Das Wichtigste
Rifaximin ist ein Antibiotikum, das sich vom Rifampicin ableitet. Es ist kaum wasserlöslich und wird nur sehr gering enteral resorbiert (< 0,4 %), wirkt also überwiegend im Darm.
Rifaximin wird zur Behandlung von Durchfallerkrankungen eingesetzt, so auch bei der Vorbeugung und Behandlung der Reisediarrhö. Es kann ebenfalls mit guten Erfolgen zur Behandlung von Störungen der Hirnleistung bei der Leberzirrhose (hepatische Enzephalopathie) des Reizdarmsyndroms und der entzündlichen „Knollennase“ (Rosacea) verwendet werden.
Die Verträglichkeit von Rifaximin ist bis auf meist nur geringe Nebenwirkungen des Magendarmtrakts gut. In Studien gab es kaum Abbrecher wegen Unverträglichkeiten.
Wirkmechanismus
Rifaximin hemmt die bakterielle DNA-abhängigen RNA-Polymerase und die RNA- und Proteinsynthese.
Die Wirkung wird hauptsächlich durch Veränderung der bakteriellen Zusammensetzung und Besiedlung des Dünn- und Dickdarms erzielt und zur Behandlung chronischer Durchfallerkrankungen ausgenutzt.
Wirkspektrum
Das antibakterielle Spektrum ist breit (gram+, gram-, aerob, anaerob), und umfasst Staphylokokken, Streptokokken, Shigellen, Yersinien, Salmonellen, Campylobacter jejuni, Clostridium difficile, Vibrio cholerae, Enterobacter, Escherichia coli, Klebsiellen, Pseudomonaden, Proteus, Helicobacter pylori, Bacteroides.
Indikationen
Als Indikationen kommen infrage 1:
- Reisediarrhö 2, speziell durch pathogene E. coli bedingte Diarrhö,
- Darmdekontamination, z. B. bei einer bakteriellen Fehlbesiedlung des Dünndarms,
- Blind-Loop-Syndrom,
- hepatische Enzephalopathie,
- pseudomembranöse Kolitis,
- Rosacea,
- Reizdarmsyndrom.
Reizdarmsyndrom
Rifaximin ist zur Behandlung des Reizdarmsyndroms interessant geworden, da offenbar in vielen Fällen eine bakterielle Überwucherung des Dünndarms an der Symptomatik beteiligt ist 3. Eine 14-tägige Rifaximin-Therapie des Reizdarmsyndroms mit positivem Laktulose-H2-Atemtest hat in einer Studie zu einer Symptomverbesserung über 3 Monate geführt 4.
Hepatische Enzephalopathie
Die bei einer Leberzirrhose auftretende hepatische Enzephalopathie wird durch Eiweißverdauung im Kolon gefördert. Eine Darmdekontamination mit Rifaximin kann zu einer entscheidenden Besserung führen 5. In einer Studie über 1/2 Jahr wurde unter Rifaximin-Dauertherapie (550 mg 2x täglich) die Rezidivrate der hepatischen Enzephalopathie deutlich gesenkt 6. Selbst die Fahrtauglichkeit bei minimaler hepatischer Dysfunktion wird verbessert. Die Therapieabbruchquote wegen Nebenwirkungen lag nur bei 8 % 7.
Wirksamkeit und Nebenwirkungen
Rifaximin verbesserte die psychometrischen Indikatoren (psychischer Zustand, Flappingtremor und portosystemischer Enzephalopathie-Index). Es übertraf in dieser Beziehung andere Wirkstoffe anhaltend und verringerte das Risiko einer erneuten Krankenhauseinweisung bei Patienten mit hepatischer Enzephalopathie. Die Nebenwirkungsrate ist laut Metaanalysen sehr gering. Es wurde in einer zusammenfassenden Auswertung von Studien kein statistischer Unterschied in der Mortalität zwischen Rifaximin und ihren Kontrollen beobachtet.). Die Inzidenz unerwünschter Ereignisse in den mit Rifaximin behandelten Gruppen war während des Behandlungszeitraums sogar signifikant niedriger als bei den Kontrollen. 5
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Verweise
Weiteres
Cave: Dosierungen dürfen nicht ohne Überprüfung übernommen werden!
- Curr Opin Gastroenterol. 2010 Jan;26(1):17-25[↩]
- Ann Intern Med. 2005 May 17;142(10):805-12[↩]
- Expert Opin Investig Drugs. 2009 Mar;18(3):349-58[↩]
- Aliment Pharmacol Ther. 2012 Dec;36(11-12):1084-93[↩]
- Front Pharmacol. 2021 Oct 8;12:696065. doi: 10.3389/fphar.2021.696065[↩][↩]
- N Engl J Med. 2010 Mar 25;362(12):1071-81[↩]
- Gastroenterology. 2011 Feb;140(2):478-487.e1. doi: 10.1053/j.gastro.2010.08.061[↩][↩]
- Expert Rev Anti Infect Ther. 2005 Apr;3(2):201-11[↩]
- Expert Opin Investig Drugs. 2009 Mar;18(3):349-58. doi: 10.1517/13543780902780175[↩]
- Arch Pharm (Weinheim). 2024 Oct;357(10):e2400356. doi: 10.1002/ardp.202400356[↩]