Eosinophile Granulozyten

Blutzellen Schema
Differenzialblutbild (Schema)

Allgemeines

Eosinophile Granulozyten (kurz: Eos oder Eosinophile) sind weiße Blutkörperchen (Leukozyten), die sich im Blutausstrich oder im histologischen Schnitt in der HE-Färbung (Färbung mit Hämatoxilin-Eosin) rot anfärben und eine Rolle in der Entstehung allergischer Reaktionen spielen.

Die eosinophilen Granulozyten des peripheren Bluts stammen aus dem Knochenmark. Ihre Halblebensszeit im Blut beträgt 8 bis 18 Stunden. Sie halten sich die meiste Zeit  in Geweben auf, wo sie einige Wochen überleben können.

Referenzwerte

Relative Angabe: Angabe relativ zur Gesamtzahl der kernhaltigen Zellen im Blutausstrich; normal sind 3 +/- 2 % .

Angabe als absolute Zahl: normal sind bis 350/Mikroliter. Ab 500/µl werden die Werte als eindeutig erhöht im Sinne einer Eosinophilie angesehen.

Erhöhte Werte: Eosinophilie

Eosinophilie-Ausprägung:

  • mild (500 bis 1500 /mm3),
  • mäßig (1500 bis 5000/mm3) und
  • hochgradig (> 5000 /mm3). 1

Ursachen: Eine Eosinophilie ist vor allem bei folgenden Bedingungen 2 zu finden: Wurminfektionen, allergische Erkrankungen inkl. Asthma, hypereosinophiles Syndrom und eine Reihe eosinophiler Entzündungen von Geweben und Organen.
→ Dazu siehe hier.

Erniedrigte Werte

Relativ niedrige Werte für eosinophile Granulozyten sind häufig Folge

der Therapie einer Erkrankung mit Kortikosteroiden, seltener mit Beta-Blockern,
einer akuten bakteriellen oder viralen Infektion; in der Gesundungsphase einer solchen Infektion kann umgekehrt eine leichte Erhöhung der Eosinophilenzahl auftreten (s. o.).

Physiologie

Eosinophile enthalten Granula, die sich mit dem Farbstoff Eosin rötlich anfärben. Diese Granula enthalten das Charcot-Leyden-Kristallprotein (CLC, galectin-10), welches bei allergischer Lungenaffektion im Sputum nachweisbar ist. Die Granulaproteine bestehen aus weiteren Proteinen, dem „major basic protein“, der eosinophilen Peroxidase (EPO), einem „eosinophil-derived neurotoxin“ (EDN) und einem eosinophilen kationischen Protein (ECP) sowie einigen Zytokinen, wie IL-4, IL-2, GM-CSF, IL-5, IL-13, RANTES, Eotaxin und weiteren. Bei Aktivierung der Zellen werden diese Inhaltsstoffe freigesetzt. 3

Funktion der eosinophilen Granulozyten

Eosinophile stammen aus dem Knochenmark. Ihre Bildung wird durch  T-Helferzellen und Mastzellen über ihren Mediatorstoff Interleukin-5 (IL-5) angeregt. IL-5 wirkt als Eosinophilen-Kolonie-stimulierender Faktor. 4 Bei Typ-2-Entzündungskrankheiten ist die Bildung der Eosinophilen und damit ihre Zahl im peripheren Blut erhöht. Aus dem Blut können sie in verschiedene Gewebe und Organe wandern, wo sie ihre verschiedenen Funktionen durch die Synthese und Freisetzung einer Vielzahl von Granulatproteinen (s. o.) ausüben.

Eosinophile Granulozyten, die in ihre Zielgewebe eingewandert sind, deaktivieren dort die von Mastzellen freigesetzten Mediatoren, wie Histamin und Leukotriene, und beeinflussen so allergische Reaktionen. Sie wirken damit der spastischen Bronchuskonstriktion beim Asthma und einer Vasokonstriktion (Blutgefäßverengung) entgegen. Ein Neurotoxin der Eosinophilen schädigt Nervenzellen.

Eosinophile spielen eine Rolle bei der Abwehr verschiedener Krankheitserreger. Sie weisen immunmodulatorische Aktivitäten auf. Als Hauptaufgabe der Eosinophilen wird die Abwehr von in den Körper eindringenden Parasiten angesehen. 5 Ihre Blutwerte sind jedoch auch bei vielen allergischen und inneren Krankheiten erhöht, so bei Allergien, Bindegewebskrankheiten, Malignomen und Infektionskrankheiten. 2

Il-5-Antikörper hemmen die Bildung von Eos

Mepolizumab ist ein monoklonaler Antikörper, der an Interleukin-5 bindet und dieses inaktiviert. Es kann eine Option zur Behandlung von Erkrankungen sein, die durch Eosinophile unterhalten werden, wie beispielsweise einer eosinophilen COPD 6, von eosinophilem Asthma 7 oder der eosinophilen Granulomatose mit Polyangiitis 8.


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Fachinfos

Weiteres

  1. Med Clin North Am. 2020 Jan;104(1):1-14. DOI: 10.1016/j.mcna.2019.08.005.[]
  2. Prim Care. 2016 Dec;43(4):607-617. DOI: 10.1016/j.pop.2016.07.010.[][]
  3. Front Immunol. 2014 Nov 10;5:570. DOI: 10.3389/fimmu.2014.00570. PMID: 25426119; PMCID: PMC4225839.[]
  4. J Exp Med 1986; 163(5):1085-1099[]
  5. Med Clin North Am. 2020 Jan;104(1):1-14. doi: 10.1016/j.mcna.2019.08.005. PMID: 31757229; PMCID: PMC7089574.[]
  6. Int J Chron Obstruct Pulmon Dis. 2021 Jun 16;16:1755-1770. doi: 10.2147/COPD.S294333[]
  7. N Engl J Med. 2014 Sep 25;371(13):1198-207. doi: 10.1056/NEJMoa1403290. Epub 2014 Sep 8. Erratum in: N Engl J Med. 2015 Apr 30;372(18):1777. doi: 10.1056/NEJMx150017[]
  8. N Engl J Med. 2017 May 18;376(20):1921-1932. doi: 10.1056/NEJMoa1702079[]