Ileitis terminalis

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Das Wichtigste verständlich

Die Ileitis terminalis ist eine Entzündung des untersten Teils des Dünndarms und gehört zu den chronisch entzündlichen Darmkrankheiten. Der Begriff wird meistens synonym mit Morbus Crohn benutzt. Die Erkrankung betrifft häufig junge Menschen und macht sich oft durch Bauchschmerzen bemerkbar.

Ursache: Der Morbus Crohn ist eine Autoimmunkrankheit, bei der eine Fehlregulation des darmeigenen Immunsystems (speziell der T-Helfer-Zellen, einer speziellen Art der Lymphozyten) vorliegt. Eine abnorme Immunreaktion der Schleimhaut auf Darmkeime (Mikrobiota) spielt nach neuen Erkenntnissen eine ausschlaggebende Rolle. Es wird regelmäßig eine „Dysbiose“ (abnormale Veränderung der Zusammensetzung der Darmkeim-Spezies) gefunden. Typisch ist eine Abnahme von Bacteroides- und Firmicutes-Stämmen und eine Zunahme von Gammaproteobakterien und Actinobacterien. 1

Beschwerden: Eine terminale Ileitis macht sich durch Bauchschmerzen und Durchfälle bemerkbar. Bauchkrämpfe können auf einen beginnenden Darmverschluss (Ileus) hinweisen. Oft finden sich begleitende Erkrankungen, die weitere Beschwerden zum klinischen Bild beisteuern (s. u.).

Die Behandlung richtet sich auf eine Unterdrückung der überschießenden Entzündungsreaktion. Im Fall eines Darmverschlusses ist eine Operation angezeigt. Fistelbildungen bedürfen einer intensiven medikamentösen und ggf. auch operativen Behandlung.

Begleitende Erkrankungen: Oft sind mit einer Ileitis terminalis Erkrankungen verbunden, die ebenfalls auf einer Fehlregulation des Immunsystems beruhen, so Autoimmunkrankheiten der Wirbelsäule (Morbus Bechterew), von Gelenken (rheumatoide Arthritis), der Haut (Pyoderma gangraenosum), der Schilddrüse (Autoimmunthyreoiditis), der Leber (AIH) und der Augen (Uveitis). 2 Dazu siehe hier.

Morbus Crohn – verständlich erklärt

Symptomatik

Die Beschwerden sind geprägt durch

  • Durchfälle,
  • rechtsseitige Unterbauchschmerzen und
  • manchmal auch durch Symptome eines Vitamin-B12-Mangels.

Darmkoliken: Die Bauchschmerzen sind oft krampfartig, besonders, wenn durch die Schwellung der Darmwand das Lumen eines Darmabschnitts eingeengt ist und es zu einer Verengung (Stenose) kommt, gegen die der Darm mit seiner Peristaltik (Vorwärtsbewegungen) anarbeiten muss. Anfangs treten die Bauchschmerzen im Abstand von einigen Minuten nach Mahlzeiten auf, wobei breiige Kost weniger Beschwerden als feste Kost verursacht.

→ Zu Bauchschmerzen siehe hier.

Differenzialdiagnosen

Folgende Erkrankungen kommen bei Beschwerden im rechten Unterbauch in Betracht:

  • Yersiniose: Treten rechtsseitige Unterbauchbeschwerden relativ akut auf, und sind zudem noch Allgemeinsymptome (Fieber, Abgeschlagenheit) vergesellschaftet, kommt differenzialdiagnostisch eine infektiöse Genese, z. B. durch Yersinien (Yersiniose) oder Campylobycter jejuni/coli in Betracht.
  • Appendizitis: Gelegentlich kann die Symptomatik auch auf eine Appendizitis hindeuten (siehe unter Pseudoappendizitis). Manche Appendektomie („Blinddarmoperation“) fußt auf solch einer Fehldiagnose.
  • Divertikulitis: Ebenso kann eine rechtsseitige Divertikulitis zu Beschwerden führen, die einer terminalen Ileitis ähnlich sind. Eine Divertikulitis im rechten Dickdarmabschnitt ist in Ostasien häufiger anzutreffen als in westlichen Ländern.
  • Adnexitis: Bei Frauen kommt eine rechtsseitige Adnexitis als Differenzialdiagnose hinzu.

Die verschiedenen Diagnosen lassen sich durch eine ausführliche Anamnese (zeitlicher Zusammenhang mit Nahrungsaufnahme, weitere entzündliche Symptome), körperliche Untersuchung (z. B. Loslassschmerz bei Appendizitis) und eine Ultraschalluntersuchung des Bauchs (Sonographie), sowie durch eine bakteriologische Untersuchung einer Stuhlprobe (infektiöse Ursache, z. B. Yersiniose) rasch klären oder wichtige Differenzialdiagnosen ausschließen.

Diagnostik

Die Diagnostik stützt sich auf verschiedene technische Untersuchungsmethoden:

  • Stuhlbakteriologie: Sie dient der Erkennung pathogener Darmkeime (z. B. Yersinien), Alternativ Testung des Serums auf Antikörper gegen das YOP-Antigen (Yersinia outer protein antigen). 3
  • Darmsonographie: Sie lässt eine Darmwandverdickung , ihre Lokalisation und Ausdehnung erkennen und kann auch Hinweise auf eine vom befallenen Darmabschnitt ausgehende Fistelbildung bieten. Konglomerate von zusammengebackenen Darmschlingen und die Beweglichkeit der Darmschlingen sind erkennbar.
  • Ileokoloskopie: Sie dient der endoskopischen und histologischen Sicherung.
  • Kapselendoskopie: Sie ist eine patientenfreundliche Methode zur Beurteilung des gesamten Dünndarms, die Anwendung findet, insbesondere wenn endoskopisch eine Ileitis terminalis im Sinne eines Morbus Crohn nachgewiesen wurde und es anschließend nachzuweisen gilt, ob weitere Entzündungsherde im Dünndarm bestehen. 4
  • Sellink-Untersuchung des Dünndarms: Sie ist eine radiologische Methode und stellt das Lumen des Dünndarms und eventuelle Fistelbildungen dar. Mit ihr lässt sich auch die Beweglichkeit der Darmschlingen erkennen. Im Bereich einer Wandverdickung durch eine Entzündung kann sie eingeschränkt oder aufgehoben sein.
  • MR-Sellink: Diese technisch aufwändige Untersuchung ergibt sehr genaue Hinweise auf Darmwanddicke, Ausdehnung, Lokalisation und anatomische Beziehungen. Sie lässt die Beweglichkeit der Darmschlingen jedoch nicht beurteilen. Eine „prästenotische Dilatation“ als Zeichen einer funktionell bedeutsamen Stauung des Darminhalts vor einer Verengung jedoch ist gut erkennbar.
  • Radiologische Darstellung von Fistelgängen bzgl. Tiefe, Verzweigungen (Fuchsbau), Mündung in weitere Darmschlingen: Die Informationen werden ggf. benötigt, um die Indikation zu einer Operation zu stellen. Ein Fistelgang lässt sich am besten darstellen, wenn er sich zur Bauchhaut öffnet und die Fistelöffnung mit einer Sonde intubierbar ist (Fistulographie). Innerliche Filstelgänge, beispielsweise eine ileosigmoidale Fistel, lassen sich am besten durch Computertomographie und Magnetresonanz-Enterographie darstellen 5.

Therapie

Zur Therapie des Morbus Crohn siehe hier.
Zur Behandlung der Yersiniose siehe hier.


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Verweise

Referenzen

  1. Vaccines (Basel). 2022 Feb 5;10(2):244. DOI: 10.3390/vaccines10020244.[]
  2. Malik TF, Aurelio DM. Extraintestinal Manifestations of Inflammatory Bowel Disease. 2021 Jul 29. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2022 Jan–. PMID: 33760556. Bookshelf ID: NBK568797 []
  3. Biomed Res Int. 2020 May 23;2020:1240626. DOI: 10.1155/2020/1240626.[]
  4. Eur J Gastroenterol Hepatol. 2021 May 1;33(5):631-638. DOI: 10.1097/MEG.0000000000001937.[]
  5. J Crohns Colitis. 2015 Apr;9(4):339-41. doi: 10.1093/ecco-jcc/jjv028.[]