Natalizumab

Medikamente für Injektion

Natalizumab (Tysabri®) ist ein Medikament zur Behandlung der multiplen Sklerose und des Morbus Crohn. Es wirkt als Anti-Integrin-Antikörper, der die Migration von Entzündungszellen durch die Blut-Hirn-Schranke verhindert. Schwerwiegendste Nebenwirkung ist eine Entzündung im Gehirn. Tysabri wurde wegen der Nebenwirkungen vorübergehend vom Markt gezogen, hat aber in den USA und der EU eine erneute Zulassung erhalten, und zwar als Zweitlinien-Monotherapie für MS-Patienten mit aktiv remittierender Erkrankung, die mit anderen wirksamen Medikamenten nicht behandelbar sind.

Reduzierter Zugang zum Medikament: „Der Zugang zu Tysabri wird in den USA durch ein obligatorisches Patientenregistrierungsprogramm namens Touch streng kontrolliert. Nur autorisierte Infusionszentren dürfen das Medikament unter kontrollierten Bedingungen, die eine frühzeitige Erkennung von PML ermöglichen sollen, an berechtigte Patienten verabreichen. In der EU werden die Kernelemente des Risikomanagementplans übernommen, allerdings wird es aufgrund des Fehlens einer zentralen Behörde wie der FDA kein europaweites Patientenregister geben.“ 1

Zur Behandlung des Morbus Crohn: „Hochwertige Daten deuten darauf hin, dass Natalizumab bei einigen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer aktiver CD zur Induktion einer klinischen Remission und eines Ansprechens wirksam ist. Allerdings war keine der eingeschlossenen Studien in der Lage, seltene, aber schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wie PML zu erkennen. Aufgrund des Zusammenhangs mit PML und der Verfügbarkeit alternativer Wirkstoffe, die nicht mit PML in Verbindung gebracht werden, ist es unwahrscheinlich, dass Natalizumab bei Patienten eingesetzt wird, bei denen die derzeit verfügbaren medizinischen Therapien versagen. Die Anwendung von Natalizumab bei ausgewählten Patienten (z. B. Patienten, die gegen verschiedene Biologika allergisch sind) muss unter Berücksichtigung des potenziellen Risikos einer PML-Entwicklung sorgfältig abgewogen werden. Weitere Studien zu Natalizumab werden wahrscheinlich nicht durchgeführt werden.“ 2

Wirkung


Die Wirkung beruht auf der Bindung des Antikörpers an das Integrin der Zelloberfläche der Lymphozyten, wodurch diese daran gehindert werden, sich über das Adhäsionsmolekül 1 an den Endothelzellen der Blutgefäße des Gehirns anzuhaften. Sie werden so daran gehindert, durch die Gefäßwand in das Gehirn zu wandern und dort Entzündungsprozesse auszulösen 3.

PML als Komplikation

Als schwerwiegendstes Risiko einer Natalizumab-Therapie gilt eine progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML) mit einer Todesrate von 23 % 4.

In eine Analyse der Verträglichkeit nach der Zulassung über 559 749 Patientenjahre wurden 714 PML-Fälle registriert. Als Praediktor für solch eine Komplikation wurde der Nachweis des John Cunningham virus (JCV) identifiziert (DNA-Nachweis über PCR im Nervenwasser, Liquorpunktion erforderlich). 4

Studienerfahrungen

Studienerfahrung an 109 Patienten: Die jährliche Relapsrate sank bei einer Studie über 2 Jahre unter Natalizumab um 72.9 %; bei nur 11,3 % kam es zu einem Relaps. In 3,8 % traten bedeutende Nebenwirkungen auf, jedoch keine Leukenzephalopathie. 5

Natalizumab wirkte laut Studien bei einem MS-Verlauf, der durch viele Relapse und Remissione gekennzeichnet ist (RRMS), günstiger als Alemtuzumab  6 und als Fingolimod 7.


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Verweise

Weiteres

  1. Nat Biotechnol. 2006 Aug;24(8):874. doi: 10.1038/nbt0806-874[]
  2. Cochrane Database Syst Rev. 2018 Aug 1;8(8):CD006097. doi: 10.1002/14651858.CD006097.pub3[]
  3. Neurology. 2005 Apr 26;64(8):1336-42.[]
  4. Ther Adv Neurol Disord. 2017 Sep;10(9):327-336. doi: 10.1177/1756285617716002. [][]
  5. Neurol Ther. 2017 Dec;6(2):197-211. doi: 10.1007/s40120-017-0084-6.[]
  6. Medicine (Baltimore). 2018 Feb;97(8):e9908. doi: 10.1097/MD.0000000000009908.[]
  7. Mult Scler. 2016 Sep;22(10):1315-26. doi: 10.1177/1352458516650736.[]