Tolvaptan

Medikamente Pillen Kapseln
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Das Wichtigste

Tolvaptan ist ein Medikament zur Behandlung einer Überwässerung des Körpers, die durch die Wirkung des Hormons Adiuretin zustande kommt. Es gehört zu der Gruppe der Aquaretika. Es wird rasch resorbiert; die Bioverfügbarkeit beträgt etwa 50%.

Eine Behandlung mit Tolvaptan kann beispielsweise sinnvoll sein bei einer Herzkrankheit mit Wassereinlagerung in den Körper (Ödeme bei Herzinsuffizienz), bei einer Leberzirrhose mit generellen Ödemen oder bei einer Wassereinlagerung als Fernwirkung eines Tumors (Paraneoplasie). Bei zu großer Wasserausschwemmung kann als Nebenwirkungen  Mundtrockenheit entstehen.

Indikationen

Indikation für die Behandlung mit Tolvaptan ist ein Syndrom inadäquater ADH-Produktion (SIADH-Syndrom). Ein SIADH-Syndrom ist zu vermuten, wenn eine Hyponatriämie durch Überwässerung des Körpers bei ständigem Durst vorliegt. Eine Bestimmung von Adiuretin (ADH = Vasopressin) bestätigt die Diagnose.

Eine Tolvaptantherapie kann indiziert sein, wenn eine ausgeprägte Hyponatriämie vorliegt, vor allem wenn sie mit Muskelschwäche, zerebrale Dysfunktion (z. B. Desorientiertheit) und Krämpfen symptomatisch wird.

SIADH-Syndrom
→ Aquaretika
→ Herzinsuffizienz

Häufige Ursachen des SIADH-Syndroms

  • Medikamente: in Frage kommen beispielsweise Thiazide, Cyclophosphamid, Amitryptilin und Carbamacepin.
  • Paraneoplasie: verschiedene Tumore können paraneoplastisch eine Hyponatriämie hervorrufen.
    Alkoholkonsum: er kann zu einer Hyponatriämie führen.
  • Dekompensierte Leberzirrhose mit Aszites und Hyponatriämie 1
  • Kreislaufwirksame Herzinsuffizienz mit Neigung zur Hypotonie: hierbei wird ADH ausgeschüttet, was jedoch wegen der Herzschwäche nicht zur Anhebung des Blutdrucks führt, sondern zu einer pathologischen Überwässerung mit Hyponatriämie 2.

Die Tolvaptantherapie ist indiziert, wenn die Hyponatriämie symptomatisch wird 3.

Wirkungen

Tolvaptan weist eine etwa 8-fach stärkere Bindung als natürliches Vasopressin an den V2-Vasopressin-Rezeptor auf. Die Dosierung beginnt laut Dosisfindungsstudien bei 15 mg und kann je nach Erfolg bis max. 60 mg hochtitriert werden. Erfolgsparameter ist der Natriumspiegel im Blut. Solange die Grundkrankheit nicht beherrscht ist, muss nach Absetzen mit einem Relaps gerechnet werden. 4 Durch die Wasserdiurese kann es zu Mundtrockenheit, Hyperkaliämie und Übelkeit kommen.

Medikamenteninteraktionen: Tolvaptan wird über das Cytochrom-P450-System verstoffwechselt. Seine Wirkung steigt durch starke CYP3A4-Hemmer, wie Ketokonazol, Makrolide oder Diltiazem, unberechenbar an. Auch Grapefruit kann zu einer Wirkungssteigerung führen. Induktoren von CYP3A4, wie Rifampicin und Barbiturate, führen zu einem beschleunigten Abbau und damit zu einem Wirkungsverlust.

Tolvaptan ist als Samsca® im Handel.

Verweise

Weiteres

Literatur: 3

  1. BMC Gastroenterol. 2018 Sep 4;18(1):137. doi: 10.1186/s12876-018-0857-0[]
  2. Front Cardiovasc Med. 2024 May 30;11:1367442. doi: 10.3389/fcvm.2024.1367442[]
  3. J Clin Endocrinol Metab. 2022 Jul 14;107(8):2362-2376. doi: 10.1210/clinem/dgac245[][]
  4. N Engl J Med. 2006 Nov 16;355(20):2099-112. doi: 10.1056/NEJMoa065181[]