Cholera

Bakterienkultur
Bakterienkultur Petrischale

Die Cholera ist eine akute infektiöse Durchfallkrankheit, die in tropischen und subtropischen Ländern endemisch vorkommt. Sie ist durch den rasch einsetzenden Flüssigkeitsverlust und die „Austrocknung“ (Exsikkose) lebensbedrohlich, kann aber durch ausreichenden Flüssigkeits- und Elektrolytersatz beherrscht werden. Ausgelöst wird die Durchfallkrankheit durch das Toxin des Bakteriums Vibrio cholerae.

Entstehung


Die natürliche Heimat von Vibrio cholerae ist das Salz- und Brackwasser des Gangesdeltas. Durch Menschen und Tiere kann es weltweit verbreitet werden. Es gab und gibt immer wieder Cholera-Ausbrüche, z. B. in Simbabwe 1, in Kenia 2 oder in Mexiko 3, zuletzt immer wieder auf Haiti 4.

Einschleppung von Cholera auf Haiti im Rahmen einer UNO-Hilfsaktion nach einem Erdbeben: Die Cholera brach 2010 auf Haiti aus, das bisher Cholerea-frei war. Sie war durch UN-Sicherheitskräfte aus einem Cholera-Endemie-Gebiet Ostasiens (Nepal) eingeschleppt worden. Schätzungsweise 820.000 Menschen erkrankten, 10.000 starben. Die Cholera schien 2019 aus Haiti verschwunden zu sein, tauchte jedoch 2022 erneut auf 5. Anhaltende und erneute Cholera-Ausbrüche wurden immer wieder durch Konflikte, den Klimawandel und eine schlechte Infrastruktur des Landes verschärft.

Vibrio cholerae ist nicht säureresistent, sodass das Inokulum groß sein muss, damit es zur Erkrankung kommt. Eine medikamentöse Säureblockade durch Protonenpumpenblocker (PPI) fördert die Infektion. Die Vibrionen überwinden den Mukus (Schleim) und heften sich an die Enterozyten (Endothelzellen) des Dünndarms. Das Choleratoxin (CTX) bewirkt eine abundante wässrige Sekretion. Es kommt zu einer raschen Exsikkose (Austrocknung durch Flüssigkeitsverlust)

Die Empfänglichkeit für Cholera ist abhängig vom ABO-System. Menschen mit Blutgruppe 0 sind am empfänglichsten, mit Blutgruppe AB am wenigsten.

Klinik

Inkubationszeit 1 – 2 Tage. Typisch sind plötzliche massive wässrige, „reiswasserartige“ Durchfälle (Reiswasserstuhl). Der Körper dehydriert (trocknet  aus). Wegen des Flüssigkeitsmangels kommt es rasch zu einem Absinken des Blutdrucks (Hypotension) und kompensatorisch zu schnellem Herzschlag (Tachykardie), sowie zu einem prärenalem (durch Flüssigkeitsmangel bedingten) Nierenversagen, einer geistigen Eintrübung (Somnolenz) und zum Koma. Wenn nicht Flüssigkeit  (zusammen mit Elektrolyten) rasch ersetzt wird, tritt der Tod im hypovolämischen Schock ein.

Ein Bericht: Ein Arzt, der bei einem Cholera-Ausbruch in den Phiippinen und in Bangladesh half, berichtet in einer Fachzeitschrift: „Wir Ärzte sahen täglich bis zu 100 Patienten und beobachteten ihre Gesichtsausdrücke, die völlige körperliche und emotionale Erschöpfung, tief eingefallene Augen, trockene Schleimhäute und einen bemerkenswerten Verlust der Hautspannung zeigten. Bei Cholera tritt kein Fieber auf. Die meisten unserer Patienten verloren etwa 10 % ihres Körpergewichts, was mit unseren Messungen einer plasmaspezifischen Dichte von 1,035 oder mehr (Normalwert 1,025) korrelierte und auf eine schwere Dehydrierung hindeutete.“ 5

Diagnostik

Der klinische Aspekt, die epidemiologischen Umstände und der „Reiswasserstuhl“ lassen sofort an eine Cholera denken. Der Nachweis des sich bewegenden Erregers im Dunkelfeldmikroskop bestätigt die Diagnose. Eine definitive Diagnose erfolgt über die Stuhlkultur.

Therapie

Bei Verdacht auf eine Cholera sollte eine rasche und ausreichende Substitution von Flüssigkeit und Elektrolyten erfolgen. In aller Regel sind in solchen Fällen eine Vielzahl Betroffener zu versorgen, sodass sich eine möglichst effektive pragmatische Behandlung durchgesetzt hat. Sie besteht aus einer Rehydratationslösung für orale Therapie und besteht laut Rezept der WHO aus

  • 2,6 g Natriumchlorid
  • 1,5 g Kaliumchlorid
  • 13,5 g Glucose (soll die Aufnahme von NaCl erleichtern)
  • 2,9 g Natriumcitrat (soll die Durchfall-bedingte Azidose neutralisieren)

Eine Antibiose mit Tetracyclin, Ciprofloxacin oder Erythromycin ist nicht immer zur Hand, verkürzt aber die Dauer. Allerdings ist die Passagezeit der Medikamente und damit die zur Verfügung stehende Zeit für die Resorption durch die erheblichen Darmbewegungen nur sehr kurz.

Prävention

Die Bekämpfung der Cholera erfordert Verhaltensaufklärung und Aufbereitung sauberen Trinkwassers. In Endemiegebieten hilft Abgekochen des Wassers und Handhygiene vor einer Infektion. Gegen Cholera gibt es eine effektive Impfung.

Impfung

Eine Massenimpfung in Mikronesien mit einer Einzeldosis eines Lebendimpfstoffs (attenuierte Cholera-Vaccine CVD 103-HgR) ergab bei einem Choleraausbruch eine Effektivität von etwa 80 % 6. Der Impfstoff Vaxchora ist eine attenuierte, orale, lyophilisierte Vibrio-cholerae-Lebendvaccine und inzwischen von der FDA zugelassen. 7 8 Eine orale Cholera-Impfung (OCV) wird mit zwei Dosen eingesetzt. Aber aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit wird oft auf Einzeldosis-Impfstoffe (OCV1) umgestiegen 9. Der hier erhältliche orale Cholera-Impfstoff (Dukoral®) sollte vorbeugend bei einer geplanten Reise in ein Endemiegebiet eingenommen werden. Er ist gegen Vibrio cholerae Serogruppe O1 gerichtet und kann Kindern ab dem 2. Lebensjahr verabreicht werden 10.

→ Impfung

Verweise

Weiteres

  1. Nat Rev Microbiol. 2009 Oct;7(10):693-702[]
  2. Am J Trop Med Hyg. 2009 Dec;81(6):1085-90[]
  3. Int J Infect Dis. 2006 Jan;10(1):4-13[]
  4. N Engl J Med. 2022 Dec 22;387(25):2300-2301. doi: 10.1056/NEJMp2214763.[]
  5. N Engl J Med. 2022 Dec 22;387(25):2300-2301. doi: 10.1056/NEJMp2214763[][]
  6. Vaccine. 2004 Jun 23;22(19):2444-51[]
  7. Ann Pharmacother. 2017 Jul;51(7):584-589. doi: 10.1177/1060028017698162.[]
  8. Hum Vaccin. 2008 Mar-Apr;4(2):165-9[]
  9. medRxiv [Preprint]. 2024 Aug 16:2024.06.12.24308792. doi: 10.1101/2024.06.12.24308792[]
  10. Dukoral Fachinformationen in Internet[]