Albumin

Laboruntersuchungen
Laboruntersuchungen

Albumin ist ein körpereigenes Eiweiß, das im Blut in hoher Konzentration vorkommt. Es wird in der Leber gebildet, hat eine Halblebenszeit von 19 Tagen (wie auch IgG) und übt verschiedene lebenswichtige Funktionen aus; vor allem sorgt es für einen ausreichend hohen kolloidosmotischen Druck, der Flüssigkeit im Blutgefäßsystem und damit den Blutdruck ausreichend hoch hält, und es transportiert viele endogene Substanzen, Toxine und Medikamente. Für die lange Halblebenszeit von Albumin ist der FcRn (neonatal crystallizable fragment receptor) verantwortlich, dessen Unterfunktion zu einer Hypalbuminämie führt. 1
→ Elektrophorese

Normbereich

  • Albumin macht etwa 60 % des Gesamtproteins im Plasma aus (Relation des Albuminpeaks in der Elektrophorese zum Gesamtprotein).
  • Der Normbereich liegt zwischen 35 und 55 mg/ml. 2

Eiweißelektrophorese

Indikationen zur Albuminbestimmung

Albumin wird im Rahmen einer Eiweißelektrophorese routinemäßig bestimmt. Weitere Indikationen sind Ödeme, Krankheiten mit mangelhafter Resorption von Nahrungsbestandteilen (z. B. Coeliakie, Kurzdarmsyndrom), Eiweißverlust über die Nieren (z. B. Nephritis, Niereninsuffizienz), Leberkrankheit mit abnehmender Syntheseleistung (z. B. Hepatitis, Leberzirrhose).

Aufgaben von Albumin

  • Aufrechterhaltung des onkotischen (kolloidosmotischen) Drucks im Blut. Diese Eigenschaft bewirkt, dass die Blutflüssigkeit das Blutgefäßsystem nicht verlässt.
  • Transport schwer löslicher Moleküle wie Bilirubin, Steroidhormone, Fettsäuren, Gallensäuren und viele Medikamente
  • gefäßschützende, antientzündliche und antioxidative Wirkungen.

Albuminmangel

Eine untere kritische Grenze für Bildung von Exsudationen (Aszites, Pleuraerguss, Ödeme) liegt bei einer Albuminkonzentration von 2,5 g/dl. Ein Albuminmangel im Plasma hat schwerwiegende Auswirkungen. Er kommt bei schweren Leberkrankheiten vor und macht sich beispielsweise in der Neigung zu Beinödemen und einer veränderten Empfindlichkeit gegenüber Medikamenten bemerkbar.

Als Ursachen kommen eine verminderte Bildung in der Leber und ein vermehrter Verlust über die Nieren, den Darm oder eine große Wundfläche infrage. Selten ist ein genetischer Defekt von FcRn (s. u.) dafür verantwortlich.

Verminderte Albuminsynthese
Die Synthese von Albumin in der Leber kann aus folgenden Ursachen vermindert sein:

  • Dekompensierten Leberzirrhose: sie ist in westlichen Ländern die häufigste Ursache eines Albuminmangels.
  • Akute Leberdystrophie: auch sie kommt durch eine Störung der Albuminsynthese zustande, jedoch im Rahmen einem Ausfall der Leberleistung aus akut entzündlichem oder toxischem Grund.
  • Allgemeine Mangelernährung: diese Ursache ist in Hungergebieten der Welt die Hauptursache eines Albuminmangels (siehe unter Kwashiorkor).
  • Krankheiten des Verdauungstrakts: eine erhebliche Verdauungsstörung oder Resorptionsstörung im Darm kann zu einem Albuminmangel führen. Beispiele sind die Coeliakie (Sprue), das Kurzdarmsyndrom und der Morbus Whipple.

Albuminverlust
Ein Albuminverlust kann zustande kommen durch

  • die Nieren: Albumin kann bei Undichtigkeit der Nierenkörperchen mit dem Urin ausgeschieden werden. Es bildet sich ein nephrotisches Syndrom.
  • den Darm: bei Undichtigkeit der Darmschleimhaut kommt es zu einer Albuminexsudation in den Darm. (exsudative Enteropathie)
  • große Wundflächen: Albumin wird mit der Wundflüssigkeit ausgeschieden. So kann ein Albuminmangel bei großflächigen Verbrennungen eine ernste Komplikation bedeuten.

Genetischer FcRn-Defekt

Der neonatale Kristallisierbarkeitsfragment-Rezeptor (FcRn) schützt Albumin und IgG vor frühem Abbau und ermöglicht ihre lange Lebensdauer im Blut. Eine genetische Fehlfunktion der FcRn führt zu Hypoalbuminämie, Albuminverlust in die Galle und erhöhte Albuminwerte in den Hepatozyten. 3

Bedeutung eines Albuminmangels

Wenn bei Albuminmangel die Fähigkeit des Bluts sinkt, Flüssigkeit im Blutgefäßsystem zurückzuhalten (wenn also der onkotische Druck im Blutgefäßsystem stark abnimmt), kommt es zur Flüssigkeitsausschwitzung (Exsudation) in das Gewebe, und es bilden sich Ödeme.  In Körperhöhlen sammelt sich ebenfalls leicht Flüssigkeit an. Beispiele sind Aszites und Pleuraergüsse.
Ein Albuminmangel hat Auswirkungen auf den Transport von schwer in Wasser löslichen Substanzen, Hormonen und Medikamenten. Die Wirksamkeit von Medikamenten kann sich – oft unvorhersehbar – ändern.
Hypalbuminämie


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Ergänzende Informationen

Dieser Beitrag ist Teil unseres Themenbereichs Leberzirrhose.

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Letzte Aktualisierung von Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt):
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Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt)

Letzte medizinische Prüfung:

  1. Proc Natl Acad Sci U S A. 2017 Apr 4;114(14):E2862-E2871. DOI: 10.1073/pnas.1618291114.[]
  2. Anal Chem. 2004 Feb 15;76(4):1134-44. doi: 10.1021/ac034869m[]
  3. Proc Natl Acad Sci U S A. 2017 Apr 4;114(14):E2862-E2871. doi: 10.1073/pnas.1618291114[]

Von Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt)

Studium in Freiburg und Wien, biochemische Forschung in Bochum über Glykoproteine. Klinische Ausbildung und Forschung über Gallensäuretransport und Cholestase an der Universitätsklinik Freiburg. Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, Habilitation. Chefarzt in Berlin und Frankfurt (Oder).