Krampfartige Bauchschmerzen sind in der Regel durch Verkrampfungen der glatten Muskulatur im Bauchraum zu erklären. Meistens stammen sie vom Magendarmtrakt, den Gallenwegen oder den gynäkologischen Organen.
Häufige Ursachen
- Darmkrämpfe: sie können im gesamten Bauchraum auftreten.
- Wenn die Krämpfe nur kurz anhaltend sind und mit aufgeblähtem Bauch im Zusammenhang stehen, so können versetzte Winde die Ursache sein.
- Treten sie immer nach Mahlzeiten auf und dauern mehrere Minuten, so kann auch ein Hindernis im Verlauf des Darms eine Rolle spielen, beispielsweise eine Abknickung einer Darmschlinge, ein Verwachsungsstrang (Bride), z. B. nach einer Operation, oder eine entzündliche Darmeinengung (beim Morbus Crohn) oder ein Tumor.
- Starke Darmkrämpfe kommen auch bei einer akuten Darmentzündung (Enteritis) vor, bei der sich der Darm durch heftige Kontraktionen entleert.
- Magenkrämpfe (siehe dort),
- Gallenkolik (siehe dort).
- Harnleiterkolik: Sie kann je nach Lokalisation des Hindernisses dem Bauch zugeordnet werden.
- Gynäkologische Schmerzen: Menstruationsschmerzen (Dysmenorrhö), z. B. bei einer Endometriose,
Klinische Zeichen
Wenn Verkrampfungen glatter Muskulatur die Ursache von Bauchschmerzen ist, so ist die Bauchdecke bei der Palpation (Betastung) weich und eindrückbar, ohne dass die Schmerzen deutlich stärker werden.
Behandlung
Verkrampfungen glatter Muskulatur lösen sich innerhalb weniger Minuten bis zu 1/2 Stunde meist von selbst; andernfalls hilft ein Spasmolytikum wie Butylscopolamin (Buscopan) rasch. Bei besonders heftigen Bauchkrämpfen wird oft Pethidin (Dolantin) verwendet. Ansonsten ist die Ursache (s. o.) zu behandeln.
Frauenschmerzen
Eine Dysmenorrhö wird meistens mit NSAIDs und einer Hormontherapie behandelt. Es helfen zudem Änderungen des Lebensstils (inkl. Aerobic-Übungen und Dehnübungen) sowie manchmal Methoden der komplementären/alternativen Medizin (z. B. Pfefferminze, Zimt, Ingwer). 1. Laut einer Metaanalyse von Studien lindert Ingwer Dysmenorrhö-Schmerzen wirksam 2.
Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAIDs) wirken durch Blockierung der Prostaglandinbildung. Hormonelle Verhütungsmittel und Gonadotropin-Releasing-Hormon-Analoga werden häufig zur Behandlung von Endometriose-bedingten Schmerzen eingesetzt 3.
Säuglingskolik
Säuglingskoliken sind ein gutartiger, aber ätiologisch ungeklärter Prozess. Säuglinge erleiden dabei für mehr als drei Stunden pro Tag, mehr als drei Tage pro Woche und länger als drei Wochen lang unter Bauchschmerzen und die Eltern unter unstillbarem Weinen. Betroffen sind etwa 10 % bis 40 % aller Säuglinge. Die Koliken treten im Alter von etwa sechs Wochen auf und klingen im Alter von drei bis sechs Monaten ab. Als Ursachen werden verschiedene Bedingungen vermutet: Veränderungen der Darmflora, Milchunverträglichkeit, Laktoseunverträglichkeit, Unreife oder Entzündungen des Magen-Darm-Trakts oder eine erhöhte Serotoninausschüttung. Auch eine falsche Ernährungstechniken sowie Rauchen oder eine Nikotinersatztherapie der Mutter werden diskutiert.
Zu den Behandlungsmöglichkeiten für gestillte Säuglinge gehören das Probiotikum Lactobacillus reuteri (Stamm DSM 17938) sowie die Reduzierung der Aufnahme von Allergenen über die Ernährung der Mutter. Eine Umstellung auf eine hydrolysierte Säuglingsnahrung ist bei entwöhnten Säuglingen eine Therapieoption. Chiropraktiken, osteopathische Manipulationen, Säuglingsmassagen, Wickeln, Akupunktur oder pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln werden nicht als wirksam angesehen 4. Eine Cochrane-Auswertung von Studien ergibt keine eindeutigen Belege dafür, dass Probiotika wirksamer sind als Placebos. Allerdings war die tägliche Zeit des Schreiens im Vergleich zu Placebos kürzer 5.
→ Zur Diagnostik krampfartiger Bauchschmerzen siehe hier.
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Verweise
Weiteres
- Curr Probl Pediatr Adolesc Health Care. 2022 May;52(5):101186. doi: 10.1016/j.cppeds.2022.101186[↩]
- J Integr Complement Med. 2024 Nov;30(11):1016-1030. doi: 10.1089/jicm.2023.0799[↩]
- J Pain Res. 2024 Aug 15;17:2657-2666. doi: 10.2147/JPR.S459584[↩]
- Am Fam Physician. 2015 Oct 1;92(7):577-82. PMID: 26447441[↩]
- Cochrane Database Syst Rev. 2019 Mar 13;3(3):CD012473. doi: 10.1002/14651858.CD012473.pub2[↩]