Niedriger Blutdruck (Hypotonie) ist definiert durch Blutdruckwerte unter 100/60 mm Hg. Um eine Hypotonie angemessenen behandeln zu können, sind die vielfältigen Ursachen genau zu unterscheiden. Eine Hypotonie kommt bei Kindern relativ häufig vor und hat nicht immer eine krankhafte Bedeutung. 1
Orthostatische Hypotonie
Bei jungen Menschen überwiegt die orthostatische Hypotonie. Sie ist durch ein Absacken des Blutdrucks durch plötzlichen Lagewechsel in die Senkrechte charakterisiert. Wenn man vom Liegen oder Sitzen zu schnell aufsteht und der Kreislauf sich darauf noch nicht eingestellt hat, können die Beine schwach werden und Flimmern vor den Augen entstehen. Diese Form ist im Prinzip relativ harmlos, kann aber zu Stürzen führen, wenn dadurch plötzliche Bewusstlosigkeit eintritt. Der Kreislauf erholt sich immer spontan.
Hypotonie durch Volumenmangel
Ein Mangel an Flüssigkeit kann zu einem Volumenmangel im Blutgefäßsystem führen, der durch Gegenregulation nicht angemessen ausgeglichen wird. Ein Volumenmangel im Blutgefäßsystem kann durch folgende Ursachen zustande kommen:
- vermehrte Urinproduktion bei Nierenkrankheit (z. B. in der polyurischen Phase einer Niereninsuffizienz),
- eine Zuckerkrankheit mit vermehrter Zuckerausscheidung über den Urin (Diabetes mellitus mit Glukosurie)
- eine Hormonstörung: Diabetes insipidus,
- übermäßiges Schwitzen,
- eine okkulte (verborgene) innere Blutung.
Blutdruckabfall durch Orthostase
Eine unzureichende Gegenregulation des Blutdrucks (Baroreflex-Funktion) beim Aufstehen kann zum „Schummrigwerden“ oder zu einem orthostatischen Kollaps führen. Bei Kindern ist das Phänomen nicht allzu selten und wächst sich häufig aus. Allerdings sind bei einer Häufung Tests indiziert 1. Infrage kommen der Schellong-Test, EKG, Belastungs-EKG, Herzecho 2 Eine orthostatische Hypotonie, die mit einer Änderung der Herzfrequenz von weniger als 15 Schlägen/min einhergeht, deutet auf eine neurogene Ursache hin. Diese Patienten bedürfen einer weiteren Untersuchung des autonomen Nervensystems. 3
Herzinsuffizienz als Ursache
Niedriger Blutdruck ist einigen Fällen Zeichen einer schweren Herzleistungsschwäche (Herzinsuffizienz): Der erforderliche Blutdruck wird ihretwegen bei Anstrengung nicht mehr erreicht, was zu deutlich zu niedrigen Blutdruckwerten unter Belastung führt. Wenn die Herzschwäche ausgeprägter wird, können selbst in Ruhe normale Blutdruckwerte nicht mehr erreicht werden.
Niedriger Blutdruck bei Blutvergiftung
Beim septischen Schock (durch Vergiftung mit Bakterien, die in die Blutbahn gelangt sind) kommt es durch Weitstellung der Blutgefäße zu einem Versacken des Bluts und einem Blutdruckabfall.
Hypotonie als Medikamentenfehler
Medikamente können den Blutdruck in höherem Ausmaß als angestrebt senken und dadurch zu Symptomen führen (siehe Blutdrucktherapie). Die Dosierung muss angepasst und auf Arzneimittelwechselwirkungen geachtet werden.
Essenzielle Hypotonie
Wenn keine der üblichen Ursachen vorliegt, wird von einer „essenziellen Hypotonie“ gesprochen. Bei genauerer Untersuchung können dahinter oft Störungen in der Blutdruckregulation des Körpers ausgemacht werden, die selbst wieder vielfältige Ursachen haben können (genetische Varianten von Rezeptoren, Enzephalitis, seltene Ursachen).
Seltene Ursachen
Daneben gibt es eine Reihe seltenerer Ursachen für niedrigen Blutdruck. Dazu siehe hier.
Symptome und Komplikationen
Mangeldurchblutung lebenswichtiger Organe: Zu niedrige Blutdruckwerte führen zu einer schlechten Blutversorgung zentral wichtiger Organe. Besonders empfindlich reagieren Herz und Gehirn, deren Durchblutung im Akutfall am wichtigsten für das Überleben ist. An nächster Stelle sorgt der Körper für eine ausreichende Durchblutung der Nieren, damit Giftstoffe ausreichend ausgeschieden werden können. Bei Blutdruckwerten unter 70 – 80 mm Hg systolisch sinkt die Urinproduktion jedoch so dramatisch, dass eine Anurie (fehlende Urinproduktion) entsteht. Sie kann sich jedoch oft noch nach etlichen Stunden wieder erholen.
Häufige Symptome: Niedriger Blutdruck führt zu Leistungsschwäche, Müdigkeit bis Schläfrigkeit, Konzentrationsstörungen, weichen Beinen und ggf. Flimmern vor den Augen.
Herzrhythmusstörungen: Wenn das Herz gegenzuregulieren versucht, kommt es zu schnellem Herzschlag (Tachykardie) und ggf. auch Herzrhythmusstörungen.
Kollaps: Plötzlicher Blutdruckabfall kann zur Bewusstlosigkeit (Kollaps) führen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Liegt eine Bewusstlosigkeit vor, dann kommt es auf eine rasche Volumensubstitution (Infusion, ggf. Transfusion) und herzstärkende Maßnahmen an. Flache Lagerung und „Autotransfusion“ durch Hochlagerung der Beine hilft in vielen Fällen bereits, um die zentral wichtigen Organe (Herz und Gehirn) wieder ausreichend zu durchbluten (siehe unter Schock).
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