Schilddrüsenkarzinom

Schilddrüsentumor Sonographie
Schilddrüsentumor (Sonographie)

Allgemeines

Das Schilddrüsenkarzinom ist eine bösartige Erkrankung, die sich meistens aus einem gutartigen Schilddrüsenknoten entwickelt. In etwa 84 % liegt es ein papilläres Schilddrüsenkarzinom vor. Das relative 5-Jahres-Überleben beträgt etwa 98,5 %. Hier wird ein Kurzüberblick gegeben 1 2:

Typen

Differenzierte Karzinome (DTC) machen etwa 90 % der Schilddrüsentumore aus. Sie entstehen aus follikulären Zellen der Schilddrüse und beinhalten das papilläre (PTC), das follikuläre (FTC) (≈4 %) und das onkozytäre (≈2 %) Karzinom.

Aggressive Formen, die sich von follikulären Zellen ableiteten, sind „schlecht differenzierter Schilddrüsenkrebs“ (≈5 %) und „anaplastischer Schilddrüsenkrebs“ (≈1 %).

Das medulläre Schilddrüsenkarzinom (MTC) (≈4 %) entsteht aus parafollikulären C-Zellen. Dies ist ein bösartiger neuroendokriner Tumor, welcher Calcitonin produziert. Er ist mit neuroendokrinen Tumoren (MEN Typ 2) assoziiert (dazu siehe hier).

Diagnostik

Die meisten Fälle sind asymptomatisch und werden häufig zufällig bei bildgebenden Untersuchungen entdeckt. Meistens werden Knoten entdeckt, die noch gutartig sind. Es werden standardisierte Bewertungen des Schilddrüsenkrebsrisikos anhand von Ultraschallmerkmalen vorgenommen, die helfen, die Zahl der unnötigen Schilddrüsenbiopsien zu verringern und das Krebsrisiko besser einschätzen lassen 3 4.

Therapie

Bei Mikrokarzinomen (≤1 cm) kann eine Beobachtung ohne chirurgische Resektion erwogen werden.
Bei Tumoren, die größer als 1 cm sind, ist eine Operation (mit oder ohne radioaktives Jod) in den meisten Fällen kurativ, auch wenn bereits Lymphknotenmetastasen vorliegen.

Bei bereits vorliegenden Metastasen kommt (je nach Lokalisation) eine chirurgische Resektion oder eine stereotaktische Bestrahlung infrage. Zudem kommen systemische medikamentöse Behandlungen zur Anwendung (z. B. Lenvatinib, Dabrafenib und antiangiogene Multikinase-Inhibitoren, wie Sorafenib, Lenvatinib, Cabozantinib). Sie sind für Schilddrüsenkrebs zugelassen, der nicht auf radioaktives Jod anspricht. Die Ansprechraten betragen 12 % bis 65 %. Dabrafenib und Selpercatinib richten sich gegen spezielle genetische Mutationen (BRAF, RET, NTRK, MEK) und kommen bei Patienten mit fortgeschrittenem Schilddrüsenkarzinom infrage. Lenvatinib und Sorafenib erhielten die Zulassung für das nicht mehr auf eine Radiotherapie ansprechende differenzierte Schilddrüsenkarzinom (DTC). Cabozantinib und Vandetanib erhielten die Zulassung für das medulläre Schilddrüsenkarzinom (MTC). 5 Eine Mortalin-Inhibition scheint sich als eine neue Therapiemöglichkeit abzuzeichnen 6.


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Verweise

  1. JAMA. 2024 Feb 6;331(5):425-435. doi: 10.1001/jama.2023.26348.[]
  2. Int J Mol Sci. 2022 Apr 22;23(9):4631. doi: 10.3390/ijms23094631[]
  3. JAMA Otolaryngol – Head Neck Surg. 2021;147(4):343–349[]
  4. Sisli Etfal Hastan Tip Bul. 2023 Sep 29;57(3):287-304[]
  5. Semin Cancer Biol. 2022 Feb;79:180-196. doi: 10.1016/j.semcancer.2020.11.013[]
  6. Int. J. Mol. Sci. 2022;23:1063. doi: 10.3390/ijms23031063[]