Gingerol gehört zur Gruppe von phenolischen Substanzen der Ingwerwurzel mit biologischen und medizinischen Wirkungen (Phytopharmaka). Insbesondere das 6-Gingerol besitzt antientzündliche und antikarzinogene Wirkungen, die für die medizinische Forschung interessant sind.
Medizinische Aspekte
Ingwer hat daher eine alte Tradition bei der Bekämpfung und Vorbeugung von Erkältungen, Fieber, rheumatischen Erkrankungen, Diabetes oder Krebs. Es soll auch gastrointestinale Missempfindungen bessern. 1 Die Wurzel enthält pflanzliche Polyphenole mit medizinischen Wirkungen.
→ Gewürze
→ Pflanzliche Polyphenole
Gingerole und Shoagole
Ingwer enthält die biologisch aktiven Gingerole. Den Gingerolen (insbesondere dem 6-Gingerol) wird eine antikarzinogene, antientzündliche und immunmodulatorische Wirkung zugeschrieben. 1 Aus Gingerolen werden im Laufe der Entwässerung während der Lagerung und termischer Prozesse Shogaole. Shoagole entfalten eine sehr viel stärkere antikarzinogene Wirkung als Gingerole, wie in Experimenten an menschlichen Lungentumorzellen und Darmkrebszellen gezeigt wurde. Shoagole (insbesondere 6-Shoagol) haben auch einen stärker inhibitorischen Effekt auf die Bildung von Arachidonsäure (antientzündlich) und die NO-Synthese als Gingerol. 2 Daher wird empfohlen, getrockneten Ingwer zu verwenden. 3
Bronchialsystem: 6-Gingerol unterdrückt den IL-1-beta-Signalweg an menschlichen Atemwegsepithelien; es soll daher zur Behandlung einer bronchialen Hypersekretion in Betracht kommen. 4 10.1021/acs.jafc.2c03150))
Antitumoröse Wirkung: Gingerole/Shoagole entfalten eine antitumoröse Wirkung, wie an den Beispielen von Hautkrebs 5 und Darmkrebs 6 gezeigt wurde.
Wirkung gegen Helicobacter: Gingerole hemmen das Wachstum von Helicobacter pylori, was möglicherweise für die Prophylaxe von Magenkrebs und die Behandlung von dyspeptischen Beschwerden eine Bedeutung hat. 7
Steigerung der mitochondrialen Biogenese und Wirkung gegen Parkinson: Ingwer soll sich günstig auf die Parkinson-Krankheit auswirken. Der zugrundeliegende Mechanismus beinhaltet eine Down-Regulation zentral entzündlicher Prozesse im Gehirn über verschiedene Signalwege (u.a. über Beeinflussung des NF-κB-Pathways). 8 und eine Erhöhung der mitochondrialen Biogenese 9
Schutz der Darmschleimhaut und Verbesserung der diabetischen Stoffwechsellage: Im Tierexperiment wurde nachgewiesen, dass Ingwerextrakte die Bildung fester Zell-zu-Zell-Verbindungen (tight junctions, Barrierefunktion) in der Darmschleimhaut diabetischer Ratten verbesserte (Induktion von Claudin-3). Es erhöhte zudem die SOD (antioxidative Kapazität) und verbesserte die diabetische Stoffwechsellage. 10
Wirkmechanismen
6-Gingerol entfaltet einen antientzündlichen Effekt. Es vermindert die Aktivität der NO-Synthetase und die TNF-alpha-Bildung. Es hemmt die Aktivität der durch LPS (Lipopolysaccharide) stimulierten Makrophagen. Ihm kann daher ein antientzündlicher Effekt zugesprochen werden. 11 Bei der rheumatoiden Arthritis können Gingerole und Shogaole an Gelenken antientzündlich wirken. 12
Ihre antiinflammatorische Wirkung bewirken Gingerole durch Beeinflussung der entzündlichen Signalwege an zentraler Stelle (über TNF-α, IL-1β, IL-6 und PGE2; auf DNA-Ebene Hemmung der mRNA-Transkriptionen von iNOS, COX-2, IL-6 und IL-1β; Erhöhung der Proteinexpressionen von iNOS, NF-κB, p-p65 und p-IκB) 13
Die Wirksamkeit der Gingerole ist durch ihre schlechte Löslichkeit begrenzt, sodass zur Steigerung der Bioverfügbarkeit Anstrengungen unternommen werden, spezielle „drug delivery systems“ zu entwickeln. 14
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Ergänzende Informationen
Weiteres
- Forum Nutr. 2009;61:182-92[↩][↩]
- J Agric Food Chem. 2009 Nov 25;57(22):10645-50[↩]
- J Ethnopharmacol. 2010 Feb 3;127(2):515-20. doi: 10.1016/j.jep.2009.10.004[↩]
- Am J Rhinol Allergy. 2009 Jul-Aug;23(4):385-91[↩]
- Chem Biol Interact. 2009 Sep 14;181(1):77-84[↩]
- Phytother Res. 2009 May;23(5):640-5[↩]
- Anticancer Res. 2003 Sep-Oct;23(5A):3699-702[↩]
- ACS Pharmacol Transl Sci. 2022 Sep 7;5(10):838-848. doi: 10.1021/acsptsci.2c00104[↩]
- J Food Sci. 2019 Aug;84(8):2101-2111. doi: 10.1111/1750-3841.14723[↩]
- Nutrients. 2022 Oct 19;14(20):4384. DOI: 10.3390/nu14204384[↩]
- Biochem Biophys Res Commun. 2009 Apr 24;382(1):134-9[↩]
- Funk JL et al. J Nat Prod. 2009 Feb 13. [Epub ahead of print] [↩]
- Inflammation. 2018 Jun;41(3):835-845. DOI: 10.1007/s10753-018-0737-3[↩]
- Front Pharmacol. 2022 Sep 5;13:902551. DOI: 10.3389/fphar.2022.902551[↩]