Überblick
Reflextachykardie bedeutet Beschleunigung des Herzschlags mit dem Ziel, einen Blutdruckabfall durch vermehrte Herztätigkeit abzufangen. Eine Reflextachykardie kommt durch Gegenregulation des Sympathikus zustande. POTS(s. u.) ist eine besonders starke Ausprägung der Reflextachykardie.
Eine Reflextachykardie kommt durch Gegenregulation des Sympathikus bei folgenden Bedingungen zustande:
- bei einer Erweiterung des Gefäßbetts, z. B. beim septischen oder anaphylaktischen Schock,
- bei einer medikamentöse Gefäßerweiterung, z. B. durch Kalziumantagonisten, Nitrate und Alpha-Blocker,
- bei einem Volumenmangel, z. B. durch Blutverlust (Beispiele: Trauma, große akute gastrointestinale Blutung).
POTS
Das posturale orthostatische Tachykardie-Syndrom (POTS) ist eine Variante der Reflextachykardie. Es ist eine autonome Herz-Kreislauf-Störung mit übermäßigem Anstieg der Herzfrequenz beim Stehen. Es geht mit Benommenheit, Kopfschmerzen, Brustschmerzen, Kurzatmigkeit und Gehirnnebel (kognitive Beeinträchtigung) einher.
Verschiedene Ursachen werden diskutiert: eine Autoimmunität, eine abnormal erhöhte sympathische Aktivität und eine sympathische Denervierung, die zu zentraler Hypovolämie und damit zu einer Reflextachykardie führt. 1
POTS: Eine Ursache von POTS ist COVID-19. Ein Teil der Erkrankten entwickelte innerhalb von 6 bis 8 Monaten nach der Infektion ein POTS mit Tachykardie, Müdigkeit, orthostatischer Intoleranz und kognitiver Beeinträchtigung. 2 Eine mangelhafte Gegenregulation des Kreislaufs bei einem Blutdruckabfall (z. B. beim Aufstehen) kann lange nach einer Infektion bestehen bleiben. POTS gehört damit zum Post-COVID-Syndrom. Eine Auswertung einer großen Datenbank weist nach, dass die Verordnungen von Medikamenten gegen POTS (z. B. Fludrocortison, Micodrin, s. u.) noch länger als ein Jahr nach einer Covid-Infektion deutlich erhöht waren. Ältere Menschen (≥ 65 Jahre) wiesen ein deutlich höheres Risiko auf (+66%) als jüngere Altersgruppen, Männern ein höheres (+51%) als Frauen. 3
Therapeutisch wurden positive Ergebnisse mit Midodrin, Ivabradin, Bisoprolol, Fludrocortison, Droxidopa, Desmopressin, Propranolol, Modafinil, Methylphenidat und Melatonin erzielt. 4 Insbesondere Ivabradin wurde in einer Studie als effektiv gefunden. 5 Ivabradin, Midodrin und Betablocker sind laut einem Studienüberblick eine sinnvolle erste Wahl 6.
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Verweise
Weiteres
- Curr Probl Cardiol. 2022 Dec;47(12):101384. doi: 10.1016/j.cpcardiol.2022.101384[↩]
- Cureus. 2023 Mar 31;15(3):e36955. doi: 10.7759/cureus.36955[↩]
- Ann Med. 2026 Dec;58(1):2618323. doi: 10.1080/07853890.2026.2618323[↩]
- Cureus. 2023 May 11;15(5):e38887. doi: 10.7759/cureus.38887[↩]
- J Am Coll Cardiol. 2021 Feb 23;77(7):861-871[↩]
- Front Neurol. 2025 Jan 15;15:1515486. doi: 10.3389/fneur.2024.1515486.[↩]
