Allgemeines
Shisha-Rauchen (Rauchen einer Wasserpfeife) ist eine gemeinschaftsbildende Tradition im Nahen Osten, bei der Tabakqualm durch eine Wasser enthaltende Flasche gefiltert und inhaliert wird. Die Wasserpfeife ist auch bekannt unter Hookah, Narghile Argileh, Goza, Chica, Qalyan, Shisha und Hubble-Bubble. Die Wasserpfeifentradition breitet sich hierzulande unter Jugendlichen aus. Sie gilt allgemein als ungefährlich, birgt jedoch wegen ihrer Inhaltsstoffe gesundheitliche Gefahren, insbesondere bezüglich des Herz-Kreislaufsystems, chronischer Lungenkrankheiten und des Krebsrisikos.
Im Apparat verbrennt Holzkohle, die dann eine Tabakmischung zum Qualmen bringt und das Wasser erhitzt. Der Qualm wir über einen Schlauch durch einen Wasserbehälter gesogen und inhaliert. Aromastoffe, die durch die Tabakindustrie hinzugesetzt und in sozialen Medien beworben werden, sollen das Shisharauchen und das Suchtpotenzial fördern. Zielgruppen sind Jugendliche und besonders Studenten.
Vorliegende Erfahrungen besagen übereinstimmend, dass Shisha-Rauchen die Gesundheit gefährdet. Wasserpfeifentabak beinhaltet ähnliche schädliche Bestandteile wie Zigaretten, jedoch in größeren Mengen. Sie lösen oxidativen Stress und Entzündungen aus, was Ursache chronischer Erkrankungen ist.
Der Übergang zum Zigarettenrauchen wird durch Shisha-Rauchen erleichtert.
Toxizität
Shisha-Rauchen wird von vielen Jugendlichen offenbar nicht als „Rauchen“ eingestuft und seine Gesundheitsgefahren nicht wahrgenommen werden. Regelmäßiger Konsum von Rauch aus Wasserpfeifen fördert jedoch mangelnde Mundhygiene, Atemwegserkrankungen und Herzkreislaufkrankheiten.
Die Inhaltsstoffe von Rauch in Wasserspfeifen und von Zigaretten unterscheiden sich, ganz besonders auch in der Quantität vo Nikotin, Teerstoffen und Kohlenmonoxid, die im Qualm von Wasserpfeifen ungleich höher sind 1.
Zusammenstellungen von Publikationen zur Toxizität des Shisha-Rauchs zeigen,
- dass im Rauch signifikante Konzentrationen toxischer Substanzen, die auch ein Abhängigkeitspotenzial besitzen, vorhanden sind, und die das Risiko für eine koronare Herzkrankheit, chronische Lungenkrankheiten und Lungenkrebs erhöhen 2
- dass folgende Reaktionen auftreten: erhöhte Herzfrequenz, Anstieg des Blutdrucks, Einschränkung der Lungenfunktion, CO-Intoxikation. Beim Shisha-Rauchen erhöht sich auf Dauer das Risiko für eine chronische Bronchitis und eine koronare Herzkrankheit. 3
- dass eine Assoziation besteht mit Parodontitis (Zahnfleischentzündung, trockenen Augen sowie Mund- und Speiseröhrenkrebs. 4
Tierexperimentelle Untersuchungen
Untersuchungen an Versuchstieren legen nahe, dass die Qualm-Inhalation aus Wasserpfeifen zu Blutbildveränderungen führt; es wurde eine Erhöhung der Zahl der roten Blutkörperchen, des Hämoglobins und des Hämatokrits gemessen und als Zeichen einer Toxizität gewertet. 5 In einer Untersuchung wurde der Qualm-Effekt auf Mäuse untersucht. Sie wurden 1 Monat je 30 Minuten/Tag über 5 Tage/Woche Shisha-Rauch ausgesetzt. Der Effekt war erheblich. Die Konzentrationen verschiedener Entzündungsmarker im Gewebe der Wand der großen Körperschlagader (Aorta) stieg deutlich an. Gleichzeitig stieg auch die Zahl von Entzündungszellen, sowie die Konzentrationen von Entzündungsfaktoren, wie Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-alpha) und Interleukinen (IL-1beta), sowie von Glutathion im Schleim der Bronchien deutlich an. 6
Förderung einer Herzinsuffizienz
Das Rauchen von Wasserpfeifen beeinträchtigt die Pumpfunktion des Herzens, indem es die Sauerstoffversorgung der Herzmuskulatur verringert, oxidativen Stress, die Lipidperoxidation und zytokinvermittelte Entzündungen erhöht 7.
Raucherentwöhnung
Das Wasserpfeifenproblem weitet sich aus, sodass die amerikanische Fachgesellschaft AHA (American Heart Association) eine Stellungnahme veröffentlicht hat. Sie klärt hierin über Verwendung und Risiken auf, auch über das Risiko des erleichterten Übergangs auf Zigaretten. Insbesondere wird das kardiovaskuläre Risiko hervorgehoben. 8 Grundlage einer Raucherentwöhnung Jugendlicher sind Entwöhnungsprogramme, bei der Präventionsstrategien inkl. individueller Beratung und ggf. Pharmakotherapie und gesetzliche Kontrollen zusammenwirken. 9
Ein öffentliches Aufklärungsprogramm wurde entwickelt und über soziale Medien angeboten. In einer Vorabstudie wurde getestet, ob es geeignet sei, bei jungen Erwachsenen die Ausbreitung dieser gesundheitsgefährdenden Sitte zu verhindern und zu reduzieren. Dabei wurde festgestellt, dass Botschaften, die über das Risiko gesundheitlicher Schäden durch den Shisha-Tabak aufklären, besser abschnitten als solche, die über Suchtrisiken aufklären. 10 11 Eine kurzfristige Wirksamkeit einer vorbeugenden Intervention beginnt erst nach mehreren Monaten zu wirken 12. Vermutlich sind die gemeinschaftsbildenden Effekte und Versprechungen dieser Art des Rauchens besonders groß.
→ Zur Raucherentwöhnung siehe hier.
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Verweise
Weiteres
- Internet Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung[↩]
- Tob Control. 2015 Mar;24 Suppl 1:i22-i30[↩]
- Tob Control. 2015 Mar;24 Suppl 1:i31-i43[↩]
- J Periodontal Res. 2017 Oct;52(5):813-823. DOI: 10.1111/jre.12458.[↩]
- Int J Hematol Oncol Stem Cell Res. 2014 Jul 1;8(3):37-43[↩]
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- Ann Med Surg (Lond). 2025 Jun 16;87(8):5029-5045. doi: 10.1097/MS9.0000000000003497[↩]
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- Int J Environ Res Public Health. 2020 Nov 25;17(23):8752. DOI: 10.3390/ijerph17238752[↩]
- Health Psychol. 2021 Sep;40(9):569-577. doi: 10.1037/hea0001092. [↩]
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