Pneumonie – Lungenentzündung

Lungenschema (shutterstock)

Das Wichtigste

Eine Pneumonie ist eine akute Entzündung des Lungengewebes. Sie betrifft Lungenbläschen (Alveolen) und das Gewebe zwischen ihnen, die Alveolarsepten. Eine Pneumonie mit Atemnot hat eine hohe Mortalität, insbesondere wenn sie als nosokomiale Infektion, d. h. während eines Krankenhausaufenthalts, erworben wurde.
Ursachen: Bakterien, Viren oder selten auch Pilze. Eine „atypische“ Pneumonie wird oft durch Eine „atypische Pneumonie“ ist häufig durch Viren, Pilze, Mykoplasmen, Legionellen, Chlamydien oder Rickettsien ausgelöst (siehe hier).
Leitsymptome: Fieber, Brustschmerzen und Atemnot, bei einer Mitbeteiligung des Lungenfells (Pleura) auch atemabhängige Schmerzen.
Diagnostik: Im Wesentlichen Röntgenuntersuchung des Thorax (Brustraum), Bakteriologie des Sputums (ggf. während einer Bronchoskopie gewonnen).
Behandlung: Sie richtet sich nach dem Erreger und umfasst in der Regel Antibiotika bei bakteriellen Formen sowie unterstützende Maßnahmen wie Fiebersenkung, Flüssigkeitszufuhr und Atemtherapie, ggf. Kreislauf- und Atemunterstützung.
→ Die Lunge
→ Bronchopneumonie
→ Pleuropneumonie
→ Atypische Pneumonie

Entstehung

Formen

Eine Pneumonie entsteht vorwiegend in 2 Formen:

  • primäre Lungenparenchymerkrankung oder
  • sekundär in der Folge einer Entzündung des Atemwegssystems (Bronchopneumonie).

Die bakteriellen Entzündungen breiten sich vorwiegend alveolär aus (röntgenologisch: Verschattung), die nicht bakteriellen, viralen, vorwiegend interstitiell (röntgenologisch: milchglasartige Trübung).

Eine Pneumonie kann einseitig, beidseitig, örtlich begrenzt (fokal), in einem größeren Areal oder in der gesamten Lunge auftreten. Spielt sich die Entzündung in der Nähe des Lungenfells (Pleura) ab, entsteht eine Pleuropneumonie.

Erreger

Eine Lungenentzündung kann durch verschiedene Erreger ausgelöst werden.

Bakterien:

  • Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae), häufigster Auslöser (in 60 %), meistens typische Lobärpneumonie,
  • Haemophilus influenzae,
  • Staphylokokken,
  • Legionellen,
  • Mycoplasma pneumoniae,
  • Chlamydia pneumoniae (Ornithose),
  • Burkholderia pseudomallei (zunehmende Bedeutung). 1

Nicht-bakterielle Erreger:

  • Viren (Influenza und Parainfluenzaviren, Adenoviren, Cytomegalieviren, SARS-CoV-2),
  • Rickettsia (oder Coxiella) burnetti (Q-Fieber),
  • Pneumocystis carinii (bei Immunschwäche),
  • Pilze (Candida, Aspergillus, Histoplasma).

Pneumonien infolge einer Abwehrschwäche

Oft besteht eine Abwehrschwäche, sodass man Lungenentzündungen gehäuft bei folgenden Bedingungen findet:

Aspirationspneumonie

Eine Sonderform ist die Aspirationspneumonie, bei der eine direkte toxische Reizung der Alveolen und Bronchiolen durch Magensaft die Hauptrolle zu spielen scheint, wobei sich aber zudem rasch eine bakterielle Infektion aufpfropft.

Klinik und Symptomatik

Beginn: Bei einer Aspirationspneumonie ist eine Aspiration oder eine Refluxsymptomatik eruierbar; bei einer Viruspneumonie Beginn oft mit Halsentzündung (Laryngitis), grippalem Infekt und Fieber; bei bakterieller Pneumonie kann eine Viruspneumonie vorangegangen sein oder es bestand eine akute oder chronische Bronchitis.

Symptomatik: Folgende Symptome können in unterschiedlicher Kombination und Schwere auftreten:

  • Fieber (oft sehr hoch), Schüttelfrost,
  • schweres Krankheitsgefühl, Kopf- und Gliederschmerzen,
  • Atemnot, Tachypnoe (über 20/min),
  • Tachykardie, bei Pleurabeteiligung
  • atemabhängige Schmerzen (auskultatorisch Pleurareiben; Ausdruck einer Rippenfellentzündung),
  • anfangs trockener, später eitriges bis blutiges Sputum,
  • Herpes labialis (oft begleitend).

Auskultationsbefund einer einseitiger feinblasiger Rasselgeräusche bei Klopfschalldämpfung. Bei einer atypischen Pneumonie durch nicht bakterielle Erreger fehlt häufig ein diagnoseweisender auskultatorischer oder perkutorischer Befund.
→ Untersuchung der Lungen

Diagnostik

Die klinischen Befunde können bereits auf eine Lungenentzündung hinweisen. Kommen hohes Fieber, trockener Husten und typische Auskultations– und Perkussionsbefunde zusammen, wird die Diagnose wahrscheinlich. Eine Atemfrequenz über 20/min weist auf eine kompensatorische Hyperventilation bei Einschränkung der Gasaustauschfläche hin.
→ Untersuchung der Lungen

Laboruntersuchungen weisen auf die Ausprägung der Entzündung hin: Blutbild (Leukozytose?), Entzündungsparameter wie CRP oder IL-6,

Bakteriologie: Bei einer Klinikbehandlung werden vor Beginn einer Behandlung Blutkulturen abgenommen und eine Sputumdiagnostik durchgeführt, damit die gewählte Antibiotikabehandlung auf Wirksamkeit überprüft werden kann.
→  Erreger einer Pneumonie

Blutgasanalyse: Sie gibt Auskunft über die Kapazität der Lungen zum Gasaustausch: Hypoxämie (zu wenig Sauerstoff im Blut)? Hyperkapnie (zu viel CO2 im Blut)?
→  Blutgasanalyse

Radiologische Untersuchungen Sicherung der Diagnose (Verschattung?) und geben Auskunft über die Lokalisation, Ausbreitung und Komplikation der Pneumonie; eine Computertomographie ist aussagekräftiger als eine Röntgenaufnahme der Lungen in 2 Ebenen. Der Nachweis eines Randwinkelergusses oder größeren Pleuraergusses spricht für eine mehr oder minder ausgeprägte begleitende Rippenfellentzündung (Pleuritis, engl: pleurisy) im Sinne einer Pleuropneumonie.

Weiterführende Diagnostik: Ggf. ist eine bronchoalveoläre Lavage zum Nachweis von Keimen bei Therapieresistenz, von Pneumocystis carinii (häufiger Erreger bei HIV-bedingter Pneumonie) oder Pilzen und zur Bestimmung des CD4/CD8-Verhältnisses bei den Lymphozyten erforderlich.

Therapie

Die Behandlung erfolgt je nach Ursache. Dies kann folgende Maßnahmen umfassen 2:

  • Bei bakteriell bedingten Pneumonien (Hinweis: Leukozytose) Antibiose (zuerst Blutkulturen abnehmen). Beginn mit Breitbandantibiotika, die Streptokokken, Legionellen und Haemophilus umfassen. Anpassung, wenn das Ergebnis der Blut- und Sputumkulturen bekannt ist.
  • Bei Lobärpneumonie Penicillin.
  • Bei atypischer Pneumonie oder nicht nosokomial erworbener Pneumonie primär Makrolide (oder Tetracycline).
  • Bei Bronchopneumonie auf dem Boden einer chronischen Bronchitis Beginn mit z. B. Amoxicillin (+ Clavulansäure oder Sulbactam).
  • Bei Nichtansprechen: Antibiotikapause und erneute Blut- und Sputumkulturen, ggf. Bronchiallavage, Pilzdiagnostik ergänzen. Ggf. Umstellung auf z. B. Amoxicillin (+ Clavulansäure oder Sulbactam) oder Tazobactam o. ä.
  • Glukokortikoide verkürzen bei Pneumonien, die durch Sozialkontakte erworben wurden („community-acquired“) die Zeit bis zur klinischen Stabilität. In einer Studie wurde gezeigt, dass Prednisolon für 7 Tage gegeben diese Zeit im Schnitt um 3 Tage abkürzte. Es wurde über eine erhöhte Rate an insulinpflichtigen Hyperglykämien berichtet; ansonsten traten keine gegenüber der Kontrollgruppe vermehrten Komplikationen auf. 3
  • Bei einer nosokomialen (im Krankenhaus erworbenen) Lungenentzündung herrschen die Keime Klebsiella pneumoniae, Pseudomonas aeruginosa und Methicillin-resistenter Staphylokokkus aureus (MRSA) vor. Sie erfordern eine Antibiose mit Reserveantibiotika (beispielsweise Colistin, Carbapenem) nach Antibiogramm 4.

→  Erreger und Behandlung einer Pneumonie
Therapie der Tuberkulose

Vorbeugung

Siehe unter Pneumokokkenimpfung


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Verweise

Weiteres


Letzte Aktualisierung von Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt):
  1. Indian J Med Res. 2020 Apr;151(4):287-302[]
  2. Pharmacol Ther. 2021 Jan;217:107663. doi: 10.1016/j.pharmthera.2020.107663[]
  3. Lancet. 2015 Jan 16. pii: S0140-6736(14)62447-8. doi: 10.1016/S0140-6736(14)62447-8[]
  4. J Med Assoc Thai. 2010 Jan;93 Suppl 1:S126-38.[]
Medizinisch geprüft von

Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt)

Letzte medizinische Prüfung:

Von Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt)

Studium in Freiburg und Wien, biochemische Forschung in Bochum über Glykoproteine. Klinische Ausbildung und Forschung über Gallensäuretransport und Cholestase an der Universitätsklinik Freiburg. Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, Habilitation. Chefarzt in Berlin und Frankfurt (Oder).