Kortikoide

Nebennierenadenom Inzidentalom
Nebennierenadenom, Inzidentalom (CT)

Allgemeines


Kortikosteroide (kurz Kortikoide) sind Hormone der Nebennierenrinde. Häufig werden nur die Glukokortikoide gemeint. Grundgerüst ist das Progesteron (ein weibliches Sexualhormon), das aus Cholesterin gebildet wird. Auch die synthetischen Abkömmlinge (wie Prednisolon oder Dexamethason) werden als Kortikosteroide bezeichnet. Kortikosteroide haben eine Wirkung auf den Zuckerhaushalt (Glukokortikoide) sowie auf den Mineralhaushalt des Körpers (Mineralokortikoide). Glukokortikoide werden therapeutisch zur Dämpfung überschießender immunologischer und entzündlicher Prozesse im Körper verwendet.

Hormone der Nebenniere

Alle Kortikoide sind Steroidhormone, deren Bildung mit dem Stoffwechsel des Cholesterins eng zusammenhängen. Zu ihnen gehören folgende:

Mineralokortikoide

Aldosteron, gebildet in der Zona glomerulosa, der äußeren Schicht der Nebennierenrinde.
Mangelkrankheit: bei Addison-Syndrom. Einbindung der Aldosteron-Produktion in das Regelkreissystem des RAAS. Überproduktion: Conn-Syndrom.

Glukokortikoide

Kortison und Abkömmlinge, gebildet in der Zona fasciculata, der mittleren Zone der Nebennierenrinde. Stimulierung durch ACTH des Hypophysenvorderlappens. Mangelkrankheit: bei Addison-Syndrom. Überproduktion: Morbus Cushing.

Dazu siehe hier.

Androgene

Männliche Geschlechtshormone, z. B. Dehydroepiandrosteron, gebildet in der Zona reticularis, der inneren Zone der Nebennierenrinde.

Hormone des Nebennierenmarks

Im Inneren der Nebenniere, dem Nebennierenmark, werden Adrenalin und Noradrenalin gebildet. Das Phäochromozytom ist ein Tumor des Nebennierenmarks und durch eine Überproduktion dieser Hormone gekennzeichnet.

Nebenwirkungen und Langzeitfolgen

Eine Langzeitexposition mit Kortikosteroiden führt zu Nebenwirkungen und Komplikationen. Ein Review-Artikel listet auf 1:

  • Bluthochdruck (Prävalenz >30 %);
  • Knochenbruch (21 % – 30 %);
  • Katarakt (1 % – 3 %);
  • Übelkeit, Erbrechen und andere Magen-Darm-Beschwerden (1 % – 5 %); und
  • Stoffwechselprobleme (z. B. Gewichtszunahme, Hyperglykämie und Typ-2-Diabetes).

Beeinträchtigung der Wundheilung

Die Zugfestigkeit von heilenden Wunden ist unter Kortikosteroidmedikation um etwa 30 % verringert (Tierversuche). 2 Bei Verletzungen wirken injizierte Kortisonpräparate schmerz- und entzündungshemmend und abschwellend (daher Verwendung in der Sportmedizin). Sie sind jedoch, wenn auch nur in geringem Maße, komplikationsträchtig. Beschrieben wurden bei Daueranwendung Sehnen- und Faszienrupturen (am häufigsten), Schienbeinstressfrakturen und multifokale Osteonekrose. 3

Glukokortikoid-induzierte Osteoporose

Häufige Folge einer lang dauernden Kortikosteroidmedikation ist eine Osteporose. Um sie zu möglichst vermeiden, werden folgende Maßnahmen empfohlen: vermehrte körperliche Bewegung, Raucherentwöhnung, kein erhöhter Alkoholkonsum, ausreichende Calciumzufuhr und Vermeidung eines Vitamin-D-Mangels. Kontrolle über Beurteilung des Frakturrisikos unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Menopausenstatus, früheren Frakturen und Knochenmineraldichte.

Folgende Medikamente können zur Vermeidung einer Kortikosteroid-bedingten Osteoporose infrage kommen: Alendronat, Risedronat, Zoledronat, Denosumab und Teriparatid (siehe hier). Die Überwachung erfolgt meistens über eine Dual-Energy-Röntgen-Absorptiometrie (DXA), bei der nach Wirbelfrakturen ein Jahr nach Beginn der Glukokortikoidbehandlung gesucht wird. 4

Osteoporose

Kortisonpsychose

Kortikosteroide können das psychische Befinden beeinträchtigen und psychiatrische Störungen hervorrufen. Sie reichen von Angst,  Schlaflosigkeit und schweren Stimmungsschwankungen bis hin zu Psychosen, Delirium und Demenz. Eine Unterbrechung der Medikation kann zu einer völligen Erholung führen 5. Es wurde jedoch auch über eine psychotische Manie nach Unterbrechung einer Kortikosteriodmedikation berichtet 6.


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Verweise

Weiteres

Literatur: 7

  1. Clin Ther. 2017 Nov;39(11):2216-2229. DOI: 10.1016/j.clinthera.2017.09.011[]
  2. Am J Surg. 2013 Sep;206(3):410-7. DOI: 10.1016/j.amjsurg.2012.11.018.[]
  3. Clin J Sport Med. 2005 Sep;15(5):370-5. DOI: 10.1097/01.jsm.0000179233.17885.18 []
  4. Front Endocrinol (Lausanne). 2022 Jun 9;13:908727. DOI: 10.3389/fendo.2022.908727[]
  5. Psychiatry Clin Neurosci. 2011 Oct;65(6):549-60. DOI: 10.1111/j.1440-1819.2011.02260.x []
  6. Aust N Z J Psychiatry. 2021 Mar;55(3):325. doi: 10.1177/0004867420961471.[]
  7. Orthop Nurs. 2019 Sep/Oct;38(5):336-339. DOI: 10.1097/NOR.0000000000000595. PMID: 31568125.[]