Cystatin C

Nieren Schema
Nieren schematisch

Cystatin C (CysC) ist ein einfacher und relativ zuverlässiger diagnostischer Marker für die Filtrationsleistung der Nieren.

Cystatin C als Nierenwert


Cystatin C eignet sich zur Bestimmung der glomerulären Filtrationsleistung der Nieren und dient daher als Nierenfunktionsparameter. Seine Aussagekraft beinhaltet auch schon den Bereich oberhalb einer Clearance von 50 ml/min, in dem der Kreatininwert noch nicht erhöht ist.

Die obere Normgrenze liegt bei 0,96 mg/ml.

Die Abschätzung der glomerulären Filtrationsrate erfolgt über den Quotienten aus 74.835 und Cystatin C (mg/l) hoch 1.333.

CysC zeigt die glomeruläre Filtrationsleistung der Nieren sicherer an als das üblicherweise verwendete Kreatinin und ersetzt vielfach die Bestimmung der Kreatinin-Clearance.

Cystatin C als Biomarker

Hirnkrankheiten

Die kleinen Blutgefäße in Nieren und Gehirn sind ähnlich in ihrer Struktur. CysC kann in beiden Organen ein Krankheitsgeschehen anzeigen. Es spielt eine Schlüsselrolle nicht nur bei Nierenkrankheiten sondern auch bei verschiedenen zerebrovaskulären Erkrankungen.

CysC sagt laut Studien das Risiko kardiovaskulärer und zerebrovaskulärer Ereignisse bei älteren Menschen voraus. 1

Hohe CysC-Werte haben einen prädiktiven Wert für Müdigkeit nach einem Schlaganfall und kann dafür als Screening-Indikator verwendet werden 2.

In einer chinesischen Longitudinalstudie an 11.610 Teilnehmern ergab sich eine Dosis-Wirkungs-Beziehung mit der Schlaganfallmorbidität. 3

CysC zeigte auch einen unabhängigen Zusammenhang mit Hirnarterienstenose und Mortalität bei Patienten mit Schlaganfall. Bei einer Untersuchung zerebraler Blutungen zeigte sich ein negativer Zusammenhang zwischen Serum-CysC und schlechtem funktionellem Ergebnis bei der Nachuntersuchung nach 3 Monaten, und zwar unabhängig von der Nierenfunktion. 4 5

→ Schlaganfall

Kardiovaskuläre Krankheiten

Erhöhte CysC-Werte sind mit einem erhöhten Risiko für die Gesamtmortalität und die kardiovaskuläre Mortalität verbunden. Sie waren mit einem signifikant höheren Risiko für MACEs (major cardiovascular events) und Mortalität bei AMI-Patienten nach PCI assoziiert. Es handelt sich um einen Biomarker, der für die Risikostratifizierung zur Vorhersage der Prognose bei Infarktpatienten nach Herzkathetereingriffen dienen kann 6.

→ Kardiovaskuläre Erkrankungen

Biochemie und Physiologie

Cystatin C ist ein niedermolekularer Cystein-Protease-Inhibitor mit 120 Aminosäuren, der glomerulär filtriert und tubulär weder sezerniert noch rückresorbiert wird. Alle kernhaltigen Körperzellen vermögen Cystatin zu bilden. Seine Synthese im Körper ist weitgehend konstant und nicht abhängig von Geschlecht, Entzündungen oder Nahrungszusammensetzung. Es ist ein wirksamer Hemmstoff für lysosomale Proteasen.

Sowohl CysC als auch Kreatinin sind nicht allein von der glomerulären Nierenleistung abhängig, sondern auch von Muskelmasse und Proteinzufuhr. Kreatinin ist zudem abhängig von seiner tubulären Sekretion, und Cystatin C ist auch abhängig von der Schilddrüse und von Kortikosteroiden. Daher wird die Kombination beider Parameter zur Beurteilung der Filtrationsfähigkeit der Nieren als genauer als die jeweils einzelnen angesehen 7.


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Verweise

Weiteres

  1. Advances in Clinical Chemistry. Elsevier; 2019:91‐119[]
  2. Brain Behav. 2021 Feb;11(2):e01969. doi: 10.1002/brb3.1969[]
  3. Healthcare (Basel). 2025 Aug 27;13(17):2137. doi: 10.3390/healthcare13172137[]
  4. J Clin Hypertens (Greenwich). 2023 Jan;25(1):86-94[]
  5. Neurol Sci. 2020;41(10):2793‐2800[]
  6. BMC Cardiovasc Disord. 2022 Apr 7;22(1):156. doi: 10.1186/s12872-022-02599-5[]
  7. Eur J Clin Invest. 2024 Oct;54(10):e14278. doi: 10.1111/eci.14278[]