Granulozytose bedeutet Vermehrung der Granulozyten im peripheren Blut. Granulozyten gehören mit den Lymphozyten zu den weißen Blutkörperchen (Leukozyten); sie lassen sich in Neutrophile, Eosinophile und Basophile unterteilen.
In der Regel handelt es sich bei einer Granulozytose um eine Vermehrung der neutrophilen Granulozyten (Neutrophilie). Im Differenzialblutbild machen die Granulozyten insgesamt etwa 65 % aus. Deutlich darüber hinaus gehende Werte weisen auf ein Krankheitsgeschehen hin.
Ursachen und Bedeutung
Normwerte und Schwellenwerte
- Normaler Anteil: ca. 60 % (± 15 %) der Leukozyten
- Verdächtig: relative Werte > 65 %
- Absolut auffällig: > 7.500 Granulozyten/µl
Die Werte sollten immer im klinischen Kontext interpretiert werden. Relative Werte, die über 65 % der Granulozytenzahl hinausgehen, oder absolute Werte über 7500/µl können auf krankhafte Bedingungen hinweisen. Eine Vermehrung der Granulozytenzahl ist im Differenzialblutbild mit einer Linksverschiebung assoziiert.
→ Linksverschiebung im Blutbild
Ursachen einer Granulozytose
- Bakterielle Infektion, beispielsweise bei einer Sepsis, einem Empyem, einer Phlemone, einem Erysipel, einer bakteriellen Endokarditis: hierbei findet sich im Differenzialblutbild eine „Linksverschiebung“. Bakterielle Endotoxine erhöhen die Zahl der Granulozyten.
- Stress: Hierbei ist die Granulozytose mit einer Lymphozytopenie (erniedrigte Lymphozytenzahl) assoziiert. Dies wird sowohl bei sozialem und psychischen Stress, als auch einem körperlichen Stress (Trauma, Operation) beobachtet. Das Verhältnis der Neutrophilen (Granulozytose) zu Lymphozyten (Lymphopenie) stellt sich bei manchen Krebsarten als prognostischer Faktor heraus.
- Kortison-Therapie: Kortison ist ein Stresshormon uns regt die Ausschüttung von Leukozyten aus dem Knochenmark an.
- Chronisch myeloische Leukämie (CML): krankhafte Vermehrung von Vorläuferzellen aus dem Knochenmark. Eine persistierende, ausgeprägte Granulozytose mit Linksverschiebung kann Hinweis auf eine myeloproliferative Erkrankung sein.
Im Differenzialblutbild findet sich bei einer neu aufgetretenen Granulozytose in der Regel eine „Linksverschiebung“. Hierbei überwiegen die jugendlichen Formen der Granulozyten. Eine Vermehrung der Jugendlichen weist darauf hin, dass weiße Blutkörperchen im Knochenmark nachgebildet werden. Eine Linksverschiebung im Zusammenhang mit einer Granulozytose ist ein hochrangiges Hinweiszeichen auf eine bakterielle Infektion im Körper.
→ Mehr zu Granulozyten und Granulozytose siehe hier.
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Verweise
Weiteres
- Acta Anaesthesiol Scand. 1994 Nov;38(8):852-7. DOI: 10.1111/j.1399-6576.1994.tb04017.x PMID: 7887110.[↩]
- APMIS. 1994 Jan;102(1):43-8. doi: 10.1111/j.1699-0463.1994.tb04843.x. PMID: 8166999.[↩]
- Oncotarget. 2017 May 9;8(19):32171-32189. DOI: 10.18632/oncotarget.16291. [↩]
