Polyglobulie bedeutet Erhöhung der Zahl der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) im Blut. Wenn sie zusammen mit einer Erhöhung der Zahl der Leukozyten und Thrombozyten einhergeht, wird dies als Polyzythämie bezeichnet. Diese ist bezüglich einer Polycythaemia vera abzuklären, einer krankhaften Überaktivität des Knochenmarks.
Ursachen
Eine Erhöhung der Erythrozytenbildung (Blutbildung) im Knochenmark, die über das Maß des natürlichen Erythrozytenabbaus im peripheren Blut hinausgeht, kommt bei folgenden Bedingungen vor:
Adaptive Polyglobulie
Eine wesentliche Stimulation der Erythrozytenbildung erfolgt adaptiv über das in den Nieren gebildete Erythropoetin (EPO), wenn im Körpergewebe Sauerstoffbedarf vorliegt. Dies ist in sauerstoffarmer Luft der Fall (daher „Höhentraining“ für Ausdauersportler), aber auch bei Krankheiten:
– Störungen der Sauerstoffaufnahme in den Lungen (wie bei einem Lungenemphysem) oder
– Lungenstauung durch Herzinsuffizienz.
Nicht adaptive Polyglobulie
Sie entsteht bei pathologischer Erythropoetin-Produktion im Rahmen eines Nierenzellkarzinoms als Paraneoplasie oder durch EPO-Doping.
Eisenüberladung
Eine Eisenüberladung des Körpers im Rahmen einer Hämochromatose kann mit einer Polyglobulie einhergehen.
Hämangioblastom
Dieser gefäßbildende Tumor des Gehirns geht über von ihm gebildete hämatopoetische Faktoren oft mit einer Polyglobulie einher. 1.
Differenzialdiagnosen
Gegenüber einer Polyglobulie führt eine Exsikkose (Wassermangel) zu einer relativen Eindickung des Bluts mit Erhöhung der Erythrozytenzahl pro Volumen. Dies kann eine echte Polyglobulie vortäuschen, verschwindet aber nach Auffüllen des Volumendefizits.
Bei einer krankhaft vermehrten Blutbildung mit Vermehrung aller drei Zellreihen (Erythrozyten, Leukozyten, Thrombozyten) liegt eine Polyzythämie vor. Die Polycythaemia vera ist eine „myeloproliferative Erkrankung“, die (selten) in eine Leukämie übergehen kann. 2
→ Das Blut
→ Erythropoetin
→ Polycythaemia vera
Folgen
Eine Polyglobulie geht mit einer Verschlechterung der Fließeigenschaften des Bluts einher. Es besteht ein erhöhtes Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln (Thromboseneigung), Schlaganfall, Herzinfarkt und Lungenembolie.
Behandlung
Der Nachweis einer Polyglobulie sollte eine ursächliche Abklärung veranlassen. Die Behandlung erfolgt je nach Ursache.
Da die Polyglobulie mit einem erhöhten Risiko für Thrombosen und Lungenembolien verbunden ist, muss für eine Normalisierung des Hämatokrits gesorgt werden. Speziell bei der nicht durch eine Exsikkose bedingten Form muss eine Prophylaxe durch Antikoagulation und Aderlässe erwogen werden. Eine Aderlass-Therapie kann bei einem Hämatokrit von über 50 infrage kommen.
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Verweise
Weiteres