Bisphoshonate

Knochen Osteoporose
Osteoporose (shutterstock)

Das Wichtigste


Bisphoshonate sind Medikamente zur Knochenstabilisierung, die zur Behandlung und Vorbeugung einer Osteoporose und bei starken Knochenumbauvorgängen verwendet werden. Sie schützen den Körper vor Knochenabbau, indem sie die Aktivität der Zellen, die den Knochenabbau fördern, unterdrücken. Solch ein Schutz ist besonders indiziert, wenn mit zunehmendem Alter eine Osteoporose droht, oder wenn sich Knochenmetastasen (Tochtergeschwülste eines Tumors) im Knochen absiedeln.

Bisphosphonate werden im allgemeinen gut vertragen.  Wenn sie längere Zeit in der Speiseröhre liegen bleiben, können sie dort jedoch zu einer Entzündung (Ösophagitis) führen. Bisphosphonate sollten daher bei nüchternem Magen mit viel Flüssigkeit und nicht im Liegen eingenommen werden. Wegen seltener atypischer Frakturen unter Bisphosphonaten wird bei Menschen ohne hohes Frakturrisiko zwischendurch eine Medikationspause (drug holiday) empfohlen. Sehr selten sind auch Knochenhöhlen im Kiefer (Osteonekrosen).

Alternativen zu Bisphosphonaten sind Denosumab, Teriparatid (ein Abkömmling des Parathormons der Nebenschilddrüse) und Romosozumab, ein Antikörper gegen Sclerostin.

Resorption

Bisphosphonate bilden im Darm Komplexe mit Kalzium und werden daher (mit bis zu 10 %) nur schlecht resorbiert. Da sie an Knochen binden, beträgt die Verweildauer im Körper viele Jahre.

Wirkungsweise

Die Wirkung der Bisphosphonate beruht im Wesentlichen auf einer Hemmung der Osteoklastenaktivität. Damit werden die Knochenresorption und der Knochenumbau verringert. Der Knochen wird zudem gefestigt, jedoch ohne Erhalt der Mikrostruktur. Das bewirkt eine gering erhöhte Bereitschaft zu atypischen Knochenbrüchen (Frakturen). 1

Etwa die Hälfte der aufgenommenen Dosis wird unverändert über die Nieren wieder ausgeschieden.

Indikationen

Eine günstige Wirkung durch Bisphosphonate kann erzielt werden bei:

Die zugelassenen Indikationen der einzelnen Präparate sind zu beachten.

Nebenwirkungen und Komplikationen

  • Ösophagitis: daher Vorbeugung von gastroösophagealem Reflux nach Einnahme der Bisphosphonate (Einnahme nüchtern 1 h vor der ersten Mahlzeit mit ausreichend lauwarmem Wasser, aufrechte Körperhaltung),
  • Übelkeit,
  • Durchfall
  • Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern bei Frauen), möglicherweise als Folge einer Senkung des Kalziumspiegels im Blut.
  • Allgemeinsymptome: Nach einer ersten Dosis, vor allem wenn sie intravenös verabreicht wird, können in seltenen Fällen grippeähnliche Symptome mit Fieber, Glieder- und Rückenschmerzen auftreten.
  • Knochenbrüche: in seltenen Fällen kommt es unter Bisphosphonaten zu pathologischen Frakturen 1, die wahrscheinlich mit einer verminderten physiologischen Adaptation des Knochens unter veränderten Belastungsbedingungen geschuldet ist. Immer wieder wird über Femurschaftfrakturen, Frakturen von Mittelfußknochen und einer Osteonekrose des Kiefers berichtet. Beobachtungen dieser Art haben zu Überlegungen einer Medikationspause („drug holiday“) geführt. 2 3

Kontraindikationen

Bei einer Neigung zur Hypokalzämie sollte wegen der (seltenen) Nebenwirkung eines Vorhofflimmerns auf Bisphosphonate verzichtet werden. Zu Knochenheilung nach einer Fraktur und Anpassung der neuen Knochenstruktur an die Belastungsbedingungen ist eine Unterbrechung der Medikation als förderlich anzusehen.

Präparate

Es werden stickstoffhaltige und nicht Stickstoff enthaltende Bisphosphonate unterschieden.

Nicht Stickstoff enthaltende Präparate: Clodronat (Bonefos ®) Etidronat (Didronel ®). Die Bisphoshonate dieser Gruppe induzieren eine Apoptose der Osteoklasten. Sie werden kaum noch verwendet.

Stickstoffhaltige Präparate (Auswahl): Alendronsäure (Alendronat, Fosamax ®), Pamidronsäure (Pamidronat, Aredia ®), Zolendronsäure (Zolendronat, Zometa ®), Ibandronat (Bonviva ®)

Neuere Therapie-Optionen

RANKL-Hemmung: Eine Hemmung der Knochen abbauenden Zellen (Osteoklasten) erfolgt sehr wirkungsvoll über die Hemmung des sog. „RANK-Liganden“ (RANKL = receptor activator of nuclear factor-kappa B Ligand). Physiologisch erfolgt dies über eine Substanz, die von Knochen aufbauenden Zellen (Osteoblasten) abgegeben wird (Osteoprotegerin). Ein gezielt entwickelter Antikörper gegen RANKL mit der gleichen Wirksamkeit wie Osteoprotegerin ist Denosumab (z. B. Prolia®). 4 Denosumab führt langfristig zu einer Erhöhung der Knochendichte. Allerdings kommt es nach Absetzen zu einem Reboundeffekt mit erhöhtem Risiko für Wirbelkörperfrakturen, sodass eine vorbeugende Weiterbehandlung angezeigt ist. 5

Anti-Sklerostin-Antikörper: Die Behandlung der Osteoporose mit Anti-Sklerostin-Antikörpern ist eine neuere Option. Sclerostin ist ein entscheidender Regulator der Knochenmasse. Romosozumab erhöht die Knochenmasse und wirkt gegen ein erhöhtes Frakturrisiko sowohl bei postmenopausaler als auch bei männlicher Osteoporose. Eine Cochrane-Auswertung ergab, dass nach 12 Monaten die Knochendichte uner Romosozumab an der Lendenwirbelsäule, der Hüfte und am Oberschenkelhals deutlich erhöht war 6.

Behandlung der Osteoporose
Tochtergeschwülste (Metastasen)


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Verweise

Weiteres

  1. N Engl J Med. 2020 Aug 20;383(8):743-753. DOI: 10.1056/NEJMoa1916525. PMID: 32813950.[][]
  2. Am J Med. 2013 Jan;126(1):13-20[]
  3. Curr Osteoporos Rep. 2013 Mar;11(1):45-51[]
  4. Osteoporos Sarcopenia. 2017 Mar;3(1):8-17. doi: 10.1016/j.afos.2017.01.002.[]
  5. Adv Ther. 2022 Jan;39(1):58-74. doi: 10.1007/s12325-021-01936-y[]
  6. Osteoporos Int. 2022 Jan;33(1):1-12. doi: 10.1007/s00198-021-06095-y[]