Das Wichtigste
KernpunkteEin Gallenblasenhydrops bezeichnet eine stark gefüllte, prall gespannte Gallenblase, die sich oft als Vorwölbung im rechten Oberbauch zeigt. Er entsteht, wenn die Galle nicht mehr richtig abfließen kann – meist durch eine Verengung oder einen Verschluss des Gallengangs. Durch den Hydrops kann die Gallenblase so vergrößert sein, dass sie die Bauchdecke vorwölbt (Courvoisier’sches Zeichen). In Kombination mit schmerzloser Gelbsucht gilt eine stark vergrößerte Gallenblase als wichtiges Warnzeichen für ein mögliches Pankreaskarzinom. Die Diagnose erfolgt schnell per Ultraschall, weitere Verfahren wie CT oder MRCP klären die genaue Ursache. Je nach Befund reicht die Behandlung von operativen Maßnahmen bis hin zu endoskopischen Stents, die den Galleabfluss wiederherstellen. |
Gallenblasenhydrops bedeutet prall gefüllte Gallenblase. Er kann zu einer palpablen oder sichtbaren Vorwölbung der Bauchdecke führen. Sie ist ein klinisches Zeichen (Courvoisier’sches Zeichen) und weist auf die Möglichkeit eines Galleabflusshindernisses hin. Zusammen mit einer schmerzlosen Gelbsucht (Ikterus) ist eine palpable Gallenblase ein klinisches Tumorzeichen.
Ursache
Eine ungewöhnlich stark gefüllte Gallenblase im Ultraschallbild deutet auf eine Entleerungsstörung der Galle hin. Ursachen können eine Enge oder ein Verschluss des ableitenden Gallengangs (Ductus choledochus) oder der Einmündung des Gallengangs in den Zwölffingerdarm (Papilla Vateri) sein. Die Gallenwege bis zu Gallenblase (intrahepatische Gallenwege, Ductus hepaticus und Ductus cysticus) sind dagegen soweit offen, dass sich die Gallenblase mit der von der Leber nachproduzierten Galle füllen kann.
→ Abdomensonographie
→ Gallenwege
Klinisches Zeichen

Eine schmerzlose pralle Vorwölbung im Oberbauch unter dem rechten Rippenbogen weist auf einen Gallenblasenhydrops hin. Er wird als Courvoisier´sches Zeichen bezeichnet und als starker Hinweis auf ein Pankreaskarzinom gewertet. Seltener sind ein Papillenkarzinom oder distales Gallengangskarzinom die Ursache. Oft ist schon früh eine begleitende Gelbsucht erkennbar, die im Zusammenhang mit der prallen Gallenblase den Hinweis auf einen Gallengangsverschluss verstärkt. Ein Gallenblasenhydrops ist meistens verursacht durch einen Tumor, deutlich seltener durch einen Gallenstein (so die ursprüngliche Beobachtung durch Courvoisier 1890). 1
Diagnostik
Die Identifizierung der Vorwölbung als Gallenblasenhydrops erfolgt rasch durch eine Ultraschalluntersuchung. Sie ergibt meist auch gleich einen Hinweis auf dessen Ursache. Bei Schmerzlosigkeit wird nach einem Tumor im Kopf der Bauchspeicheldrüse oder an der Mündungsstelle des Gallengangs in den Zwölffingerdarm gesucht.

Nachfolgend klären eine Computertomographie und eine MRCP die genauen anatomischen Verhältnisse, was für das therapeutische Vorgehen von Bedeutung ist.
Ein „double duct sign“ (Einengung sowohl des Gallengangs wie des Bauchspeicheldrüsenausführgangs kurz vor ihrer Mündung) bei einer MRCP (oder ERCP) kann auf ein ampulläres Karzinom vor der Papille oder ein papillennahes Pankreaskarzinom hinweisen. 2 Einzelbeobachtungen zeigen, dass auch eine Shincter-Oddi-Dysfunktion zu einem „double-duct sign“ führen kann. 3
→ Tumore als Ursache einer Gelbsucht
Therapie
Liegt ein Tumor als Ursache vor, so ist nach Klärung seiner Operabilität eine Resektion und Neueinpflanzung des Gallengangs in den Dünndarm an anderer Stelle eine Option, die eine gewisse Heilungschance bedeutet. 4
Ansonsten kommen palliative Maßnahmen in Betracht. Unter ihnen stellt eine endoskopisch gelegte Drainage der Galle über einen Gallengangsstent eine wertvolle Möglichkeit dar.
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Verweise
Weiteres
- World J Surg. 2009 Apr;33(4):886-91. DOI: 10.1007/s00268-008-9908-y[↩]
- World J Gastrointest Endosc. 2017 Aug 16;9(8):425-427. DOI: 10.4253/wjge.v9.i8.425 .[↩]
- J Med Case Rep. 2021 Feb 22;15(1):82. doi: 10.1186/s13256-021-02674-z.[↩]
- World J Gastrointest Endosc. 2017 Aug 16;9(8):425-427. DOI: 10.4253/wjge.v9.i8.425.[↩]
