN111629. PMID: 40302513.[↩]
  18. Semin Respir Crit Care Med. 2018 Aug;39(4):494-503. doi: 10.1055/s-0038-1669413[↩]
  19. Clin Exp Rheumatol. 2023 Apr;41(4):964-974. doi: 10.55563/clinexprheumatol/tep3k5.[↩]
  20. Adv Kidney Dis Health. 2024 May;31(3):206-215. doi: 10.1053/j.akdh.2024.04.007[↩]
Medizinisch geprüft von

Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt)

Letzte medizinische Prüfung: 11.09.2026

Von Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt)

Studium in Freiburg und Wien, biochemische Forschung in Bochum über Glykoproteine. Klinische Ausbildung und Forschung über Gallensäuretransport und Cholestase an der Universitätsklinik Freiburg. Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, Habilitation. Chefarzt in Berlin und Frankfurt (Oder).