SAPHO-Syndrom

Nackenschmerzen Rheuma Myalgie

SAPHO ist das Akronym für

  • Synovitis (entzündliche Reaktion der Synovia der Gelenke),
  • Akne,
  • Pustulose der Haut der Hand und der Füße,
  • Hyperostose (Knochenverdickung an Sternum, Schlüsselbein, Rippen) und
  • Ostitis (Knochenentzündung mit Hyperostose, besonders im Bereich des Thorax).

Das in der Kinderheilkunde bekannte Bild einer chronischen recurrenten multifocalen Osteomyelitis (CRMO) ist möglicherweise mit dem SAPHO-Syndrom des Erwachsenen verwandt. 1 2

Entstehung

Ursache und die Entwicklung des SAPHO-Syndroms (Synovitis-Akne-Pustulose-Hyperostose-Osteitis-Syndrom) sind weitgehend unbekannt. Es wurde eine Infektion mit Propionibacterium acnes verantwortlich gemacht. 3 4 5

Klinisches Bild

Das SAPHO-Syndrom ist sehr selten. Die geschätzte Prävalenz beträgt wahrscheinlich weniger als 1 von 10.000. 6

Praktisch in jedem Fall treten Knochen-Knorpel-Auftreibungen im vorderen Brustkorb auf, die sehr schmerzhaft sein können. Die übrigen Symptome sind nicht immer vollständig vorhanden.

Häufig besteht eine palmo-plantare Pustulose, eine schwere Akne ist dahegen seltener; eine Hautbeteiligung kann sogar fehlen. Seltener ist auch eine periphere Monarthritis assoziiert. 7 8

Die Schmerzen können neben dem Thorax auch andere Knochengebiete umfassen, so z. B. den Humerus, den distalen Radius, die Schlüsselbeine oder/und die Sakroiliakalgelenke (Sacroileitis). 9

Gelegentlich tritt das SAPHO-Syndrom im Rahmen einer Colitis ulcerosa 10 oder als Paraneoplasie 11 auf.

Diagnosestellung

Die Diagnose dieser Krankheit ist schwierig. Die Diagnose wird meistens aufgrund eines der folgenden vier Kriterien gestellt:

  • osteoartikuläre Manifestationen schwerer Akne;
  • osteoartikuläre Manifestationen einer palmoplantaren Pustulose;
  • Hyperostose mit oder ohne Dermatose;
  • chronisch rezidivierende multifokale Osteomyelitis mit oder ohne Dermatose. 12

Therapie

Zur Behandlung des SAPHO-Syndroms wird meist Adalimumab verwendet. Neue Entzündungshemmer zeigen ebenfalls Wirksamkeit.

Glukokortikoide und nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und auch die Kombination von Clindamycin und einem NSAR wurden als erfolgreich beschrieben. 9

Eine Therapie mit Pamidronat (ein Bisphosphonat) wird als sehr effektiv beschrieben; bereits nach den ersten 1-3 Infusionen zu einer drastischen und anhaltenden Besserung der Knochen- und Gelenk-Symptomatik führte. 7 Auch die Hand-Fuß-Pustulose wurde erfolgreich und anhaltend unterdrückt. 13

Eine Kombination von Methotrexat und Sulfasalazin hat in Einzelfällen ebenfalls zu einem guten Erfolg geführt. 14

Anti-TNF-alpha, Adalimumab und Etanercept: Bei therapierefraktären Patienten wird eine Therapie mit Anti-TNF-alpha (z. B. Infliximab, Adalimumab oder Etanercept) wird als effektiv beschrieben 15, besonders bezüglich osteoartikulärer Schmerzen; sie kann jedoch Hauterscheinungen (Psoriasis und psoriatiforme Rötung) hervorrufen und verschlechtern; die Latenzzeit bis zum Auftreten der Hautsymptome liegt bei etwa 9-10 Monaten. 16 17 18

Anti-IL-17A, Secukinumab: Secukinumab, ein monoklonaler Antikörper gegen Interleukin-17A, verbesserte die Symptomatik bei einem Mann mit einer Pustulose in beiden Händen und Füßen und seit 5 Jahren wiederkehrenden Kreuzschmerzen, Nackenschmerzen und Schmerzen im vorderen Brustbereich litt, und der mit Adalimumab nur unzureichend gebessert werden konnte. 19

Januskinase (JAK)-Hemmer Tofacitinib: Tofacitinib, ein Januskinase (JAK)-Inhibitor, besserte die Symptomatik bei einem 36-jährigen Mann mit Brust- und Rückenschmerzen und einem pustulösen Ausschlag sowie einer Enteritis nach Absetzen von Adalimumab. 20

Verweise

Weiteres

Letzte Aktualisierung von Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt):
Medizinisch geprüft von

Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt)

Letzte medizinische Prüfung:

  1. Rev. Rhum. Mal. Osteoartic. 1987;54:187–196[]
  2. Pediatr Dermatol. 2009 Sep-Oct;26(5):497-505[]
  3. Autoimmun Rev. 2009 Jan;8(3):256-9[]
  4. J Dermatol Sci. 2009 Jul;55(1):47-52[]
  5. Curr Rheumatol Rep. 2009 Oct;11(5):329-33[]
  6. Curr Rheumatol Rep 11: 329-333, 2009[]
  7. Clin Exp Rheumatol. 2009 Jan-Feb;27(1):112-5[][]
  8. Rheumatology (Oxford). 2004 May;43(5):658-61[]
  9. Open Orthop J. 2009 Nov 5;3:100-6[][]
  10. Rheumatol Int. 2010 Jun;30(8):1085-8. doi: 10.1007/s00296-009-1021-5[]
  11. Rheumatol Int. 2012 Feb;32(2):505-7. doi: 10.1007/s00296-010-1742-5.[]
  12. Clin Exp Rheumatol 6: 109-112, 1988[]
  13. Rheumatology (Oxford). 2004 May;43(5):658-6[]
  14. Open Rheumatol J. 2009 Mar 27;3:18-21[]
  15. Rheumatology (Oxford). 2006 Jun;45(6):730-3[]
  16. Int J Dermatol. 2018 Jan;57(1):10-18. doi: 10.1111/ijd.13740. []
  17. Semin Arthritis Rheum. 2008 Apr;37(5):299-306[]
  18. Am J Clin Dermatol. 2008;9(1):1-14[]
  19. J Pers Med. 2023 Mar 13;13(3):516. DOI: 10.3390/jpm13030516[]
  20. Front Immunol. 2022 May 25;13:911922. DOI: 10.3389/fimmu.2022.911922[]
Veröffentlicht am
Kategorisiert als Entzündung

Von Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt)

Studium in Freiburg und Wien, biochemische Forschung in Bochum über Glykoproteine. Klinische Ausbildung und Forschung über Gallensäuretransport und Cholestase an der Universitätsklinik Freiburg. Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, Habilitation. Chefarzt in Berlin und Frankfurt (Oder).

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