Kachexie

Unterernährung Marasmus Afrika
Kachexie durch Hunger (Foto privat)

Allgemeines

Kachexie (engl.: cachexia) bedeutet hochgradiges Untergewicht. Die Definition lautet: „Kachexie ist ein komplexes metabolisches Syndrom, das mit einer Grunderkrankung einhergeht und durch einen Verlust an Muskelmasse mit oder ohne Verlust an Fettmasse gekennzeichnet ist.“ 1 Es besteht eine negative Stoffwechselbilanz (Katabolismus) durch mehr abbauenden als aufbauenden Stoffwechsel. Die negative Bilanz ist im Urin an den ausgeschiedenen Ketonkörpern (Acetessigsäure, Aceton) leicht zu erkennen. Verbunden ist der Katabolismus mit einer generellen Abwehrschwäche und damit mit einer hohen Infektionsanfälligkeit. In Ländern, in denen Hunger vorherrscht, breitet sich daher beispielsweise leicht die Tuberkulose aus.
→ Gewichtsabnahme
→ Tumorkachexie

Ursachen einer Kachexie

Exemplarische Ursachen einer Kachexie sind:

Tumorkachexie

Die Krebskachexie wurde in einem Delphi-Verfahren als multifaktorielles Syndrom definiert, „das durch einen anhaltenden Verlust an Skelettmuskelmasse (mit oder ohne Verlust an Fettmasse) gekennzeichnet ist, der durch herkömmliche Ernährungsunterstützung nicht vollständig rückgängig gemacht werden kann und zu einer fortschreitenden Funktionsbeeinträchtigung führt“. 4 Ursache sind Mediatorstoffe, die von einem Tumor entlassen werden und tiefgreifende Störungen im Stoffwechsel des Körpers und in Regulationszentren des Gehirns bewirken. 5 6 Sie greifen auch in die Wachheit und das psychische Befinden ein. Eine bedeutende Rolle dabei spielt der Entzündungsvermittler Interleukin-6 (IL-6). Anti-Il-6 bewirkt eine Besserung der Apathie und von depressionsartigem Verhalten im Tierversuch 7.
→ Tumorkachexie

Folgen der Kachexie

Unterernährung Marasmus Afrika
Kachexie durch Hunger (Foto privat)

Ein erheblicher Nahrungsmangel, der zu Untergewicht und Kachexie führt, mündet in einen allmählichen Mangel an lebenswichtigen Bausteinen

  • für den körpereigenen Aufbau von Energiereserven: von Fettgewebe sowie der Glykogenvorräte in Leber und Muskulatur,
  • für Aufbau, Abwehr-, Transport- und Reparaturvorgänge im Körper, vorwiegend durch mangelhaften Eiweißaufbau (beispielsweise von Muskeleiweiß, Stoffwechselenzymen, Immunglobulinen, Albumin, Gerinnungsfaktoren und Apolipoproteinen),
  • für die Funktionsfähigkeit des Gehirns; es kommt zur Kachexie-bedingten Apathie 7.

Damit kommt es zu einem Abfall der körperlichen Leistungsfähigkeit und von körpereigenem Eiweiß und in einer allgemeinen Abwehrschwäche. Die Symptome können bei starkem Eiweißmangel ähnlich denen einer Sprue sein.
Eine Folge des Nahrungsmangels ist eine Abwehrschwäche durch eine unzureichende Immunabwehr. Sowohl die Abwehrzellen als auch die Immunglobuline können nicht mehr ausreichend nachgebildet werden. In Hungergebieten der Erde breiten sich daher auch Infektionskrankheiten, wie die Tuberkulose, leichter aus. Für die Tumorkachexie wurde nachgewiesen, dass sie das Überleben auch unter Therapie verkürzt 8.
Marasmus

Therapie

Die Behandlung einer Kachexie richtet sich nach der Ursache. Siehe jeweils dort.
Eine besondere Rolle in westlichen Ländern spielt die Behandlung der Tumorkachexie, die sich vielfach als therapieresistent herausstellt. 9 Hoffnungen beruhen auf der Erforschung der Kachexie-Mediatoren, sodass Konzepte für einen medikamentösen Eingriff entwickelt werden können. 10
Um mögliche therapeutische Ziele zur Behandlung von Kachexie, insbesondere von Tumorkachexie, identifizieren zu können, werden die außerordentlich komplexen Signalnetzwerke, die das Wachstum, die Atrophie und die Kachexie der Skelettmuskulatur steuern, detailliert erforscht 11.


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Ergänzende Informationen

Weiteres


Letzte Aktualisierung von Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt):
Medizinisch geprüft von

Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt)

Letzte medizinische Prüfung:

  1. Clin Nutr. 2008 Dec;27(6):793-9. doi: 10.1016/j.clnu.2008.06.013[]
  2. Pharmacol Res Perspect. 2025 Feb;13(1):e70031. doi: 10.1002/prp2.70031[]
  3. J Cachexia Sarcopenia Muscle. 2023 Feb;14(1):93-107. doi: 10.1002/jcsm.13109[]
  4. Lancet Oncol. 2011 May;12(5):489-95. doi: 10.1016/S1470-2045(10)70218-7.[]
  5. J Hematol Oncol. 2023 May 22;16(1):54. doi: 10.1186/s13045-023-01454-0[]
  6. EMBO Mol Med. 2026 May;18(5):1508-1529. doi: 10.1038/s44321-026-00416-6[]
  7. Science. 2025 Apr 11;388(6743):eadm8857. doi: 10.1126/science.adm8857[][]
  8. Adv Nutr. 2024 Sep;15(9):100282. doi: 10.1016/j.advnut.2024.100282[]
  9. Crit Rev Oncol Hematol. 2018 Jul;127:91-104. doi: 10.1016/j.critrevonc.2018.05.006.[]
  10. Front Oncol. 2020 Mar 4;10:298. doi: 10.3389/fonc.2020.00298.[]
  11. Skelet Muscle. 2025 Oct 10;15(1):29. doi: 10.1186/s13395-025-00397-z[]

Von Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt)

Studium in Freiburg und Wien, biochemische Forschung in Bochum über Glykoproteine. Klinische Ausbildung und Forschung über Gallensäuretransport und Cholestase an der Universitätsklinik Freiburg. Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, Habilitation. Chefarzt in Berlin und Frankfurt (Oder).