Wilson-Krise

Kayser-Fleischer-Kornealring bei Morbus Wilson
Kayser-Fleischer-Kornealring bei Morbus Wilson

Allgemeines

Die Wilson-Krise (engl.: acute Wilsonian Hepatitis) ist eine akut lebensgefährliche Komplikation der Wilson-Krankheit durch plötzliche Freisetzung von Kupfer aus den Leberzellen mit toxischer Schädigung aller Organe im Körper. Hauptmerkmale sind ein akuter Leberzellzerfall (akute Leberdystrophie) und eine akut einsetzende Auflösung roter Blutkörperchen (Hämolyse). Sie stellen nicht zu selten die erste Manifestation eines bis dato unbekannten Morbus Wilson dar.

→ Morbus Wilson

Entstehung, Entwicklung

Eine rasche Freisetzung von Kupfer aus den mit Kupfer überfüllten Leberzellen (Hepatozyten) führt zu einer akuten schweren Schädigung und Dekompensation praktisch aller Organe des Körpers. Es kommt innerhalb kurzer Zeit zu massiven Zelluntergängen.

Symptome

Typisch für eine Wilson-Krise sind folgende Befunde:

  • Freies Serumkupfer im Blut ist stark erhöht (da aus der Leber viel Kupfer freigesetzt wird) und die Kupferausscheidung mit dem Urin ist massiv erhöht.
  • Ein Blutzerfall (Hämolyse) tritt akut ein. Er ist bedingt durch das aus der Leber frei werdende Kupfer. Durch Zerfall der Erythrozyten ist das freie Hämoglobin stark erhöht und (wegen Bindung mit Hämoglobin) das Haptoglobin erniedrigt.

Memo

An eine Wilson-Krise ist zu denken bei folgender Konstellation:

  • hochakuter Beginn einer Leberkrankheit im Alter von 6 bis 40 Jahren,
  • anamnestisch fehlende sonstige Ursache für eine Lebererkrankung,
  • anamnestische Angaben von frühkindlichen Lebererkrankungen oder psychischen oder neurologischen Auffälligkeiten,
  • Nachweis einer nichtsphärozytären, Coombs-negativen hämolytischen Anämie,
  • auffallend geringe Aktivität der Transaminasen und der alkalischen Phosphatase.

Solche Befunde sollten an einen akuten Beginn eines Morbus Wilson denken lassen und zur sofortigen Bestimmung von Coeruloplasmin und freiem Kupfer im Blut und der Kupferausscheidung über den Urin leiten. 1

Differenzialdiagnosen

Differenzialdiagnostisch kommen in Betracht:

Die Bestimmung von freiem Kupfer im Serum sichert die Diagnose weitgehend. Wenn das Laborergebnis nicht beweisend ausfällt, kann ein in Test auf Hepatitisviren sowie der Nachweis von anamnestisch infrage kommenden Giften können die Ursache meist rasch klären.

Therapie

Die Mortalität erreicht fast 100 %. Eine eher selten erfolgreiche Option ist die Überbrückung der Organfunktionen (Nierenersatztherapie, Leberersatz, Kreislaufuntersützung, Schockbehandlung). Vor allem die Option, Kupfer rasch aus der Blutbahn zu entfernen (therapeutischer Plasmaaustausch), gehört zu den wichtigsten Maßnahmen. 2

In Einzelfällen gelingt es über eine frühe kombinierte Behandlung einer Chelat-Therapie und wiederholter MARS-Dialyse (MARS: molecular adsorbent recirculating system) die Hämolyse und die Organschädigungen bis zu einer klinischen Rekompensation unter Krontrolle zu bringen und eine Lebertransplantation in der Notfallsituation zu vermeiden. 3 4


facebook: Neues und Interessantes!
Labor-App Blutwerte PRO – mit Lexikonfunktion


Ergänzende Informationen

Weiteres


Letzte Aktualisierung von Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt):
Medizinisch geprüft von

Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt)

Letzte medizinische Prüfung:

Studium in Freiburg und Wien, biochemische Forschung in Bochum, klinische Ausbildung und Forschung an Universitätsklinik Freiburg, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, Habilitation in Freiburg. Chefarzt in Berlin und Frankfurt Oder. Im Ruhestand.

  1. Children (Basel). 2024 Jan 6;11(1):68. doi: 10.3390/children11010068[]
  2. Case Rep Gastroenterol. 2025 May 13;19(1):340-351.[]
  3. Case Reports Hepatol. 2021 May 11;2021:5583654. DOI: 10.1155/2021/5583654.[]
  4. Prz Gastroenterol. 2024;19(2):101-111. doi: 10.5114/pg.2024.139297[]

Von Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt)

Studium in Freiburg und Wien, biochemische Forschung in Bochum, klinische Ausbildung und Forschung an Universitätsklinik Freiburg, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, Habilitation in Freiburg. Chefarzt in Berlin und Frankfurt Oder. Im Ruhestand.