Das Wichtigste
Bisphosphonate sind Medikamente, die den Knochen stärken und Knochenabbau verlangsamen.
Indikationen: Sie werden vor allem bei Osteoporose und bei starkem Knochenumbau, zum Beispiel durch Tumorabsiedlungen im Knochen (Knochenmetastasen), eingesetzt.
Wirkprinzip: Bisphosphonate hemmen Osteoklasten, d. h. die Zellen, die Knochen abbauen.
Mögliche Nebenwirkungen: Sie sind meist gut verträglich. Aber sie können die Speiseröhre reizen. Deshalb müssen sie im Sitzen oder Stehen nüchtern und mit viel Wasser geschluckt werden. Bei langer Anwendung können ungewöhnliche Oberschenkelfrakturen auftreten; deshalb wird bei Menschen mit geringerem Osteoporoserisiko manchmal eine Therapiepause empfohlen. Sehr selten kommt es zu Kieferosteonekrosen.
Alternativen: Dies sind Denosumab, Romosozumab und Teriparatid. Es gibt neue Perspektiven (s. u.).
→ Osteoporose
→ Behandlung der Osteoporose
Resorption
Bisphosphonate bilden im Darm Komplexe mit Kalzium und werden daher (mit bis zu 10 %) nur schlecht resorbiert. Da sie an Knochen binden, beträgt die Verweildauer im Körper viele Jahre.
Wirkungsweise
Die Wirkung der Bisphosphonate beruht im Wesentlichen auf einer Hemmung der Osteoklastenaktivität. Damit werden die Knochenresorption und der Knochenumbau verringert. Der Knochen wird zudem gefestigt, jedoch ohne Erhalt der Mikrostruktur. Das bewirkt eine gering erhöhte Bereitschaft zu atypischen Knochenbrüchen (Frakturen). 1
Etwa die Hälfte der aufgenommenen Dosis wird unverändert über die Nieren wieder ausgeschieden.
Indikationen
Eine günstige Wirkung durch Bisphosphonate kann erzielt werden bei:
- Osteoporose
- Multiples Myelom
- Knochenmetastasen
- Osteogenesis imperfecta
- Morbus Paget (Osteitis deformans)
- Hyperkalzämie bei Tumorkrankheiten
Die zugelassenen Indikationen der einzelnen Präparate sind zu beachten.
Wirkung
Das Frakturrisiko bei Osteoporose sinkt durch eine Bisphoshonat-Prophylaxe deutlich. Die Literatur dazu ist umfänglich. Hier seien nur wenige herausgegriffen.
Die Behandlung mit Zoledronsäure senkte laut einer Untersuchung bei Männern mit Osteoporose das Risiko für Wirbelkörperfrakturen signifikant. 2.
In einer Studie zur Studie zur Antiepileptika und Osteoporoseprävention zeigte sich, dass beide, eine Kalzium- und Vitamin-D-Supplementierung sowie eine Behandlung mit Kalzium- und Vitamin-D-Supplementierung plus Risedronat bei mehr als 69 % der männlichen Teilnehmer mit Epilepsie unter Antiepileptika zu einer Verbesserung der Knochenmineraldichte (BMD). Jedoch in der Gruppe, die Risedronat sowie Kalzium und Vitamin D erhielt, kam es zu einer signifikante Verbesserung der Knochendichte an der Lendenwirbelsäule gegenüber der Gruppe ohne Risedronat 3.
Eine Cochrane-Auswertung und Bewertung von Studien besagt, dass Bisphosphonate das Risiko von Wirbelkörperfrakturen senken. Bei der Prävention von nicht-vertebralen Frakturen sind sie möglicherweise nur einen geringen oder gar keinen Nutzen. Bei der Prävention und Behandlung von Knochenabbau an der Lendenwirbelsäule und auch am Oberschenkelhals, der durch Kortikosteroide verursacht wir, sind sie sehr wahrscheinlich von Nutzen. Bisphosphonate werden gut vertragen und Therapieabbrüche sind selten. 4
Nebenwirkungen und Komplikationen
- Ösophagitis: daher Vorbeugung von gastroösophagealem Reflux nach Einnahme der Bisphosphonate (Einnahme nüchtern 1 h vor der ersten Mahlzeit mit ausreichend lauwarmem Wasser, aufrechte Körperhaltung).
- Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern bei Frauen), möglicherweise als Folge einer Senkung des Kalziumspiegels im Blut.
- Grippeähnliche Allgemeinsymptome: Nach einer ersten Dosis, vor allem wenn sie intravenös verabreicht wird, können in seltenen Fällen grippeähnliche Symptome mit Fieber, Glieder- und Rückenschmerzen auftreten.
- Knochenbrüche: in seltenen Fällen kommt es unter Bisphosphonaten zu pathologischen Frakturen 1, die wahrscheinlich mit einer verminderten physiologischen Adaptation des Knochens unter veränderten Belastungsbedingungen geschuldet ist. Immer wieder wird über Femurschaftfrakturen, Frakturen von Mittelfußknochen und einer Osteonekrose des Kiefers berichtet. Beobachtungen dieser Art haben zur Empfehlung einer Medikationspause („drug holiday“) geführt. Bei geringem Risiko sollte eine Medikamentenpause nach spätestens 5 Jahren, bei Frauen ggf. schon nach 3 – 5 Jahren, einer Bisphosphonat-Einnahme überprüft/durchgeführt werden. Bei Männern und Patienten mit Glukokortikoid-induzierter Osteoporose kann das Schema ebenfalls empfehlenswert sein. 5 6 7
- Osteonekrose des Kieferknochens (bisphosphonate-related osteonecrosis of the jaw, BRONJ): Sie ist wegen der Auswirkungen auf den Kauapparat eine schwerwiegende Komplikation. Allerdings besagt eine Literaturauswertung, dass die Langzeitüberlebensrate von Zahnimplantaten bei Patienten mit Osteoporose, die Bisphosphonate einnahmen, sich nicht vor derjenigen in einer gesunden Population unterschied; sie war sogar deutlich höher als bei unbehandelten Kontrollpersonen 8. Bei Myelompatienten wird für die Fortführung einer Osteoporoseprophylaxe gestimmt; wobei sich das Risiko bei Alendronat und Pamidronat als am geringsten herausgestellt hat 9.
Kontraindikationen
Bei einer Neigung zur Hypokalzämie sollte wegen der (seltenen) Nebenwirkung eines Vorhofflimmerns auf Bisphosphonate verzichtet werden.
Phase der Knochenheilung: Nach einem Knochenbruch muss sich der Knochen durch Umbauvorgänge neu entsprechend den Belastungen neu formieren. In dieser Phase wird eine Unterbrechung der Medikation als förderlich angesehen.
Präparate
Es werden stickstoffhaltige und nicht Stickstoff enthaltende Bisphosphonate unterschieden.
Nicht Stickstoff enthaltende Präparate: Clodronat (Bonefos ®) Etidronat (Didronel ®). Die Bisphoshonate dieser Gruppe induzieren eine Apoptose der Osteoklasten. Sie werden kaum noch verwendet.
Stickstoffhaltige Präparate (Auswahl): Alendronsäure (Alendronat, Fosamax ®), Pamidronsäure (Pamidronat, Aredia ®), Zolendronsäure (Zolendronat, Zometa ®), Ibandronat (Bonviva ®)
Alternativen
Zur Osteoporose- und Frakturprophylaxe werden zunehmend neuere Medikamentengruppen und Antikörper eingesetzt. Beispiele sind Teriparatid, ein rekombinantes humanes Parathormon-Fragment, und Denosumab, ein monoklonaler Antikörper gegen knocenresorbierende Osteoklasen. Beide waren den Bisphosphonaten hinsichtlich der Steigerung der Knochendichte der Lendenwirbel und der Prävention von Wirbelkörperfrakturen überlegen. Es gab keinen signifikanten Unterschied hinsichtlich schwerwiegender unerwünschter Ereignisse. 10
Neuere Therapie-Optionen
Neue immuntherapeutische Ansätze revolutionieren die Osteoporosetherapie. Zu den sich abzeichnenden Optionen gehören monoklonale Antikörper (mAbs) gegen das RANK/RANKL/Osteoprotegerin (OPG)-System, die medikamentöse Beeinflussung von Zytokinen sowie die Expansion von Treg-Zellen. Perspektivisch wird die Beeinflussung der Bildung der knochenabbauenden Osteoklasten durch proinflammatorische Zytokine (wie den Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-α), Interleukin-1beta (IL-1β) und IL-6) ein therapeutisches Ziel sein. 11
RANKL-Hemmung: Eine Hemmung der Knochen abbauenden Zellen (Osteoklasten) erfolgt sehr wirkungsvoll über die Hemmung des sog. „RANK-Liganden“ (RANKL = receptor activator of nuclear factor-kappa B Ligand). Physiologisch erfolgt dies über eine Substanz, die von Knochen aufbauenden Zellen (Osteoblasten) abgegeben wird (Osteoprotegerin). Ein gezielt entwickelter Antikörper gegen RANKL mit der gleichen Wirksamkeit wie Osteoprotegerin ist Denosumab (z. B. Prolia®). 12 Denosumab führt langfristig zu einer Erhöhung der Knochendichte. Allerdings kommt es nach Absetzen zu einem Reboundeffekt mit erhöhtem Risiko für Wirbelkörperfrakturen, sodass eine vorbeugende Weiterbehandlung angezeigt ist. 13
Anti-Sklerostin-Antikörper: Die Behandlung der Osteoporose mit Anti-Sklerostin-Antikörpern ist eine neuere Option. Sclerostin ist ein entscheidender Regulator der Knochenmasse. Romosozumab erhöht die Knochenmasse und wirkt gegen ein erhöhtes Frakturrisiko sowohl bei postmenopausaler als auch bei männlicher Osteoporose. Eine Cochrane-Auswertung ergab, dass nach 12 Monaten die Knochendichte uner Romosozumab an der Lendenwirbelsäule, der Hüfte und am Oberschenkelhals deutlich erhöht war 14.
→ Behandlung der Osteoporose
→ Tochtergeschwülste (Metastasen)
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Ergänzende Informationen
- Der Knochen
- Osteoporose
- Osteoporose-Therapie
- Multiples Myelom
- Glukokortikosteroide (Kortisonpräparate)
Weiteres
- N Engl J Med. 2020 Aug 20;383(8):743-753. DOI: 10.1056/NEJMoa1916525. PMID: 32813950.[↩][↩]
- N Engl J Med. 2012 Nov 1;367(18):1714-23. doi: 10.1056/NEJMoa1204061[↩]
- Epilepsia. 2013 Nov;54(11):1997-2004. doi: 10.1111/epi.12351[↩]
- Cochrane Database Syst Rev. 2016 Oct 5;10(10):CD001347. doi: 10.1002/14651858.CD001347.pub2[↩]
- J Bone Miner Res. 2016 Jan;31(1):16-35. doi: 10.1002/jbmr.2708. Erratum in: J Bone Miner Res. 2016 Oct;31(10):1910. doi: 10.1002/jbmr.2918.[↩]
- Am J Med. 2013 Jan;126(1):13-20[↩]
- Curr Osteoporos Rep. 2013 Mar;11(1):45-51[↩]
- Int J Mol Sci. 2025 Apr 11;26(8):3618. doi: 10.3390/ijms26083618[↩]
- Proc (Bayl Univ Med Cent). 2024 Feb 8;37(2):227-229. doi: 10.1080/08998280.2023.2298667[↩]
- J Orthop Surg Res. 2023 Jun 22;18(1):447. doi: 10.1186/s13018-023-03920-4[↩]
- Inflammopharmacology. 2025 Dec;33(12):7217-7254. doi: 10.1007/s10787-025-01980-y[↩]
- Osteoporos Sarcopenia. 2017 Mar;3(1):8-17. doi: 10.1016/j.afos.2017.01.002.[↩]
- Adv Ther. 2022 Jan;39(1):58-74. doi: 10.1007/s12325-021-01936-y[↩]
- Osteoporos Int. 2022 Jan;33(1):1-12. doi: 10.1007/s00198-021-06095-y[↩]