Phlegmone

Fieber Protein Entzündung
Protein

Die Phlegmone ist eine akute, zur Eiterbildung neigende Entzündung der Haut und Unterhaut oder innerer Schleimhäute, die durch eine bakterielle Infektion bedingt ist.

Klinisches Bild

Phlegmönöse Entzündung an den Beinen

Meist entwickelt sich eine Phlegmone an den Beinen. Sie beginnt als schmerzhafte ödematöse Schwellung, Rötung und Überwärmung. Als Eintrittspforte lässt sich in der Regel eine Schrunde oder kleine Verletzung ausmachen, wobei eine Durchblutungsstörung, z. B. bei einer paVk, einer diabetischen Angiopathie oder einem Krampfaderleiden mit chronisch venöser Insuffizienz sowie auch eine Pilzinfektion zwischen den Zehen förderlich ist. Bei einer ausgeprägten bakteriellen Invasion kommt es zu Fieber und Schüttelfrost.

Phlegmonen an anderen Stellen der Haut

Eine Phlegmone kann durch ihre Lokalisation zu einem hohen Risiko von Komplikationen führen. Beispiel die Lokalisation am Hals: wegen der Nähe zu großen Blutgefäßen und zum Mediastimum (Mittelfellraum des Brustkorbs) besteht ein hohes Risiko einer Thrombophlebitis der inneren Jugularvene mit Gefahr einer Sepsis, einer Entzündung von Atemwegen und Speiseröhre (Trachea und Ösophagus) sowie einer sekundären Entzündung des Mittelfells im Brustraum (Mediastinitis mit einer Mortalität von 80 %) in sich. Die Therapie bedarf meist eines chirurgischen EIngriffs zur Drainage des Eiters 1

Phlegmönöse Entzündung innerer Schleimhäute

Eine eitrige Entzündung kann sich an jeder Stelle der Haut und auch an inneren Schleimhäuten bilden. Sie kann sich auch im Magen 2 oder im Ösophagus 3 entwickeln. Alle Wandanteile sind betroffen. Usachen können Entzündungen im Rahmen einer Radiochemotherapie oder einer schweren Durchblutungsstörung sein. Die Entwicklung eines septischen Schocks ist hochgefährlich; die Mortalität extrem hoch.

Phlegmonöse Appendizitis

Eine phlegmonöse Appendizitis erfordert i. d. R. eine operative Therapie. In einigen Fällen kann die Operation nicht umgehend, sondern mehrere Wochen später sinnvoll sein. Eine Cochrane-Auswertung weist zudem darauf hin, dass eine frühe Appendektomie statistisch nicht unbedingt vorteilhafter ist als eine verzögerte, bei der anfangs eine antibiotische Behandlung erfolgt 4. Eine verzögerte Operation bedeutet einer Fallzusammenstellung zufolge eine deutlich geringere Rate an größeren Operationen (Ileozekektomie, rechten Hemikolektomie) sowie weniger Komplikationen, jedoch in einigen Fällen einen längeren Krankenhausaufenthalt. 5

Darmphlegmone bei Morbus Crohn

Eine von einer penetrierenden Crohn-Entzündung ausgehende abdominelle Phlegmone wurde lange Zeit wegen des vermeintlichen Risikos einer bakteriellen Sepsis nicht mit Anti-TNF-Antikörpern behandelt. Es wurde jedoch nachgewiesen, dass die Gefahr einer Peritonealinfektion und eine chirurgische Therapie in der Regel vermieden werden kann, wenn eine gleichzeitige suffiziente Behandlung mit Antibiotika erfolgt. Auf diese Weise kann eine operative Behandlung oft soweit verschoben werden, bis eine akute Risikosituation überwunden ist. 6 7

Erreger

Als Erreger finden sich häufig Staphylokokken (S. aureus). Aber auch andere Erreger kommen vor. Streptokokken verursachen im Gegensatz zu Staphylokokken eine flächige Ausbreitung in der Haut, z. B. im Sinne eines Erysipels.

Komplikationen

Eine Ausbreitung der bakteriellen Infektion führt zu einer Lymphangitis, schmerzhaften Lymphknotenvergrößerungen im Abflussgebiet und der Gefahr einer Sepsis.

Therapie

Die Behandlung erfolgt durch gegen Staphylokokken wirksame Antibiotika (z. B. Oxacillin). Die Eintrittspforte, sofern erkennbar, sollte behandelt werden. Entsorgung unsauberer Kleidung.


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Ergänzende Informationen

Weiteres


Letzte Aktualisierung von Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt):
Medizinisch geprüft von

Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt)

Letzte medizinische Prüfung:

  1. Chirurgia (Bucur). 2014 May-Jun;109(3):355-8.[]
  2. SAGE Open Med Case Rep. 2015 Dec 15;3:2050313X15596651. doi: 10.1177/2050313X15596651.[]
  3. Surg Today. 2014 Jun;44(6):1147-51. doi: 10.1007/s00595-013-0536-2.[]
  4. Cochrane Database Syst Rev. 2024 May 2;5(5):CD011670. doi: 10.1002/14651858[]
  5. Cureus. 2025 Oct 18;17(10):e94868. doi: 10.7759/cureus.94868[]
  6. Inflamm Bowel Dis. 2012 Apr;18(4):691-6. doi: 10.1002/ibd.21783[]
  7. Clin Gastroenterol Hepatol. 2011 Oct;9(10):842-50. doi: 10.1016/j.cgh.2011.04.023[]

Von Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt)

Studium in Freiburg und Wien, biochemische Forschung in Bochum über Glykoproteine. Klinische Ausbildung und Forschung über Gallensäuretransport und Cholestase an der Universitätsklinik Freiburg. Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, Habilitation. Chefarzt in Berlin und Frankfurt (Oder).