Das Wichtigste
| Polyneuropathie bedeutet Störung der Nervenfunktion, „Poly“ bedeutet, dass viele Nerven betroffen sind. Bei einer Neuropathie im Rahmen des Diabetes mellitus sind in der Regel die peripheren Nerven systemisch geschädigt, dies gilt auch für das intestinale Nervensystem.
Typisch ist ein unbestimmtes Missempfinden, Kribbeln, Gefühl von Ameisenlaufen oder Taubheitsgefühl. Eine Neuropathie von Nerven des Magendarmtrakts kann ein Völlegefühl, Bewegungsstörungen des Darms (Dyspepsie und Dyskinesie des Darms) und Stuhlgangsanomalien zur Folge haben. Die Behandlung ist oft unbefriedigend. Manchmal helfen alpha-Liponsäure oder Pregabalin und beim Magendarmtrakt Prokinetika. Die Zuckerspiegel sollten in den Zielbereich gebracht werden. |
Entwicklung
Die diabetische Polyneuropathie beginnt bereits unmerklich in einer Phase, in der der Diabetes noch nicht manifest geworden ist (Prädiabetes). Eine Vorbeugung sollte daher so früh wie möglich erfolgen, am besten schon in der Phase der gestörten Glukosetoleranz.
Bereits in sehr frühen Diabetesstadien kommt es zu einer Nervenschädigung, bei der eine Mikroangiopathie mit der Folge einer mangelhaften Blutversorgung der Nerven und oxidativer Stress eine besondere Rolle spielen.
Fast immer kommt es zu einer Schädigung multipler Nerven (Polyneuropathie), wobei nicht nur die Nerven der Willkürmotorik und der sensibblen Nerben der Peripherie betroffen sind. Betroffen sind auch die Nervengeflechte des vegetativen Nervensystems (Sympathikus und Parasympathikus bzw. Vagus), die innere Organe versorgen, so den Magendarmkanal und das Herz. Entsprechend sind die Funktionen dieser Organe gestört. Es kann beispielsweise zu einer Entleerungsstörung des Magens (diabetische Gastroparese) oder der Gallenblase, zu einer Vertopfung (Obstipation) oder zu einer fehlenden Frequenzadaptation des Herzens bei Belastung mit der Folge einer Belastungsinsuffizienz kommen.
→ Prädiabetes
→ Folgeschäden und Komplikationen einer Zuckerkrankheit
Symptomatik
Die Neuropathie an den Beinen führt zu Missempfindungen wie Kribbeln und dem Gefühl von Ameisenlaufen (Kribbelparästhesien) sowie dem Verlust der Fähigkeit spitz und stumpf zu unterscheiden, die Lage der Zehen zu empfinden oder eine auf die Haut geschriebene Ziffer zu erkennen. Eine periphere Polyneuropathie erhöht das Risiko für Verletzungen.
Die vegetative Neuropathie führt oft zu Völlegefühl, Verstopfung, Druckgefühlen im Bauchraum und sinkender körperlicher Belastbarkeit (s. o.).
Therapie der diabetischen Polyneuropathie
Die Therapie der Polyneuropathie ist schwierig. Eine Milderung der Beschwerden kann von folgenden Substanzen erwartet werden:
- Pregabalin, Gabapentin und Duloxetine sind 1 oft gegen die mit ihr verbundenen Schmerzen hilfreich.
- Alpha-Liponsäure vermag die Schädigung der Nerven (durch oxidativen Stress zu mildern und hilft statistisch gesehen, so dass ein Therapieversuch offenbar lohnt (am besten intravenöse Applikation) 2.
Verweise
- Diabetes-Kompendium
- Diabetes mellitus
- Diabetes mellitus Folgeschäden
- Diabetische Polyneuropathie
- Neuropathie
- Chronisch entzündliche demyelinisierende Polyneuropathie
Weiteres
- Bellows BK et al. Pain. 2015 Sep 5. [Epub ahead of print][↩]
- Ther Adv Chronic Dis. 2015 Jan;6(1):15-28[↩]