Kardiovaskuläre Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit, an Herzkreislaufkrankheiten zu erkranken. Zu ihnen gehören vor allem solche, die die Entwicklung einer Arteriosklerose fördern und damit auch das Risiko für einen Schlaganfall und einen Herzinfarkt erhöhen.
Einzelne Risikofaktoren
Zu den kardiovaskulären Risikofaktoren gehören insbesondere folgende:
- Rauchen, auch Passivrauchen 1,
- vermehrte Kochsalzzufuhr 2,
- hoher Blutdruck (Hypertonie),
- Fettstoffwechselstörung,
- erhöhtes ApoB, erhöhte Cholesterinwerte, erhöhter Quotient von Gesamt-Cholesterin zu HDL-Cholesterin,
- erhöhter LDL-Spiegel,
- Adipositas, insbesondere mit vermehrtem Bauchumfang,
- Insulinresistenz 3,
- Diabetes und metabolisches Syndrom,
- übermäßige Gerinnbarkeit des Bluts (Hyperkoagulabilität),
- erhöhter Blutspiegel an Homozystein,
- erhöhte Entzündungsaktivität im Körper 4 mit CRP als potenziellem Marker 5,
- psychische Übererregbarkeit und verminderte Stresstoleranz 6,
- kardiovaskuläre Komplikationen bei engen Blutsverwandten (familiäre Belastung),
- geringe körperliche Bewegung,
- erhöhte Harnsäurekonzentration im Blut 7 8,
- zunehmendes Alter.
Geschlechtsunterschiede
Männer und Frauen reagieren auf manche Risikofaktoren unterschiedlich stark. 9
Das kardiovaskuläre Risiko durch Rauchen ist bei Frauen etwa 2- bis 3-fach höher als bei Männern.
Bei Frauen ist die Assoziation von Hypertonie und koronarer Herzkrankheit mit frühem Tod enger als bei Männern.
Frauen mit Diabetes mellitus haben ein etwa 3- bis 7-fach höheres Risiko an einem Herzinfarkt zu sterben, während das bei Männern nur 2- bis 3-fach erhöht ist.
Senkung des kardiovaskulären Risikos
Wichtigste Maßnahme zur Senkung des kardiovaskulären Risikos ist die Vermeidung der Risikofaktoren und eine Umstellung des Lebensstils.
Kochsalzarme Kost: Viel Kochsalz ist schädlich. Bei 10709 Studienteilnehmern (im Mittel 51,5 Jahre alt) wurde die Ausscheidung von Natrium und Kalium im Urin gemessen und das Risiko von Herzkreislauferkrankungen über durchschnittlich 8,8 Jahre ermittelt. Jede Erhöhung der Natriumausscheidung um 1 g erhöhte das Risiko von Herzinfarkt und Schlaganfall um 18 %. Jede 1-g-Erhöhung von Kalium dagegen senkte es um 18 % 10.
Mittelmeerkost, die mit Olivenöl und Nüssen (enthalten Alpha-Linolensäure) angereichert ist, senken das kardiovaskuläre Risiko signifikant (siehe hier).
Medikamente: Statine senken die Gesamtmortalität und das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse 11, Selen (als Bestandteil von Selenoproteinen, die gegen oxidativen Stress und damit auch gegen die Entwicklung arteriosklerotischer Plaques wirken könnten) dagegen offenbar nicht. 12
Gesetzliche Nichtraucherrichtlinien: Spanien hat 2006 ein Nichtraucherschutzgesetz (Ley 28/2005) erlassen (siehe Wikipedia) 13. Eine Untersuchung über den Effekt besagt, dass die Herzinfarkt-Häufigkeit und die Mortalitätsraten danach signifikant zurückgingen (-11% und -18%). Die Inzidenz- und Mortalitätsraten sanken bei beiden Geschlechtern, insbesondere bei Frauen und bei Menschen im Alter von 65–74 Jahren. Auch ehemalige Raucher und Nichtraucher (Passivraucher) wiesen geringere Inzidenzraten auf. Ein ähnlicher Effekt wurde in Chile festgestellt 14. In der amerikanischen CARDIA-Studie, in der Störfaktoren herausgerechnet wurden, traten ebenfalls signifikante präventive Wirkungen zutage: 25 % für Restaurantrichtlinien, 24 % für Barrichtlinien und 46 % für Arbeitsplatzrichtlinien. 15
Erkennung des kardiovaskulären Risikos
Die Parameter des Fettstoffwechsels, wie Gesamt-Cholesterin, Non-HDL-Cholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin und Triglyceride werden zur Bestimmung eines kardiovaskulären Risikos verwendet (siehe jeweils dort). Der Quotient der Apolipoproteine B und A1 zeigt bereits viele Jahre vor einem Ereignis (Schlaganfall oder Herzinfarkt) ein erhöhtes Risiko an. Grenzwerte sind noch nicht genauer definiert. 16
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Verweise
- Herzinfarkt
- Schlaganfall
- Arteriosklerose
- Altern
- Mittelmeerdiät gegen Herzkreislaufkrankheiten
Weiteres
- Nicotine Tob Res. 2022 Jan 1;24(1):85-92. doi: 10.1093/ntr/ntab157.[↩]
- N Engl J Med. 2021 Nov 13. DOI: 10.1056/NEJMoa2109794. [↩]
- Metabolism. 2004 Apr;53(4):495-9 [↩]
- Atherosclerosis. 2009 Jan;202(1):263-71 [↩]
- Ann Intern Med. 2009 Oct 6;151(7):483-95 [↩]
- J Cardiovasc Risk. 1996 Feb;3(1):83-93 [↩]
- Arthritis Rheum. 2009 Feb 15;61(2):225-32 [↩]
- Hypertens Res. 2012 Jun 28. doi: 10.1038/hr.2012.99. [↩]
- Ital Heart J Suppl. 2001 Feb;2(2):125-41 [↩]
- N Engl J Med. 2022 Jan 20;386(3):252-263. DOI: 10.1056/NEJMoa2109794. Epub 2021 Nov 13. PMID: 34767706.[↩]
- Cochrane Database Syst Rev. 2013 Jan 31;1:CD004816. doi: 10.1002/14651858.CD004816.pub5.[↩]
- Cochrane Database Syst Rev. 2013 Jan 31;1:CD009671. doi: 10.1002/14651858.CD009671.pub2.[↩]
- BMC Public Health. 2011 Dec 7;11:907. doi: 10.1186/1471-2458-11-907[↩]
- Nicotine Tob Res. 2024 Aug 22;26(9):1166-1174. doi: 10.1093/ntr/ntae045[↩]
- Circulation. 2018 Aug 7;138(6):557-566. doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.117.032302[↩]
- PLoS Med. 2021 Dec 1;18(12):e1003853. DOI: 10.1371/journal.pmed.1003853. PMID: 34851955; PMCID: PMC8635349.[↩]