Allgemeines
Es wird empfohlen, alle Schwangeren während jeder Schwangerschaft sowohl auf HBV als auch auf HCV zu untersuchen. Heute gibt es Möglichkeiten, das Risiko einer vertikalen Übertragung erheblich zu verringern 1. Die Hepatitis B bei Neugeborenen ist daher in Europa relativ selten. Die Infektion findet meist unter der Geburt statt. Eine vertikale Übertragung des Hepatitis-B-Virus (HBV) ist der wichtigste Übertragungsweg. Trotz Immunprophylaxe können sich Säuglinge unter der Geburt infizieren. Wenn eine intrauterine Infektion anzunehmen ist, wird eine intrauterine Behandlung in Fällen mit hohem Risiko in Erwägung zu ziehen sein 2.
Der Verlauf einer neonatalen chronischen Hepatitis B zeigt einige Besonderheiten.
→ Grundlagen zur Hepatitis B siehe hier.
Chronizität bei Neugeborenen
Drei Faktoren tragen zur Entwicklung einer Chronizität bei:
- die Unreife des fötalen Immunsystems
- Bei der vertikalen Transmission kann das im Föten entstehende HBeAg die zelluläre Immunantwort des immunologisch unreifen Wirts schwächen. Es kann eine Immuntoleranz der zytotoxischen T-Lymphozyten gegen Nukleokapsid-Zielantigene bewirken, die auf der Oberfläche von Hepatozyten exprimiert werden (günstig für das Virus, da der Wirt nicht so schnell stirbt).
- Mütterliches Anti-HBc-IgG wird zum Fötus übertragen und schützt dort die Oberfläche von Hepatozyten vor dem (durch HBeAg geschwächten) zytotoxischen Angriff von T-Lymphozyten (s. u.).
Chronizität nach der Neugeborenenperiode
Interferone (IFN), speziell alpha-IFN, spielen eine große Rolle
- Sie induzieren die Expression von MHC-Klasse-I-Antigenen auf der Oberfläche von Hepatozyten.
- Sie erzeugen einen antiviralen Stoffwechsel in den Hepatozyten, der die Virusreplikation blockiert. In einem Teil der chronischen B-Hepatitiden ist die Produktion endogenen alpha-Interferons geringer als normal. Das ist z.T. zurückführbar auf eine direkte HBV-Infektion der mononukleären Blutzellen, z.T. möglicherweise aber auch mit einer vorbestehenden Insuffizienz dieser Zellen, alpha-Interferon zu bilden (denn nur etwa 1/3 der mit IFN-alpha behandelten Patienten eliminiert HBV; Serokonversion)
- Bei chronischer B-Hepatitis findet sich eine abnormale Reaktion der Hepatozyten auf alpha-IFN.
MHC-1 wird nur gering exprimiert und die Induktion virustatischer Enzyme ist nur gering. Das ist direkt auf das Virus zurückzuführen (wahrscheinlich ein Effekt der HBV-DNA-Polymerase).
Alpha-Interferon induziert ß2-Mikroglobulin auf nicht infizierten Hepatozyten, nicht aber auf Hepatozyten, die die virale HBV-DNA-Polymerase enthalten.
Empfehlungen
Als Praxis-Anleitung zur Vorbeugung und Behandlung einer Neugeborenen-Hepatitis-B werden folgende Maßnahmen empfohlen 3:
- Untersuchung aller Schwangerer auf das Hepatitis-B-Oberflächenantigen (HBsAg) und Anti-HBsAg. Impfung HBsAg-negativer Schwangerer aus Hochrisikogruppen ohne Immunität.
- HBsAg-positive Schwangere: Leberdiagnostik und Diagnostik der Reagibilität des Immunsystems.
- Wenn HBV-DNA-Werte über 200.000 IE/ml oder 6 log Kopien/ml liegen: Therapie.
- Die Behandlung mit antiviralen Medikamenten sollte etwa in der 28. bis 32. Schwangerschaftswoche begonnen werden. Als Medikament der ersten Wahl wird Tenofovirdisoproxilfumarat empfohlen.
- Die Art der Entbindung sollte ausschließlich auf der Grundlage geburtshilflicher Indikationen gewählt werden.
- Stillen ist nicht kontraindiziert: Es erhöht bei Verabreichung von HBV-Impfstoff und Immunglobulin nicht das Übertragungsrisiko.
- Neugeborene von HBsAg-positiven Müttern: Impfung so bald wie möglich nach der Geburt (HBV-Impfstoff und Immunglobulin).
- Nachsorge von Mutter und Neugeborenem.
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Verweise
Patienteninfos
Weiteres
- Neoreviews. 2023 Jan 1;24(1):24-30. doi: 10.1542/neo.24-1-e24[↩]
- Obstet Gynecol Surv. 2020 Sep;75(9):557-565. doi: 10.1097/OGX.0000000000000831[↩]
- Obstet Gynecol Surv. 2020 Sep;75(9):557-565. doi: 10.1097/OGX.0000000000000831[↩]