Der lösliche Transferrinrezeptor (sTfR, soluble transferrin receptor) ist ein diagnostischer Laborparameter und dient der Klärung eines Eisenmangels trotz erhöhten Ferritins. Er ist das Abspaltungsprodukt vom membrangebundenen Transferrinrezeptor 1, der die Aufnahme von Eisen, das im Blut an Transferrin gebunden ist, in die Körperzellen vermittelt.
Klinische Bedeutung
Der lösliche Transferrinrezeptor (sTfR) korreliert in seiner Konzentration mit dem Ausmaß eines Eisenmangels. Er ist als Marker verlässlicher als Ferritin, welches nicht nur bei Eisenmangel, sondern auch bei Entzündungen vermehrt gebildet wird und auch zu den Entzündungsparametern zählt.
Indikation zur Bestimmung
sTfR-Werte sind unabhängig von Entzündungen, die bei anderen Markern, wie Transferrin und Ferritin stören. Die Bestimmung ist indiziert bei vermutetem Eisenmangel, z. B. zur Klärung einer Anämie, wenn gleichzeitig eine Entzündung im Körper vorliegt oder vermutet wird. Insbesondere bei chronisch entzündlichen Erkrankungen mit erhöhtem Ferritin kann sTfR zur Klärung eines vermuteten Eisenmangels beitragen.
Interpretation der Werte
Der beste Cut-off-Wert für sTfR zwischen Eisenmangelanämie und einer Anämie bei chronischen Erkrankungen lag in einer Untersuchung bei 4,7 mg/l (Sensitivität 92 % und Spezifität 81 %). Mit diesem sTfR-Wert wurden 83 % korrekt klassifiziert. Das Verhältnis von sTfR x 100 zu Serumferritin war bei einem Cut-off-Wert bei 8 besonders effizient: 62 von 64 Fällen wurden korrekt klassifiziert (97 %) 1. Allerdings ist sTfR nicht unempfindlich gegenüber einer Entzündung, sodass eine Adjustierung vorgeschlagen wurde 2.
Erniedrigte sTfR-Werte finden sich bei einer Eisenüberladung des Körpers.
Erhöhte sTfR-Werte finden sich bei einem Eisenmangel.
Störgrößen: Fehlinterpretationen der Messwerte sind bei Bluttransfusionen, Hämolyse oder bei starker Blutneubildung möglich.
Erhöhte Werte bei COPD
Erhöhte sTfR1-Werte können in Kombination mit niedrigem Hämoglobin als Biomarker für eine schwere pulmonale Hypertonie bei COPD dienen 3.
Erhöhte Werte bei Herzinsuffizienz
Erhöhte sTfR-Werte sind bei Patienten mit Herzinsuffizienz assoziiert mit pathologischen strukturellen und funktionellen Veränderungen des linken Ventrikels, so z. B. mit einem erhöhten linksventrikulären enddiastolischen Volumen 3. Es korreliert mit dem Schweregrad und der Prognose der Herzinsuffizienz und stellt einen potenziellen Biomarker für die Prognose dar 4.
Werte bei aplastischer Anämie
sTfR war bei aplastischer Anämie (AA) signifikant niedriger als bei Kontrollpersonen (17,9 nmol/l, Bereich 9,87–30,42 nmol/l vs. 52,2 nmol/l, Bereich 29,74–86,84 nmol/l). Bei sehr schwerer aplastischer Anämie und bei schwerer aplastischer Anämie lagen die Werte durchschnittlich bei 34,27 nmol/l (Bereich 31,05–45,41 nmol/l) und 55,15 nmol/l (Bereich 48,78–63,88 nmol/l). Die sTfR-Konzentration drückt laut den Autoren die erythropoetische Aktivität bei AA-Patienten aus und wird als ein Indikator für den Schweregrad der Knochenmarkinsuffizienz angesehen 5.
IgA-Nephritis
Immunglobulin A (IgA1) bewirkt eine Überexpression von TfR1 in den Mesangialzellen der Niere. Es wurde nachgewiesen, dass dabei der PI3K/Akt/mTOR-Signalweg aktiviert wird. In Tierexperimenten wurde durch Hemmung von mTOR diese pathogene Achse unterbrochen und der Schweregrad der Erkrankung verringert. Dies wurde als eine vielversprechende therapeutische Strategie für die IgA-Nephritis angesehen 6.
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Verweise
Weiteres
- Haematologica. 1998 Nov;83(11):963-6. PMID: 9864913[↩]
- Am J Clin Nutr. 2017 Jul;106(Suppl 1):372S-382S. doi: 10.3945/ajcn.116.142232[↩]
- Lung. 2025 Jul 14;203(1):79. doi: 10.1007/s00408-025-00833-3[↩][↩]
- Eur J Med Res. 2025 Nov 14;30(1):1127. doi: 10.1186/s40001-025-03381-x[↩]
- Egypt J Immunol. 2025 Jan;32(1):42-49. doi: 10.55133/eji.320104[↩]
- PLoS One. 2025 Oct 7;20(10):e0318581. doi: 10.1371/journal.pone.0318581[↩]
