Leberfunktion bei Lebererkrankungen

Aszites bei Leberzirrhose (Sonographie)

Allgemeines

Lebererkrankungen können in Spätstadien mit einer tiefgreifenden Störung der Organfunktion einhergehen, denn die Leber ist das zentrale Stoffwechsel- und Entgiftungsorgan des Körpers. Sie sorgt für die Bereitstellung der erforderlichen Energie, stellt wesentliche Bestandteile des Bluts und des Gerinnungssystems zur Verfügung und trägt zur Entgiftung von Toxinen und Ausscheidung von Stoffwechselendprodukten bei. Wegen der großen Reservekapazität der Leber zeigen Funktionsausfälle bereits ein lebensbedrohliches Stadium an, bei einer fulminanten Hepatitis oder einer fortgeschrittenen Leberzirrhose.
→ Zu den normalen Funktionen der Leber siehe hier.

Auswirkungen einzelner Funktionsstörungen

Störung der Stoffwechselleistung

Bei einer Syntheseleistungsstörung kommt es zu einem Mangel an (wichtige Beispiele):

Störung des Zuckerhaushalts

Der Zuckerhaushalt des Körpers kann bei Lebererkrankungen empfindlich gestört sein. Seine Ursachen sind jedoch sehr komplex. Es kann ein Diabetes mellitus entstehen, aber auch – seltener – eine Neigung zur Hypoglykämie (Unterzuckerung) bestehen.

Störung der Entgiftungsfunktion

Bakterien und ihre Toxine (Endotoxine) werden nicht mehr ausreichend aus dem Blut herausgefiltert. Patienten mit schwerem Leberschaden sind vermehrt anfällig für bakterielle Infektionen. Beispiele: Lungenentzündung (Pneumonie) und Bauchfellentzündung (Peritonitis).

Ammonium wird nicht mehr ausreichend entgiftet: Folge Enzephalopathie (Hirnleistungsstörung) und niedriger Harnstoffspiegel.

Medikamentenstoffwechsel: Die Wirkung vieler Medikamente ist durch ihren verlangsamten Abbau in der Leber verändert. Folge: verlängerte Wirksamkeit. Einige Medikamente, die als Prodrug appliziert werden, können nicht ausreichend in ihre wirksame Form umgewandelt werden.

Störung der Gallebildung

Eine Beeinträchtigung der Gallebildung führt einerseits zum Rückstau gallepflichtiger Substanzen im Körper (Cholestase) und andererseits zu einem Mangel an Galle im Darm.

  • Ein Gallerückstau bewirkt eine Gelbsucht (Ikterus) mit Juckreiz und Müdigkeit.
  • Ein Gallemangel im Darm führt zu einer Verschlechterung der Fettverdauung und der Resorption von Fettspaltprodukten und fettlöslichen Vitaminen (A, D, E, K). Der Mangel fettlöslicher Vitamine kann selbst wieder zu Symptomen im Körper führen. Ein Beispiel ist die Blutungsneigung bei Vitamin-K-Mangel.

Blutstau vor der Leber

Bei der Leberzirrhose, aber auch bei einer starken Leberschwellung (Hepatomegalie) aus anderen Ursachen kommt es zu einem Blutstau in den zur Leber führenden Blutgefäßen und damit auch in der Milz und in den Schleimhäuten des Magens und Darms. Es kommt zu einer portalen Hypertension mit Ausbildung von Umgehungskreisläufen.

  • Ein Blutstau in der Milz führt zu einer Vergrößerung des Organs (Splenomegalie), was häufig mit einer Thrombozytopenie verbunden ist. Die Erniedrigung der Plättchenzahl bedeutet eine Blutungsneigung.
  • Ein Blutstau in den Schleimhäuten des Darmkanals führt zu Maldigestion und Malabsorption. Damit kommt es auch zu einer nicht vollständigen Aufnahme einiger Medikamente. Ferner erhöht dies zusätzlich die Blutungsneigung.
  • Die Umgehungskreisläufe führen über Venenerweiterungen (Varizen) entlang der Speiseröhre mit dem Risiko einer Ösophagusvarizenblutung. Ähnlich können auch pralle Rektalvenen im Enddarm (Rektalvarizen) entstehen, die zu lebensbedrohlichen Blutungen neigen.

Störung der pH-Regulation des Körpers

Auch eine Störung der Regulation des Säure-Basen-Haushalts kann Folge einer schweren Lebererkrankung sein. Dazu siehe hier.

Behandlung und Vorbeugung

Die Folgen einer Leberfunktionsstörung und einer Blutstauung vor einer verhärteten Leber (portale Hypertension) können bei frühzeitiger Diagnose und Behandlung weitgehend vermieden werden. Ansonsten können oft nur noch eingreifende Maßnahmen (wie z. B. TIPSS, Lebertransplantation) sie beherrschen.


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Letzte Aktualisierung von Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt):
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Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt)

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Von Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt)

Studium in Freiburg und Wien, biochemische Forschung in Bochum über Glykoproteine. Klinische Ausbildung und Forschung über Gallensäuretransport und Cholestase an der Universitätsklinik Freiburg. Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, Habilitation. Chefarzt in Berlin und Frankfurt (Oder).