Depression

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Gehirn Querschnitt schematisch

Das Wichtigste

Kernpunkte

  • Die Depression (Major Depression, MDD) ist eine schwere affektive Störung mit deutlich erhöhter Suizidalität. Wenn eine tiefe Niedergeschlagenheit ohne zwischenzeitliche manische Phasen vorliegt, wird sie als unipolare Depression eingeordnet.
  • Leitsymptome sind anhaltende Niedergeschlagenheit, Antriebshemmung, Freudlosigkeit, Grübeln und sozialer Rückzug.
  • Häufig bestehen körperliche Begleiterkrankungen wie Diabetes, koronare Herzkrankheit, Übergewicht oder erhöhtes Alzheimer‑Risiko.
  • Ursachen sind multifaktoriell: Stress, frühe Traumata, epigenetische Einflüsse, hormonelle Veränderungen und Störungen der neuronalen Plastizität.
  • Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen; die Lebenszeitprävalenz liegt bei bis zu 20 %.
  • Die Diagnose erfolgt anhand definierter Kriterien und Schweregrade; wichtig ist die Abgrenzung zur bipolaren Störung.
  • Die Therapie umfasst Psychotherapie, Antidepressiva, Stressreduktion, Bewegung, Lichttherapie sowie neue Ansätze wie Ketamin oder neuromodulatorische Verfahren.
  • Eine frühe Behandlung ist entscheidend, da sich unbehandelte Depressionen verfestigen und strukturelle Hirnveränderungen begünstigen können.

Depression ist eine Sammelbezeichnung für depressive Erkrankungen oder depressive Störungen verschiedener Entstehungsgeschichten und Verläufe. Unipolar bedeutet, dass keine Phasen einer Hochstimmung, bzw. einer Manie, zwischengeschaltet sind, wie es bei der bipolaren Depression der Fall ist.

Die unipolare Depression ist eine schwerwiegende affektive Störung, die durch anhaltende Niedergeschlagenheit, Antriebsverlust und eine deutlich erhöhte Suizidalität gekennzeichnet ist. Sie kann durch belastende Lebensereignisse ausgelöst werden, entsteht jedoch häufig multifaktoriell durch ein Zusammenspiel aus Stress, frühen Traumata, hormonellen Veränderungen und Störungen der neuronalen Plastizität. Neben den psychischen Symptomen treten häufig körperliche Begleiterkrankungen wie Diabetes, Herz‑Kreislauf‑Störungen oder Übergewicht auf. Da sich unbehandelte Depressionen verfestigen und strukturelle Veränderungen im Gehirn begünstigen können, ist eine frühzeitige Diagnose und leitliniengerechte Therapie entscheidend, um Rückfälle zu verhindern und die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.

→ Was im Gehirn bei einer Depression passiert
Das Gehirn
Das Belohnungssystem des Gehirns

Suizidalität


Definitionen

Die Depression gehört zu den „affektiven Störungen“. Dies sind Störungen der Stimmung, die als Extreme neben krankhafter Niedergeschlagenheit auch abnormale Überspanntheit, Hochstimmung und Aktivismus (manische Symptome) beinhalten. Dazwischen liegt eine weite Bandbreite von Ausprägungen. Die Ausprägung wird nach definierten Skalen eingeordnet (Beispiele: Self-Assessment Anhedonia Scale, SaaS, oder Snaith-Hamilton Pleasure Scale, SHAPS, oder Apathy Evaluation Scale, AES) 1 2 3)

Unipolare und bipolare Depression: Die „unipolare“ Depression (engl.: major depression, major depressiv disorder, MDD) ist eine Stimmungsstörung in nur eine Richtung, nämlich die einer Niedergeschlagenheit. Sie ist abzugrenzen von einer depressiven Störung im Wechsel mit Episoden von gesteigertem Antrieb und Hochstimmung (manische Phasen), also einer Depression im Rahmen einer „bipolaren“ Störung (zwei Krankheitspole), die unterschiedlich zu behandeln ist. Sonderformen betreffen die Schwangerschafts- und postpartale Depression 4 und die drogeninduzierte depressive Störung.

Häufigkeit

Im Laufe des Lebens leiden bis zu 20 % der Menschen an einer länger dauernden depressiven Verstimmung verschiedenen Ausmaßes (Lebenszeitprävalenz); in Deutschland sind es um 9 %, in Taiwan 1,5 %, in den USA 3 %, in Frankreich 4,5 %, in Beirut 19 %. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. 5.

Entstehung, Ursachen und fördernde Faktoren

Hormone und Stoffwechsel

Bei einer Depression kommt es zu tiefgreifenden Stoffwechselveränderungen, die sich über eine Erhöhung des Kortisolspiegels sowie der Insulin-Wachstumsfaktoren IGF-1-, IGF2- und IGFBP-7 nachweisen lassen 6 7. Bei Männern kann Östradiol die Ausprägung einer MDD verstärken 8.

Veränderungen im Gehirn

Ein bedeutsamer Mechanismus, der zu einer Verfestigung depressiven Empfindens und Verhaltens führt ist eine Erniedrigung der synaptischen Plastizität und eine Erhöhung neuronalen Untergangs im Hippokampus und präfrontalen Kortex des Gehirns. Diese Veränderungen können nach neueren Untersuchungen durch Ketamin aufgehalten werden (s. u.) 9.

Genetische / epigenetische Grundlagen

Offenbar sind eine genetische / epigenetische (polygenetische?) Veranlagung wie auch Umwelteinflüsse für das Entstehen einer Depression mitverantwortlich. Auslösenden Umständen kommt eine hohe Bedeutung zu, indem sie genetische Aktivitäten beeinflussen können. Auslöser können psychische Erlebnisse sein, aber offenbar auch infektiöse Erreger oder toxische Substanzen sein.

Genomweite Assoziationsstudien haben eine genetische Grundlage der MDD bisher nicht erkennen lassen, obwohl eine schwache Vererblichkeit (in 37 %) besteht.

Umweltfaktoren und Epigenetik

Zwillingsstudien zeigen eine Unterschiedlichkeit in 50 %, was auf eine besondere Rolle von Umweltfaktoren schließen lässt. 10 Es wird vermutet, dass Einflüsse des persönlichen Umfelds über epigenetische Mechanismen die Plastizität des Gehirns beeinflussen und zur Entwicklung psychiatrischer Erkrankungen, wie der Depression, beitragen können (s. o.). 10

Stress, Stressverarbeitung

Stressfaktoren und die Fähigkeit, mit Stress fertig zu werden, spielen eine zentrale Rolle. Schon das Burn-out-Syndrom, das als ein psychischer und körperlicher Erschöpfungszustand angesehen wird, ist durch eine Überforderung durch Stress bedingt und kann eine depressive Entwicklung einleiten. Eine mangelhafte Stressbewältigung spielt bei einer manifesten Depression eine herausragende Rolle. Durch Stressfaktoren kommt es zu einer überproportionalen Bildung des Stresshormons Kortisol. Studien zur Depression zeigen, dass nicht bewältigter Stress zu einer erhöhten Entzündungsreaktion im Gehirn sowie zu einer Abnahme der Plastizität der neuralen Verbindungen führt. 11 Bei der MMD (maior depressive disease, unipolare Depression) sind die Kortisolspiegel deutlich erhöht, was auf die Anstrengung des Körpers zur Unterdrückung der negativen Folgen hinweist 6.

Stress und Stressbewältigung
Burnout-Syndrom

Jugendtraumata

Von besonderer Bedeutung sind in früher Jugend erlebte Verlust- und Trennungsängste und die vom Kind empathisch miterlebten Ängste von Bezugspersonen. Damit steigt die Vulnerabilität (Verletzlichkeit) gegenüber später erlebten Ängsten bezüglich sozialer Isolation und entzogener Zuwendung. Kinder depressiver Eltern (vor allem Mütter) entwickeln sich oft verzögert und gestört und haben ein erhöhtes Risiko, später selbst an einer Depression zu erkranken.

Erziehungsfaktoren

Verstärkend wirkt eine Erziehung zu „erlernter Hilflosigkeit“, bei der das Kind sich nicht zu einer Persönlichkeit entwickeln kann, die mit besonderen Anforderungen und Belastungen fertig wird, sondern bei der es gelernt hat, auf die Hilfe anderer zu warten. Übervorsichtige, ängstliche und beschützende Eltern, die das Kind nicht mit den Herausforderungen des Lebens in eine stärkende Auseinandersetzung treten lassen, können solch eine Entwicklung in Gang bringen.

Lichtmangel

Eine saisonal auftretende Depression (seasonal affective disorder, SAD) kann durch Lichtmangel hervorgerufen worden sein. In nordischen Ländern ist die Winterdepression bekannt. Sie gehört zu den rekurrierenden Depressionen. Ihre Prävalenz liegt in Florida bei 1,4 % und in Alaska bei 9,9 %. Sie kommt im Frühjahr in Remission und lässt sich in einigen Fällen durch Lichttherapie behandeln 12. (Dazu siehe unten.)

Symptome und Auswirkungen

Symptome  einer depressiven Phase

Eine depressive Episode ist gekennzeichnet durch eine über mindestens 2 Wochen anhaltende Phase niedergedrückter Stimmung mit Freudlosigkeit (Anhedonie), Interesselosigkeit, Konzentrationsstörungen und Antriebshemmung. Hinzu kommen je nach Schweregrad Hoffnungslosigkeit, grüblerische Selbstzweifel, nachlassender Lebensmut und Gedanken des Unwerts des eigenen Lebens. Die einzelnen Gefühlsregungen betreffen das innerste Empfinden und greifen das Selbstwertgefühl an. Es handelt sich um eine „affektive Störung“ (Gefühlsstörung, emotionale Störung). In schwacher Ausprägung können die Empfindungen noch vor anderen Menschen verborgen werden, wobei ein straffer Tagesablauf mit Verpflichtungen dabei helfen kann, die Niedergeschlagenheit zu  verbergen (verborgene Depressive). Ist die Niedergeschlagenheit stärker ausgeprägt, nimmt die Fähigkeit, den normalen Tagesablauf zu beherrschen, ab. Solch eine Depression kann sich über Monate hinziehen oder anhalten (siehe unter Verlauf).

Auswirkungen

Depressive Phasen gehen mit einer Abnahme des Appetits (damit auch des Gewichts), des Schlafs und der sexuellen Appetenz einher. Erkrankte lassen sich bei stärkerer Ausprägung nicht mehr aufmuntern und ziehen sich zurück. Sozialkontakte brechen ab. Partnerbeziehungen leiden; die Familie und die Kinder werden vernachlässigt.

Kinder depressiver Eltern (vor allem Mütter) entwickeln sich verzögert; sie haben später ein erhöhtes Risiko, ebenfalls an einer Angststörung, eine Verhaltensstörung und / oder einer  depressiven Erkrankung zu leiden.

Ausgeprägt depressive Phasen gehen mit einer hohen Suizidalität (Selbstmordrate) einher. 13 14 15

Diagnostische Kriterien und Schweregrade

Notwendige Kriterien für eine Depression sind folgende 16:

  • gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit, tiefe Traurigkeit,
  • Anhedonie: fehlende Empfänglichkeit für freudige Ereignisse und freudige Stimmung, fehlende Reaktionsbereitschaft auf Belohnung,
  • Interesselosigkeit,
  • Lethargie: Antriebslosigkeit, Einschränkung der Aktivitäten,
  • erhöhte Ermüdbarkeit schon nach kleineren Anstrengungen.

Die Diagnose einer MDD bedarf mindestens eines der beiden Hauptsymptome Anhedonie und/oder gedrückte Stimmung.

Weitere Symptome sind Schlafstörungen, Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme, Vermeidung von unnötigen Kontakten bis hin zu Sozialphobie, sexueller Lustlosigkeit und übersteigerten Ängste. Die Symptome können unterschiedlich ausgeprägt sein. Je nach Vorherrschen einzelner Symptome werden verschiedene Typen propagiert.

Schweregrade: Der Verlauf einer MDD wird nach Schweregrad eingeteilt in leicht, mittelschwer und schwer. Zugrunde gelegt werden Scores, wie der Hamilton Depression Scale. Bei leichtem Verlauf kann der Betroffene beispielsweise seine Arbeitsfähigkeit noch im Griff behalten, beim schweren kann akute Suizidalität entstehen. Dazwischen sind verschiedene Ausprägungen und Verläufe möglich. Je länger eine Depression besteht und je schwerer ihre Ausprägung ist, desto schwieriger ist ihre Therapie und desto größer wird die Therapieresistenz. Eine möglichst frühe Diagnosestellung ist daher anzustreben.

Psychotische Symptome sind nicht die Regel, aber bei schwerem Verlauf einer MDD möglich. Es können wahnhafte Ideen einer Versündigung, einer bevorstehenden Verarmung oder von gefühlter Verantwortlichkeit für Katastrophen entstehen. Auch können Geruchs- oder sonstige Halluzinationen auftreten.

Abgrenzung zu ähnlichen Erkrankungen

Die monopolare Depression (MDD) ist anfangs oft nicht leicht zu erkennen. Probleme kann die Differenzierung zu anderen Krankheiten mit depressiver Komponente sein. Von besonderem Interesse sind dabei die folgenden:

Depression im Rahmen einer bipolaren affektiven Störung: In diesem Fall wechseln Phasen einer Depression mit manischen Phasen (Überaktivität, übersteigerte Hochstimmung, auch besondere Reizbarkeit) ab. Das Suizidrisiko ist hoch. Zwischen den Phasen können normale Abschnitte unterschiedlicher Länge liegen. Da die hypomanischen / manischen Phasen oft nicht richtig eingeschätzt werden, wird die bipolare Störung wahrscheinlich unterdiagnostiziert. Bei der Erstdiagnostik einer depressiven Erkrankung ist anamnestisch besonders nach Phasen überschwänglicher Gemütslage zu fahnden. Die medikamentöse Behandlung wird in der Regel in depressiven Phasen mit Antidepressiva, im akuten Notfall mit Ketamin, und in manischen Phasen mit Carbamazepin oder Neuroleptika bzw. Nachfolgepräparaten durchgeführt. Eine vorbeugende Wirkung kann mit Stimmungsstabilisatoren, wie Lithium oder Valproat, erzielt werden.
Ängstlichkeit: Während bei Ängstlichkeit mehr Beunruhigung und Sorge, verbunden mit Reizbarkeit und Konzentrationsverlust, überwiegen, dominieren bei der MDD mehr die Abnahme von Energie, Tatendrang und Motivation, verbunden mit Mattigkeit, Schlafstörungen und Appetitverlust, und es überwiegt die Traurigkeit. Jedoch ist Ängstlichkeit locker mit Depression assoziiert und kann sie verstärken. Ängstlichkeit ohne (nicht ausreichend nachvollziehbare) Traurigkeit wird nicht der Depression zugeordnet. 17 Eine anhaltende und übersteigerte Ängstlichkeit sollte aber in jedem Fall Anlass für eine fachärztliche Diagnostik sein.

„Depressive Verstimmung“ (Dysthymie): Dies ist ein Fachbegriff für einen Zustand reduzierter Stimmung, die mindestens über 2 Jahre anhält, die aber noch nicht die Kriterien einer Depression erfüllt. Es überwiegen grüblerisches Wesen, Schlaflosigkeit, negative Gedanken, mangelnde Genussfähigkeit. Solch eine Stimmung kann sich nach einem psychisch schmerzhaften Ereignis oder einer Episode einer Depression entwickeln und jahrelang anhalten. Sie bedarf einer ärztlichen Diagnostik. Eine Umstellung der Lebensbedingungen, der Ernährung, ein Stressabbau, aufbauende Sozialkontakte und vermehrte körperliche Bewegung können über die Verstimmung hinweghelfen. Ob medikamentöse Stimmungsaufheller indiziert sind, ergibt die ärztliche Beratung. Eine Psychotherapie kann helfen, eine solche Phase zu überwinden.

MRI-Befunde

Strukturelle und funktionelle Magnetresonanztomographie (MRT)-Studien zeigen Unterschiede zwischen einer unipolaren und einer bipolaren Störung auf. Während emotionaler, belohnungs- oder kognitionsbezogener Aufgaben wurden unterschiedliche Aktivierungsmuster in neuronalen Netzwerken gefunden (inkl. der Amygdala, des anterioren cingulären Kortex (ACC), des präfrontalen Kortex (PFC) und des Striatum. 18 Die funktionelle MRI zeigt, dass Personen mit bipolarer Störung stärker emotional beeinflussbar sind. Bei einer unipolaren Depression dagegen waren die depressiven Symptome und neurofunktionellen Reaktionen auf emotionale Reize mit einer reduzierten adaptiven kognitiven Kontrolle emotional orientierter Gehirnregionen assoziiert. 19

Begleitende Erkrankungen

Einige Krankheiten werden gehäuft von zunehmender depressiver Verstimmung (Dysthymie) und einer MDD begleitet, so der Morbus Parkinson und die multiple Sklerose. Hirnorganische Ursachen sind bei einer neu aufgetretenen depressiven Erkrankung immer auszuschließen. Auch an hormonelle Ursachen (Schilddrüsenhormone, weibliche Sexualhormone, Erkrankungen von Hypophyse und Nebenniere) und Stoffwechselstörungen (Diabetes, Arteriosklerose) ist zu denken. Eine Hypercortisolämie (zu hohe Werte von Glukokortikoiden im Blut), wie sie auch beim Morbus Cushing auftritt, sollte erkannt und ihre Ursache diagnostiziert werden. Sie kann das Risiko depressiver Reaktionen und von Suizidalität steigern, was auch bei einer therapeutischen Cortisonzufuhr zu berücksichtigen ist.

Es besteht eine Komorbidität der Depression mit Migräne, mit der jedoch vor allem eine Ängstlichkeit und weniger eine Anhedonie assoziiert ist. 17

Eine Psoriasis (Schuppenflechte) trägt ein erhöhtes Risiko für eine depressive Gemütslage. Dies wird über eine Entzündungsvermittlung im Rahmen einer Haut-Hirn-Achse erklärt. Sowohl bei einer MDD als auch bei einer Psoriasis sind laut Studien die Werte für CD2+, CD4+, CD8+ T-Lymphozyten erhöht sowie die Achse zwischen Hypothalamus-Hypophyse-Nebenniere gestört und Melatonin erniedrigt. 20

Diagnostik

Die erste Phase einer Depression ist mehrdeutig: sie kann in eine dauerhaft depressive Gemütslage führen, abklingen, abklingen und wiederkehren; oder sie kann eine erste Episode einer bipolaren Störung sein, die später mit manischen Phasen abwechselt.

Die Diagnose einer unipolaren Depression (MDD) stützt sich auf die Kriterien, die unter den Symptomen (s. o.) aufgelistet sind. Zur Diagnostik gehört eine Familienanamnese bezüglich uni- oder bipolaren affektiven Störungen, da in etwa 30 % der Fälle eine schwache Heritabilität (Vererblichkeit) nachweisbar ist. Die Eigenanamnese sollte mögliche Auslöser, Stressfaktoren und in geeigneter Weise auch frühe Traumata erfassen, was u. U. für eine geplante psychologische / psychiatrische Therapie von Bedeutung sein kann.

Laboruntersuchungen sind bei einer MDD-Erstdiagnostik hinsichtlich einer Erfassung von somatischen (körperlichen) Erkrankungen erforderlich, die als mögliche Ursachen oder Begleitkrankheiten in Betracht zu ziehen sind (s. o.). Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren, sind speziell zur Differenzialdiagnostik einer hirnorganischen Störung indiziert. Die Basisdiagnostik beinhaltet ebenso ein Screening auf Medikamente und Drogen.

Verlauf

Grob 30 % der Depressionen heilen aus, 20 % werden dauerhaft (chronisch) und 50% rezidivieren. 21

Im Fall einer unipolaren Störung kann in etwa 30 % damit gerechnet werden, dass die erste Episode nach einiger Zeit abklingt und singulär bleibt. In über 2/3 der Fälle jedoch kommt es zu einer oder mehreren weiteren Episoden oder zu einem dauerhaft depressiven Verlauf, sofern keine adäquate Therapie eingeleitet wird.

Eine „rezidivierende depressive Störung“ ist eine Diagnose, die sich ergibt, wenn anamnestisch eine vorangegangene depressive Episode eruierbar ist (s. o.).

→ Therapie der unipolaren Depression
→ Pathophysiologie der unipolaren Depression


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Verweise

Weiteres

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