Endometriumhyperplasie

Allgemeines

Endometriumhyperplasie bedeutet vermehrte Ausbildung der Uterusinnenschicht (Uterusschleimhaut, Endometrium).  Ursache ist eine Dauerstimulation mit dem Hormon Östrogen. Östrogen wird normalerweise in der ersten Zyklushälfte durch das dominiernde Follikel in den Ovarien (Eierstöcken) gebildet und bewirkt einen Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. Dies dient dazu, den Uterus auf die Einnistung einer befruchteten Zelle vorzubereiten. Die Östrogenproduktion wird durch das Hormon LH (luteinisierendes Hormon) aus der Hirnanhangsdrüse (dem Hypophysenvorderlappen) reguliert. Bei krankhafter, d.h. unregulierter Produktion unterliegt die Uterusschleimhaut einem ständigen Wachstumsreiz und wird damit hyperplastisch. Eine anhaltende Hyperplasie bedeutet ein erhöhtes Risiko für ein Uteruskarzinom.

Risikofaktoren

  • Adipositas: Übergewicht trägt zur Entstehung der Endometriumhyperplasie bei, da Fettgewebe auch Östrogene produziert.

Entstehung

  • Follikelpersistenz: bei anovulatorischen Zyklen unterbleibt die Degeneration eines reifen Follikels, der kontinuierlich Östrogen produziert.
  • Ovarialtumoren: Keimzelltumoren, die ektop Östrogen produzieren. Theka- oder Granulosazelltumor)
  • Hormonsubstitution in der Menopause: Zur Prävention der postmenopausalen Osteoporose wird häufig Östrogen medikamentös eingenommen. Bei falscher Anwendung reiner Östrogenprodukte kann es zur Überstimulation des Endometriums kommen.

Einteilung

Histologisch unterscheidet man die glandulär-zystische und die adenomatöse Hyperplasie.

ANZEIGE
  • glandulär-zystisch: Aufweitung der Drüsen.
  • adenomatös: Die Drüsen im Endometrium proliferieren; dies geht in 10% der Fälle in ein Endometriumkarzinom über und ist als Präkanzerose einzustufen.

Diagnostik, Klinik

Im Vordergrund stehen irreguläre vaginale Blutungen, z.B nach der Menopause oder im Sinne einer Dauerblutung oder Zwischenblutung.

Zur Abklärung wird eine Hysteroskopie (Gebärmutterspiegelung) mit fraktionierter Kürettage durchgeführt. Dadurch gewinnt man Gewebeproben, die histologisch aufgearbeitet werden und dann die Therapie bestimmen. Da eine Endometriumhyperplasie eine Vorstufe eines Endometriumkarzinoms sein kann, wird das Kürettagematerial daher auf Gewebe-/Zellatypien hin untersucht.

Bei einer Endometriumhyperplasie sollte ein polyzystisches Ovar (durch Sonographie oder andere bildgebende Verfahren) gesucht werden.

Therapie

Die Behandlung sollte individuell adaptiert werden 1. Die zu favorisierende Option kann je nach Befund und persönlichen Umständen eine Überwachung, eine Behandlung mit Progestin („Gegenhormon“) oder eine Hysterektomie sein. Bei der Wahl werden das Risiko einer Krebsentstehung und der Wunsch nach Erhalt der Fertilität berücksichtigt 2.

Glandulär zystische Hyperplasien des Endometriums sind mit der Kürettage, also dem Abkratzen der betroffenen Schleimhautoberfläche, schon ausreichend behandelt.

Die adenomatösen Formen sind aufgrund des möglichen Übergangs in ein Endometriumkarzinom gefährlicher. Patienten ohne Kinderwunsch wird die komplette Entfernung der Gebärmutter geraten (Hysterektomie). Bei Kinderwunsch lässt sich eine Rückbildung durch Ovulationshemmer mit Gestagenen erreichen. Dadurch wird der normale Zyklus in der zweiten Hälfte unterbrochen, in der der Östrogenspiegel niedrig ist. Damit entzieht man dem hyperplastischen Gewebe seinen Wachstumsreiz. Der Kinderwunsch sollte dann schnellstmöglich umgesetzt werden.

Bei Patientinnen mit Diabetes mellitus senken Sodium-Glucose-Cotransporter-2 (SGLT2)-Hemmer (wie Empagliflozin) das Risiko für Gebärmutterkrebs 3.


facebook: Neues und Interessantes!
Labor-App Blutwerte PRO – mit Lexikonfunktion


Verweise

Weiteres

  1. J Gynecol Oncol. 2016 Jan;27(1):e8. doi: 10.3802/jgo.2016.27.e8.[]
  2. Arch Gynecol Obstet. 2022 Aug;306(2):407-421. doi: 10.1007/s00404-021-06380-5[]
  3. Int J Med Sci. 2024 May 19;21(8):1408-1413. doi: 10.7150/ijms.95584. PMID: 38903923[]