Bauchumfang

Erhöhter Bauchumfang bei Adipositas und Diabetes
Erhöhter Bauchumfang bei Adipositas und Diabetes

Allgemeines


Der Bauchumfang ist ein zentrales Maß zur Einschätzung gesundheitlicher Risiken, weil er direkt widerspiegelt, wie viel stoffwechselaktives Bauchfett im Körper vorhanden ist. Bauchfett ein entscheidender Treiber für chronische Erkrankungen wie Typ‑2‑Diabetes, Herz‑Kreislauf‑Leiden und Fettleber. Anders als der Body‑Mass‑Index, der lediglich Größe und Gewicht verrechnet, erfasst der Bauchumfang das für viele Krankheiten wesentliche Bauchfett. Es ist damit für viele Fragestellungen der präzisere Indikator.

Indikationen

Der Bauchumfang sollte bei allen Menschen mit Übergewicht oder Adipositas standardmäßig erhoben werden. Denn vermehrtes viszerales Bauchfett bedeutet ein erhöhtes Risiko für Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen, eine Fettleber und eine degenerative Knochenerkrankung.

Messung

Eine weltweit einheitliche Messempfehlung gibt es nicht. In der Praxis (und nach WHO-Empfehlung) wird der Bauchumfang meistens in der Mitte zwischen oberem Beckenkamm und unterem Rippenbogen gemessen; meist ist das die Höhe des Bauchnabels. Die Messung erfolgt im Stehen, in mittlerer Atemlage und nicht nach einer Mahlzeit.

Obere Normgrenzen: Frauen: 80 cm, Männer: 94 cm

Kritische Grenzen: Frauen: 88 cm, Männer: 102 cm

Bewertung

Das Risiko für Krankheiten, die mit erhöhtem Bauchumfang verbunden sind, steigt oberhalb der oberen Normgrenzen. 1

Mortalität

Der Bauchumfang hat sich in einer Studienauswertung als unabhängiger Risikofaktor für die Gesamtmortalität herausgestellt (auch unabhängig vom BMI). 2 Auch da Verhältnis von Bauchumfang zum Umfang im Hüftbereich und zur Körpergröße ergibt ist mit der Mortalität korreliert (pro 0,1 Zunahme von „waist to height“ Anstieg um 24 %). 3

Risiko einer Arteriosklerose

Oberhalb der oberen Normgrenze steigt das Risiko für eine Arterienverkalkung. Es können sich folgende Komplikationen entwickeln: Herzengegefühl (Angina pectoris), Herzinfarkt, Schlaganfall. Schon bei Schulkindern ist ein erhöhter Bauchumfang mit einer subklinischen Arteriosklerose verbunden. 4

Risiko für Zuckerkrankheit

Ein vermehrter Bauchumfang bedeutet ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines metabolischen Syndroms und eines Diabetes. Der „cut-off“ für eine gute Vorhersage ist von der jeweils betrachteten Bevölkerungsgruppe abhängig. Für über 60-jährige Menschen in Ecuador wurde er mit 91 cm für Männer und Frauen bestimmt. 5

→ Metabolisches Syndrom
→ Diabetes mellitus

Risiko für eine Fettleber

Vermehrtes Körperfett und besonders vermehrtes Bauchfett erhöhen das Risiko für eine Fettleber (Steatosis hepatits) und einer Fettleberhepatitis. Ein erhöhter Bauchumfang ist mit einer Fettlebererkrankung stärker assoziiert als der BMI. 6

Bewegungsapparat

Ein erhöhtes Körpergewicht bedeutet eine vermehrte Belastung der Gelenke und der Wirbelsäule. Sie können vorzeitig verschleißen. Das Risiko für eine Arthrose, Bandscheibenschäden und Zusammenbrüche von Wirbeln steigt. Zudem fördern die im Fettgewebe generierten Entzündungsmediatoren eine Entzündung (Osteoarthritis) sowie den Knochenabbau (Osteoporose) 7. In einer Studie an >54000 Frauen war das Risiko von Wirbelfrakturen bei einem Bauchumfang >107 cm gegenüber <71 cm nach Adjustierungen auf 149 % erhöht 8.

Alternativen

Eine Kritik des Bauchumfangs (waist circumference, WC) als Parameter für Krankheitsprognosen besagt, dass er unzureichend die relativen Anteile von Fett und von Muskelmasse berücksichtigt. Daher wurden in Studien abgewandelte Parameter, wie ein body-shape-index (ABSI), ein waist-to-hip-Ratio (WHR), ein waist to height-ratio (WHtR) und der visceral-adiposity-index (VAI; Produkt von WC und BMI) verwendet 9 10.

ABSI

Der Body Shape Index (ABSI), der den Bauchumfang zu Gewicht und Größe in Beziehung setzt, hat sich für einige Fragestellungen als ein zuverlässigerer Parameter als die WC erwiesen. Beispielsweise korreliert er besser mit der Mortalität beim metabolischen Syndrom und der Gebrechlichkeit im Alter über 65 Jahre 11.


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Verweise

Weiteres

Literatur: 12

  1. Nat Rev Endocrinol. 2020 Mar;16(3):177-189. DOI: 10.1038/s41574-019-0310-7.[]
  2. Arch Intern Med. 2010 Aug 9;170(15):1293-301. DOI: 10.1001/archinternmed.2010.201.[]
  3. BMJ. 2020 Sep 23;370:m3324. DOI: 10.1136/bmj.m3324.[]
  4. Diabetes Metab Syndr. 2019 Jan-Feb;13(1):264-269. DOI: 10.1016/j.dsx.2018.09.004.[]
  5. Diabetes Metab Syndr. 2019 Mar-Apr;13(2):1015-1020. DOI: 10.1016/j.dsx.2019.01.013[]
  6. World J Gastroenterol. 2015 Feb 7;21(5):1650-62. DOI: 10.3748/wjg.v21.i5.1650.[]
  7. Ann Transl Med. 2019 May;7(9):201. DOI: 10.21037/atm.2019.04.71. []
  8. Obesity (Silver Spring). 2019 Sep;27(9):1513-1519. doi: 10.1002/oby.22555.[]
  9. Sci Rep. 2017 Oct 23;7(1):13784. DOI: 10.1038/s41598-017-14251-w.[]
  10. Metab Syndr Relat Disord. 2018 May;16(4):160-165. doi: 10.1089/met.2017.0166.[]
  11. Front Nutr. 2024 Apr 12;11:1305330. doi: 10.3389/fnut.2024.1305330[]
  12. Curr Cardiol Rev. 2024;20(4):e270324228382. doi: 10.2174/011573403X290574240322041356[]