Neprilysin

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Neprilysin (NEP) ist ein natürlich vorkommendes Enzym, das körpereigene biologisch aktive Eiweiße abbaut. Unter ihnen befinden sich viele Hormone und Mediatorstoffe, darunter auch natriuretische Peptide (wirken in den Nieren Kochsalz-ausscheidend). Eine Hemmung seiner Aktivität kann therapeutisch ausgenutzt werden, denn die führt zu einer verlängerten Wirksamkeit dieser Biomoleküle. Eine wichtige Anwendung hat sich in der Kardiologie ergeben. Denn Neprilysinhemmer steigern bei der Herzinsuffizienz die Salz- und Flüssigkeitsausscheidung und senken den Blutdruck und entlasten so das Herz. Eine Steigerung der Neprilysinaktivität dagegen hat einen Anstieg des Blutvolumens und damit des Blutdrucks zur Folge.

Wirkprinzip

Neprilysin ist eine Endopeptidase, die membrangebunden auf Zelloberflächen zu finden ist. Sie baut verschiedene biologisch wirksame Substanzen im Körper ab. Zu ihnen gehören neben natriuretischen Peptiden auch Angiotensin und das Blutdruck-senkende Bradykinin, aber auch Oxytocin und andere Hormone, mitogene Wachstumsfaktoren und Mediatorstoffe, sowie im Gehirn falsch gefaltete Proteine (Amyloid-ß). Neprilysin findet sich in einer Vielzahl von Organen und Geweben, besonders hoch in der Niere. 1 2 3

Neprilysinhemmung bei Herzinsuffizienz

Eine Hemmung von Neprilysin durch speziell dafür entwickelte Inhibitoren führt zu einem verzögerten Abbau und einer verlängerten Wirkung blutdrucksenkender Peptide. Dies führt zu einer verlängerten Wirkung der Mediatorstoffe an der Niere und den Blutgefäßen:

  • Steigerung der Salzauscheidung in der Niere und der damit verbundenen Flüssigkeit (Lösungswasser),
  • Gefäßerweiterung.

Beides führt zu einer Senkung des Blutdrucks und einer Herzentlastung, wie sie bei einer Herzinsuffizienz erwünscht ist. Besonders wirksam ist die Kombination der Neprilysinhemmers Sacubitril mit dem AT1-Blocker Valsartan.

→ Dazu siehe ausführlicher hier.
Blutdrucksenkung
Herzinsuffizienz

Lösliches Neprilysin als Biomarker für die Herzinsuffizienz

NEP findet sich als lösliches (solubles) sNEP im Blut 4 und kann laut einer Untersuchung als potenzieller Biomarker für verschiedene Krankheiten verwendet werden, so für die Herzinsuffizienz, diabetische Nierenerkrankungen und das metabolische Syndrom. 5

Neprilysin und Tumore

NEP wirkt in tumorunterdrückend, da es mitogene Wachstumsfaktoren, wie den Fibroblasten-Wachstumsfaktor 2 und insulinähnliche Wachstumsfaktoren (insuline-like growth factors) abbaut. In verschiedenen Tumoren findet sich NEP herunterreguliert, so beim Prostata-, Nieren-, Lungen-, Brust-, Urothel-, Gebärmutterhals- und Leberkrebs. Dies fördert die Angiogenese (Bildung von Tumorgefäßen), das Überleben der entarteten Zellen und die Zellmigration 3.

Irisin, Neprilysin und Alzheimer

Körperliche Betätigung hemmt den geistigen Abbau bei der Alzheimerkrankheit 6. Als Mechanismus wird folgender angenommen: Aktivität erhöht das Aktivitätshormon Irisin, das von der Muskulatur und auch im Gehirn gebildet wird. Irisin wiederum steigert die Aktivität des Enzyms Neprilysin, das auch von Gehirnzellen (Astrozyten) gebildet wird. Neprilysin baut auch falsch gefaltetes Tau-Amyloid ab (Verringerung des Aβ- und pTau-Spiegels) und verhindert die Bildung von Amyloidplaques. Jetzt werden Medikamente auf Irisinbasis gesucht, welche die Neprilysin-Aktivität im Gehirn steigern und die Alzheimerdemenz verhindern können. 7

→ Zur Alzheimerdemez siehe hier.


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Verweise

Referenzen

  1. Cell Mol Life Sci. 2024 Jan 13;81(1):42. doi: 10.1007/s00018-023-05083-1[]
  2. Mech Ageing Dev. 2020;192:111363. doi: 10.1016/j.mad.2020.111363[]
  3. Eur J Pharmacol. 2021 Jan 15;891:173727. doi: 10.1016/j.ejphar.2020.173727[][]
  4. Cell Mol Life Sci. 2024 Jan 13;81(1):42. doi: 10.1007/s00018-023-05083-1[]
  5. Indian Heart J. 2020 Jan-Feb;72(1):14-19. doi: 10.1016/j.ihj.2020.01.006[]
  6. Lancet Neurol. 2014;13:788–794. doi: 10.1016/S1474-4422(14)70136-X[]
  7. Neural Regen Res. 2025 Jun 1;20(6):1555-1564. doi: 10.4103/NRR.NRR-D-24-00098[]